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BERLIN (KOBINET)
BERLIN (KOBINET) Am 8. und 9. September hat der Allgemeine Behindertenverband Deutschland e.V. "Für Selbstbestimmung und Würde" die Ergebnisse des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte sowie gemeinsam mit der Alice-Salomon Hochschule Berlin und der Volkssolidarität Bundesverband e.V. durchgeführte Projekt "Alt werden mit Behinderung - mittendrin ein Leben lang" vorgestellt.
Das Projekt, das seit Dezember 2014 mit allen Vorbereitungsarbeiten läuft, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensumstände, vor allem von älteren Menschen mit Behinderungen zu untersuchen. Im Mittelpunkt standen dabei die Aspekte der Selbstbestimmung im Alter. Aus den Ergebnissen der Befragungen sollen konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Situation von Menschen mit und ohne Behinderungen abgeleitet sowie den politischen Entscheidungsträgern zugeleitet werden. Neu bei diesem Projekt: Die Befragungen wurden im Tandem, bestehend aus jeweils einer Studentin / Studenten und einem Mann oder Frau mit einer Behinderung, durchgeführt.
Die Konferenz stand unter der Überschrift „…und plötzlich sind wir auch noch alt“ und fand im Audimax der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin Hellersdorf statt. Die Veranstaltung war gut besucht. In den Grußworten zeigte sich beginnend, beim Vertreter des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bis zum Projektpartner Volkssolidarität ein großes Interesse an den Ergebnissen der Studie.
Insgesamt macht das Material dieser Studie erhebliche Defizite im Leben von Menschen mit Behinderungen deutlich. So zeigt sich, dass Familienstrukturen die Inklusion von Menschen mit Behinderungen stützen, wo sie fehlen, müssen sie Ersatz finden, was sich als nicht immer einfach und leicht zu bewältigen erweist. Barrierefreiheit und Mobilität, so ein weiteres Ergebnis der Studie, müssen vor allem in den zentralen Bereichen stattfinden und nicht am Rande. Als überraschendes Resultat der Studie wurde herausgestellt, dass die Befragten viel mehr grundlegende Fragen bewegen, als vermutet. „Wir hatten die Fragen nach dem Befürchtungen mit dem Blick darauf formuliert, dass sich Menschen mit Behinderungen Gedanken darüber machen, ob sie auch in Zukunft ein Theater oder ein Konzert besuchen könnten“, so eine Vertreterin der Projektleitung. „Die Antworten auf unsere Fragen“, gestand sie ein,“ betrafen jedoch viel mehr Grundsätzliches: Wie kann ich früh aufstehen, wenn die Hilfe etwas später kommt; wer wird mich pflegen, wenn es mein Vater nicht mehr kann?“ Wie vom Projektteam dargestellt, sollte eigentlich gesellschaftliche Teilhabe hinterfragt werden, die Antworten betrafen aber viel existentiellere Gesichtspunkte und zeigten bestehende Probleme auch in größerer Schärfe als erwartet.
In der Konsequenz, zu dieser Feststellung gab es keinen Widerspruch, fasst das Bundesteilhabegesetz in der vorliegenden Fassung, viele der für die Teilhabe wichtigen Themen nicht an.
Mit der Studie wurden einige neue Erkenntnisse aufgedeckt. Vieles wurde bereits vermutet oder war allgemein bekannt, vor allem für diese Punkte liegen mit den Ergebnissen dieser Studie nun konkrete Belege vor. Insgesamt waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz auch darin einige, dass die vorliegende Studie nicht nur Antworten gibt, sondern vor allem auch viele Fragen aufwirft. Sehr vieles wäre noch gründlicher und im breiteren Zusammenhang zu untersuchen und zu hinterfragen.
Das Projektteam hat jetzt noch bis November 2016 Zeit, weitere Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen herauszuarbeiten und konkrete Vorschläge zur Arbeit mit diesem Thema vorzulegen.




