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Uwe Frevert wird heute 60

Uwe Frevert
Uwe Frevert
Foto: omp

KASSEL (KOBINET) Weit über die Hälfte seines bisherigen Lebens engagiert sich Uwe Frevert in der Selbstbestimmt Leben Bewegung behinderter Menschen. Heute wird der Streiter für Persönliche Assistenz, Persönliche Budgets und Selbstbestimmung 60 Jahre alt. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul, der in den letzten 25 Jahren immer wieder die Gelegenheit hatte, Aktivitäten mit dem langjährigen Vorstandsmitglied der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) zu planen und durchzuführen, blickt anlässlich dessen heutigen Geburtstags auf einige Aktionen aus einer bewegten Zeit mit Uwe Frevert zurück.

Bei der Ankettaktion im Mai letzten Jahres am Reichstagsufer konnte Uwe Frevert nicht dabei sein, das fuchst ihn heute noch, denn er hat hart für Verbesserungen beim Bundesteilhabegesetz gekämpft. Bereits zu Anfang der Kampagne für ein gutes Bundesteilhabegesetz hatte er das Sparschwein seines Sohnes an den hessischen Sozialminister geschickt, um gegen die Anrechnung des Einkommens und Vermögens - auch von Familienangehörigen - zu protestieren. Bereits in den 80er Jahren hatte Uwe Frevert den Geist der Selbstbestimmt Leben Bewegung geatmet, als er an der Durchführung eines internationalen Kongresses zur Behindertenpolitik in München maßgeblich beteiligt war. Judith Heumann und Adolf Ratzka waren damals nur einige der hochkarätigen ReferentInnen, die das Leben von Uwe Frevert schon früh geprägt haben. Von Adolf Ratzka hat Uwe Frevert u.a. gelernt, wie wichtig Persönliche Assistenz für ein selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen ist und dass man auch mit höherem Unterstützungsbedarf studieren kann. Die Gründung des Verbunds behinderter ArbeitgeberInnen (VbA) in München war davon eine Folge.

Nach dem Kongress in München war der Weg für Uwe Frevert in der Behindertenbewegung vorgezeichnet: In München kämpfte er u.a. für einen barrierefreien Nahverkehr und für Persönliche Assistenz, auf internationaler Ebene war er maßgeblich an der Gründung des Europäischen Netzwerks zum selbstbestimmten Leben - ENIL - beteiligt. Und schließlich folgte die Gründung der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) 1990, die Uwe Frevert entscheidend mitprägte. Und auch bei der Koordination der ersten Europäischen Protesttage zur Gleiuchstellung behinderter Menschen ab 1992 spielte Uwe Frevert eine zentrale Rolle. Seit über 25 Jahren arbeitet Uwe Frevert als Peer Counselor, so dass ihm diese Beratungsmethode von behinderten Menschen für behinderte Menschen sehr am Herzen liegt. Deshalb macht er von Anfang an auch bei den Weiterbildungen für Peer CounselorInnen des Bildungs- und Forschungsinstituts zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) als Trainer mit. Die 16. Peer Counseling Weiterbildung beginnt übrigens Anfang nächsten Jahres.

Uwe Frevert ist aber alles andere als ein bloßer Vereinsfuzi, sondern eher ein Mensch der Tat, wenn es darum ging, Ungerechtigkeiten und Menschenrechtsverletzungen anzuprangern. Wenn er im Zug aufgrund der Tatsache, dass er einen Elektrorollstuhl nutzt, nicht mitgenommen wurde, wurde der Zug schon auch mal eine halbe Stunde aufgehalten. Zur Durchsetzung seiner Rechte und die von anderen behinderten Menschen scheut Uwe Frevert auch den Klageweg nicht. So hat er es immer wieder geschafft, für ihn passende Elektrorollstühle zu bekommen, auch wenn die Krankenkassen hier oft gezickt haben. Überhaupt ist Uwe Frevert ein Tüftler, der gerne neue Technik und neue Sachen ausprobiert. So war er schon ganz früh Anfang der 90er Jahre mit E-Mails zu Gange, als so manche noch keine Ahnung hatten, was das denn sein könnte. Zuletzt hatte Uwe Frevert im Frühjahr von sich Reden gemacht, als er die Anweisung eines Straßenbahnfahrers nicht befolgte, die Straßenbahn wieder zu verlassen, weil er mit seinem E-Rollstuhl angeblich nicht befördert werden dürfe. Dies provozierte einen Polizeieinsatz, bei dem Uwe Frevert letztendlich sein Recht erkämpfte und die Straßenbahn nach fast halbstündiger Verspätung endlich mit Uwe Frevert an Bord losfuhr. Seit dieser Zeit ist es um das Thema der Beförderung von Menschen, die Scooter bzw. Rollstühle nutzen, zumindest in Kassel wieder ruhiger geworden.

Aus seinem 60. Geburtstag macht Uwe Frevert aber kein großes Aufheben. Mit Spannung blickt er vielmehr in die Zukunft und fragt sich, ob in Deutschland endlich das gelingt, was in den USA seit 1990 Gesetz ist. Nämlich, dass endlich auch private Anbieter von Dienstleistungen und Produkten zur Barrierefreiheit verpflichtet werden. Und dann ist da noch das Peer Counseling. Die ergänzende unabhängige Beratung könnte für diese Beratungsmethode endlich auch in Deutschland einen Durchbruch bringen, wenn die hierzu im Bundesteilhabegesetz verankerten Regelungen konsequent umgesetzt werden. Heute ist Antragsschluss für die erste Bewerbungsrunde und so blickt Uwe Frevert gespannt darauf, welche Organisationen die Bewilligung für die zukünftige ergänzende und hoffentlich von Leistungserbringern und Kostenträgern unabhängige Beratung im Sinne des Peer Counselings bekommen.

KASSEL (KOBINET) Kategorien Nachrichten
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