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Knigge bei kobinet?

Porträtfoto Günter Heiden
Porträtfoto Günter Heiden
Foto: Rolf Barthel

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Porträtfoto Günter Heiden
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Foto: Rolf Barthel

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Foto: Rolf Barthel

BERLIN (KOBINET)

BERLIN (KOBINET) Der Journalist H.-Günter Heiden ist nicht nur langjährig in der Behindertenpolitik aktiv, sondern verfolgt die kobinet-nachrichten seit vielen Jahren aufmerksam. Mit einem Zwischenruf mit der Frage, wie es um die Kultur bei den Leserbriefen in den kobinet-nachrichten bestellt ist, hat er folgenden Beitrag an die kobinet-nachrichten mit dem Titel "Knigge bei kobinet" geschickt.



Ein Zwischenruf von H.- Günter Heiden

Um es vorweg zu sagen: Als Journalist, der kobinet von der ersten Stunde an begleitet, bin natürlich nicht dafür, die „Lesermeinungen“ in den kobinet-nachrichten zu streichen, noch nicht! Widerspruch, Gegenäußerungen, Ergänzungen zu den Nachrichten müssen möglich sein. Ebenso Satire und pointierte Statements. Soweit zum publizistischen Grundprinzip. Andererseits habe ich häufig ein verdammt ungutes Gefühl, wenn ich mir manche Lesermeinung, nicht nur der letzten Tage, auf kobinet anschaue. Ist das noch „Meinung“ oder schon „Anpöbelei“, die oft mit wenig Sachkenntnis unterlegt ist? Wissen die Leserbrief-Schreiberinnen und -schreiber wirklich, was sie da tun? Ich vermute – nein.

Über meinem Schreibtisch hängt ein Zitat von Antoine de Saint Exupery: „Vergiss nicht, dass dein Satz eine Tat ist!“ Wer sich zudem einmal die Mühe macht, den 16-ziffrigen Pressekodex des Deutschen Presserates vorzunehmen, wird auch da fündig: „Achtung der Menschenwürde“, „Schutz der Persönlichkeit“ oder „Diskriminierungen“ werden dort abgehandelt. Gut, mag man da einwenden – das gilt für die Journalistinnen und Journalisten, für die Berichterstattung in der Presse, aber ist es zuviel verlangt, eine solche Art „Knigge“ auch für die Lesermeinungen einzufordern? Harte Kritik in der Sache – ja! Persönliche Diffamierungen – nein!

Ferner spreche ich mich auch für die Klarnamen-Nennung aus. Ich bin mir bewusst, dass es angeblich gute Internet-Tradition ist, mit selbstgewählten Phantasienamen zu operieren – das mag bei Partnerbörsen vielleicht ok sein, aber bei Leserbriefen? Da gehört es für mich auch bei der Leserbrief-Registrierung dazu, mit offenem Visier zu schreiben und sich nicht hinter einem Anonymus zu verstecken.

Vielleicht ist das alles sehr altmodisch, was ich hier von mir gebe, mag sein, aber meiner Meinung nach kann kobinet nur gewinnen, wenn sich die Redaktion dieser Diskussion stellt. So und jetzt bin ich auf die „Lesermeinungen“ gespannt und ziehe mich trotz sommerlicher Hitze schon einmal vorsorglich warm an!