Werbung

Springe zum Inhalt

Integration funktioniert, wenn Diskriminierung bekämpft wird

Christine Lüders
Christine Lüders
Foto: ADS

BERLIN (KOBINET) Anlässlich des gestrigen neunten Integrationsgipfels der Bundesregierung hat die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, zu mehr Einsatz gegen Diskriminierung und Rassismus aufgerufen. "Gerade jetzt müssen wir konkrete Schritte unternehmen, um das Ziel einer Gesellschaft mit gleichen Chancen für alle zu erreichen", betonte sie. "Dafür brauchen wir mehr denn je einen entschlossenen Einsatz gegen Diskriminierung."

Benachteiligungen von Menschen mit Migrationshintergrund seien nach wie vor verbreitet. Knapp ein Viertel (23,4 Prozent) der Menschen mit Migrationshintergrund gaben in einer Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes an, in den vergangenen zwei Jahren Diskriminierung aus rassistischen Gründen oder aufgrund der (ethnischen) Herkunft erfahren zu haben. Vergleichsweise häufig werden Diskriminierungen in der Öffentlichkeit erlebt, aber auch im Arbeitsleben und bei Geschäften und Dienstleistungen.

Den jüngsten Vorstoß von Migrantenverbänden, die Förderung von Vielfalt im Grundgesetz festzuschreiben, bezeichnete Lüders als einen "sehr klugen Vorschlag". Generell könne der Staat mehr tun, um Migrantinnen und Migranten zu fördern. "Dazu gehören auch mehr Menschen mit Migrationshintergrund in den Verwaltungen", ergänzte sie. 53 Migrantenorganisationen hatten im Vorfeld des Gipfels in einem Impulspapier unter anderem gefordert, gesellschaftliche Mitsprache von Zuwanderern als Staatsziel in das Grundgesetz aufzunehmen.

Wenn Diskriminierung nicht verhindert werde, stünde dies der Integration im Weg, ergänzte Lüders. „Wir wissen aus Studien, dass anhaltende Diskriminierung zu psychischen Belastungen und auch zu einem Abwenden von der Gesellschaft führen kann, die doch eigentlich Integration erwartet", erklärte Lüders.

Zum heutigen 22. Jahrestag der Aufnahme des Satzes "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden" ins Grundgesetz betonte die Geschäftsführerin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL), Dr. Sigrid Arnade, dass es endlich an der Zeit sei, dafür zu sorgen, dass behinderte Menschen nicht mehr bei privaten Anbietern von Dienstleistungen um Barrierefreiheit betteln müssen. "Die Verpflichtung privater Anbieter von Dienstleistungen und Produkten zu angemessenen Vorkehrungen zur Barrierefreiheit muss endlich auch in Deutschland gesetzlich geregelt werden. Dies kann im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz gut verankert werden."