Foto: sport grenzenlos
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GöTTINGEN (KOBINET)
GöTTINGEN (KOBINET) Anfang Januar fand in der Halle am James-Franck-Ring in Göttingen gemeinsam mit der Behindertensportinitiative "sport grenzenlos" bereits zum vierten Mal ein inklusiver Tischtennislehrgang statt. Dabei trainierten mehrere Mitglieder der Tischtennis-Nationalmannschaft der Behinderten, angeführt vom zweifachen Paralympicssieger Holger Nikelis, Seite an Seite mit mehr als 55 Kindern im Alter zwischen 9 und 18 Jahren – was einen erneuten Teilnehmerrekord bedeutete.
Dabei war für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht immer alles von Anfang an ganz einfach. So fragte einer der jungen Lehrgansteilnehmer seinen Freund: „Oh Mann! Wie soll er denn den Ball für den Aufschlag mit dem Fuß hochwerfen wenn er doch gelähmt ist und im Rollstuhl sitzt?“ – und schlug sich lachend die Hände vors Gesicht. Doch ein Blick an den Nachbartisch brachte gleich eine passende Lösung.
Mit den Teilnehmern des SC Weende und den umliegenden Göttinger Vereinen trainierte das „sport grenzenlos“ Team, welches neben Nikelis aktuelle und ehemalige Nationalspieler, wie die Deutschen Meister Yannik Rüddenklau (Unterschenkelprothese) auch Marlene Reeg, die ohne Unterarm auf die Welt kam, den kleinwüchsigen Johannes Urban, die Rollstuhlfahrerin und Paralympics-Fünfte Sandra Mikolaschek, sowie den seit einem Unfall am ehemaligen Schlagarm gehandicapten Frederic Peschke vereint. Hinzu kommt der ehemalige Nationalspieler Jannik Schneider (Hemiparese). Außerdem dabei: Zahlreiche ambitionierte Nachwuchskräfte des Lüneburger Bezirksstützpunktes. Für Holger Nikelis ist das der Idealzustand für ein gelungenes Training auf Augenhöhe. Dem Initiator des 2012 gegründeten Behindertensportprojekts „sport grenzenlos“ liegt es am Herzen, Tischtennis als barrierefreien Sport zu präsentieren.
Dass der Lehrgang in Göttingen mittlerweile zum festen Inventar des Jahresplans gehört, liegt vor allem an der guten Seele des SC Weende, Frauke Alves. Sie hatte mit ihren beiden Kindern, die beim SC Weende aktiv sind, 2013 ein Spiel der Tischtennis-Bundesliga besucht und dort Nikelis kennengelernt. „Wir haben uns von Beginn an super verstanden und da bei uns im Verein auch Menschen mit Behinderungen mitspielen, entstand die Idee eines gemeinsamen Lehrgangs“ erklärte Alves.
Die Kinder zahlen es mit Begeisterung zurück. „Ich erzähle meinen ganzen Kumpels immer, dass wir hier mit Spielern aus der Behinderten-Nationalmannschaft spielen dürfen. Die glauben mir dann erst mal nicht, dass man im Rollstuhl oder mit Beinprothese so krass gut spielen kann“, sagte der zwölfjährige Mattis vom Lüneburger Stützpunkt. Die Veranstaltung wird von dem Hilfsmittel-Hersteller „ottobock“, und in diesem Jahr erstmalig auch von „Aktion Mensch“, unterstützt. „Wir finden es toll, dass die Teilnehmer hier ihre eigenen Erfahrungen machen können“, sagte Rüdiger Herzog, Redakteur in der Unternehmenskommunikation dieses Unternehmens.
„Der Lehrgang mit dem SC Weende ist für uns mehr als eine kleine Tradition, der wir gerne auch nächstes Jahr wieder nachkommen“, blickte Initiator Holger Nikelis bereits auf ein mögliches Wiedersehen in 2018. Bis dahin stehen jedoch noch jede Menge Aufgaben vor seinem Team. „Denn für das bevorstehende 5-jährige Jubiläum haben wir uns etwas ganz besonderes vorgenommen.“




