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Neurodivergente junge Menschen gestalten Demokratie mit

Fotografie einer Gruppe aus acht Personen bei einem Arbeitstreffen in einem Büro mit Bildschirmpräsentation „NeuroDem“. Mehrere Laptops, Notizen und Getränke auf Konferenztisch sowie Pflanzen und Präsentationsmaterial im Raum vermitteln wissenschaftlichen Projekt- oder Teamkontext.
Die NeuroDem-Gruppe im Austausch über Ländergrenzen hinweg.
Foto: STIMMULI FOR SOCIAL CHANGE/Emma Avtzi

Erfurt (kobinet)

Europäisches Erasmus+-Projekt NeuroDem bringt Forschungsergebnisse in die Praxis

Warum sind neurodivergente junge Menschen in demokratischen Prozessen bislang kaum vertreten, und was muss getan werden, damit sich das ändert? Diesen Fragen geht das Erasmus+-Jugendprojekt NeuroDem nach. Es will neurodivergente junge Menschen befähigen, als Wegbereiter:innen für inklusive demokratische Interessenvertretung und Innovation zu wirken. Ausschlaggebend für eine eher geringe Beteiligung sind Systeme und Räume, die nicht partizipativ betrachtet werden. Die jungen Menschen zeigen großes Interesse an demokratischer Mitwirkung, sehen sich aber schnell mit Teilhabebarrieren konfrontiert.

Im Rahmen des 24-monatigen Projekts entwickeln Partnerorganisationen aus fünf europäischen Ländern eine partizipative Methodologie. Sie soll neurodivergente junge Menschen in ihrem demokratischen Engagement stärken und Jugendsozialarbeitenden die nötigen Instrumente an die Hand geben, um sie dabei zu begleiten. Dazu haben die Partner:innen Literaturrecherche betrieben sowie verschiedene Befragungen und Fokusgruppen durchgeführt. Das Ergebnis: Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Inklusion sind solide. Bei der Umsetzung, der Förderung von Selbstvertretung und bei praxisnahen, inklusiven Trainingsansätzen gibt es jedoch deutliche Lücken. Eine europaweite Befragung unter 109 Jugendsozialarbeitenden zeigt außerdem, dass die Fachkräfte hoch motiviert sind, ihnen aber Selbstvertrauen, Instrumente und praktische Ausbildung fehlen.

Besonders wichtig ist es dem Projekt, die jungen Menschen selbst zu Wort kommen zu lassen. Rund 180 neurodivergente Menschen haben sich an einer Befragung zu ihren Erfahrungen, Barrieren, Lernpräferenzen und Ideen für Veränderung beteiligt. Ihre Rückmeldungen fließen direkt in die nächsten Projektergebnisse ein. Diese sind ein Trainer:innen-Programm, eine innovative Toolbox und ein Kartenspiel, das gemeinsam mit neurodivergenten Menschen entwickelt wird.

Den Schritt von der Forschung in die Praxis machte ein Training im Februar 2026 in Bratislava. Jugendsozialarbeitende und neurodivergente junge Menschen aus ganz Europa erprobten dort gemeinsam den NeuroDem-Trainingsansatz und verfeinerten ihn. Die Forschungserkenntnisse wurden in konkrete Trainingsinstrumente, Lernaktivitäten und Moderationsmethoden übersetzt. Das Treffen lieferte wertvolle Einblicke, wie inklusive, neuroaffirmative demokratische Partizipation in der Praxis gelingen kann. Die Erfahrungen fließen in die endgültige NeuroDem-Methodologie, die Toolbox und das Kartenspiel ein, die anschließend europaweit geteilt werden.

Kontakt: [email protected] · www.neurodem.eu

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