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LVKM warnt vor Rückschritten bei Teilhabe und Rechten von Menschen mit Behinderungen

Ein Mann im Rollstuhl unterhält sich mit einer neben ihm stehenden Frau. Im Hintergrund sind weitere Teilnehmer der Veranstaltung zu sehen
Gespräche während des Festaktes
Foto: Klaus Füßinger/lvkmbw Archiv

LUDWIGSBUIRG (kobinet)

Anlässlich des Festakts zum 60-jährigen Bestehen des Landesverbands für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg e. V. (LVKM) am 19. Oktober 2026 im Marmorsaal des Residenzschlosses Ludwigsburg warnte der Verband vor Rückschritten bei den Rechten von Menschen mit Behinderungen. Rund 100 Gäste aus Politik, Verwaltung, Gesellschaft und Mitgliedsorganisationen diskutierten über die gesicherte Fortführung erreichter Fortschritte bei Inklusion und Teilhabe.

Der LVKM-Landesvorsitzende Thomas Seyfarth erinnerte in seiner Begrüßung an die Situation von Menschen mit Behinderungen und ihren Familien zur Gründungszeit des Verbands 1966. Damals seien viele Familien auf sich allein gestellt gewesen, Kinder mit schweren Behinderungen vom öffentlichen Leben ausgeschlossen und Therapieangebote kaum verfügbar. Seitdem habe sich vieles verbessert, doch diese Fortschritte seien nicht selbstverständlich, betonte Seyfarth. Menschen mit komplexen Behinderungen und ihre Familien sorgten sich zunehmend um Einschränkungen bei Unterstützungsangeboten. Von der Politik erwarte er ein konsequentes Eintreten für Menschenrechte und gesellschaftliche Teilhabe. Betroffene und ihre Angehörigen dürften nicht immer wieder für ihre Rechte kämpfen müssen.

Nora Welsch, Beauftragte der Landesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, unterstrich die Bedeutung von Selbstbestimmung und Wahlfreiheit. Persönliche Assistenz und ein unbürokratischer Zugang zu Unterstützungsleistungen seien entscheidend, damit Menschen mit Behinderungen ein eigenverantwortliches Leben führen könnten.

Petra Krebs MdL, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg, überbrachte die Glückwünsche der Landesregierung. Sie würdigte die Entwicklung des LVKM von einer Elterninitiative zu einer starken Interessenvertretung und hob die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Land und Verband hervor. Als Beispiel nannte sie das Förderprogramm "Toiletten für alle in Baden-Württemberg", dessen Umsetzung kontinuierliche Überzeugungsarbeit erfordere. In den vergangenen zehn Jahren seien dadurch 120 feste Standorte entstanden.

Beate Bettenhausen, Vorsitzende des Bundesverbandes für körper- und mehrfachbehinderte Menschen (bvkm), betonte die Wichtigkeit einer langfristigen Unterstützung von Familien mit Kindern mit schweren und mehrfachen Behinderungen. Pflegende Angehörige bräuchten verlässliche Entlastungsangebote. Ein Wegfall flexibel nutzbarer Leistungen könne Familien zusätzlich belasten.

In seinem Impulsvortrag "Inklusion ist ein Menschenrecht – dieses Recht lassen wir uns nicht nehmen!" sprach Dr. Martin Emrich über die Bedeutung von Inklusion. Dafür brauche es Engagement, Kreativität, Humor und pragmatische Lösungsansätze. Aus seiner eigenen Familie kenne er die Herausforderungen, da sein jüngerer Bruder infolge eines Unfalls im Kindesalter schwerstbehindert sei.

Jutta Pagel-Steidl, langjährige LVKM-Geschäftsführerin, richtete einen Appell an die Gäste: "Inklusion wird uns nicht auf dem Silbertablett serviert." Inklusion könne nur mit Unterstützung aller gelingen. Menschen mit schweren Behinderungen und ihre Familien dürften nicht allein gelassen und nicht auf Kostenfaktoren reduziert werden.

Jutta Hertneck, stellvertretende Landesvorsitzende des LVKM, bekräftigte im Schlusswort den Appell, bei Menschen mit Behinderungen und ihren Familien nicht zu sparen. Eine erneute Ausgrenzung müsse verhindert werden. Die erreichten Fortschritte bei Selbstbestimmung und Teilhabe müssten gesichert und weiterentwickelt werden, statt sie durch Kürzungen und fehlende Unterstützung aufs Spiel zu setzen.

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