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BERLIN (KOBINET)
BERLIN (KOBINET) Der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE) ruft zu einer Demonstration für Menschenrechte und gegen Zwang und Gewalt in der Psychiatrie auf. Die öffentliche Protestaktion findet am 8. und 9. Oktober vor dem Weltkongress der Psychiatrie in Berlin statt. Zur Demonstration gegen den World Psychiatric Association Kongress in Berlin werden die renommierten Psychiater Dr. Martin Zinkler aus Heidenheim und Dr. Wolf Müller, ehemaliger Chefarzt der psychiatrischen Tageskliniken im Kreis Herford, erwartet.
„Am 8. Oktober ab 16 Uhr und am 9. Oktober ab 8 Uhr finden große Demonstrationen für Menschenrechte und gegen Zwang und Gewalt in der Psychiatrie vor dem WPA, dem Weltkongress der Psychiatrie, in Berlin Messe Süd, statt. Am 8. Oktober werden als Redner unter anderem Dr. med. Martin Zinkler, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Klinik Heidenheim, und Dr. Sigrid Arnade, Sprecherin der LIGA Selbstvertretung, auftreten. Am 9. Oktober wird Dr. Wolf Müller, ehemaliger Chefarzt der psychiatrischen Tageskliniken im Kreis Herford, als Redner erwartet“, teilte der BPE mit.
„Der WPA ist eine internationale Organisation von Psychiatern, die ihren Einflussbereich weltweit ausdehnen will. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, weltweit menschliches Verhalten und menschliche Lebensäußerungen in ‚gesund‘ und ‚krank‘ zu unterteilen und die von ihnen erfundenen und diagnostizierten ‚Krankheiten‘ zu behandeln – oft ohne Zustimmung oder gegen den Willen ihrer Patienten. Die WPA steht für die Pathologisierung abweichenden Verhaltens, für Chronifizierung von Leidenszuständen durch Dauermedikation, für Hirnverstümmelungen, Elektroschock und für korrupte Allianzen mit großen Pharmafirmen“, heißt es vonseiten des BPE.
Der Weltkongress der Psychiatrie findet dieses Jahr zusammen mit dem DGPPN-Kongress statt. Es werden rund 10.000 TeilnehmerInnen erwartet. Die Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) ist die größte medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Fragen psychischer Erkrankungen in Deutschland und besteht bereits seit 150 Jahren. In der Zeit des Nationalsozialismus waren die Vorgängerorganisationen und Psychiater der DGPPN an Zwangssterilisierungen und den Krankenmorden an Menschen mit körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen beteiligt. Der Begriff T4-Aktion, der nach der Zentraldienststelle in der Tiergartenstraße 4 in Berlin benannt wurde, bezeichnet die gezielte Tötung von über 70.000 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen sowie psychischen und neurologischen Erkrankungen zwischen 1939 und 1941, betont der BPE. „Vor diesem Hintergrund ist es ein Hohn für die Opfer, wie dem 100-jährigen BPE-Gründungsmitglied Dorothea Buck, die noch heute unter den Folgen der Zwangssterilisation leidet, dass der Weltkongress der Psychiatrie ausgerechnet in Berlin stattfindet. Die überlebenden Opfer der T4-Aktion wurden bis heute finanziell nicht mit den anderen Opfern des NS-Regimes gleichgestellt und die Anerkennung als rassisch Verfolgte wird ihnen versagt“, heißt es im Aufruf des BPE.
Obwohl die UN-Behindertenrechtskonvention seit 10 Jahren auch allen Menschen mit psychiatrischen Diagnosen alle Menschenrechte zugesteht, werde immer noch weltweit dagegen verstoßen. Der BPE kämpft nun seit 25 Jahren gegen Zwangsbehandlung und für die Rechte von Menschen, die in die Fänge der Psychiatrie geraten sind oder waren. Der Verein veranstaltet fantasievollen Aktionen, mit denen auf die dunklen Seiten des psychiatrischen Geschäfts aufmerksam gemacht werden soll. Bei der Demonstration wird der BPE durch andere Selbstvertretungsorganisationen unterstützt werden.




