Menu Close

LVBYGL: Gebärdensprachverbot in bayerischen Schulen war Realität

Logo des Landesverband Bayern der Gehörlosen
Logo des Landesverband Bayern der Gehörlosen
Foto: Landesverband Bayern der Gehörlosen

MÜNCHEN (kobinet)

Der Landesverband Bayern der Gehörlosen e. V. (LVBYGL) hat seine Stellungnahme zum Fachgespräch "Gebärdensprachverbot in bayerischen Schulen aufarbeiten" beim Bayerischen Landtag eingereicht. Darin dokumentiert der Verband die Erfahrungen von über 140 gehörlosen Menschen aus ganz Bayern, die schriftlich oder per Video in Deutscher Gebärdensprache (DGS) ihre Erlebnisse schilderten. Die Berichte zeigen, dass das Verbot der Gebärdensprache mit Gewalt durchgesetzt wurde – etwa durch Schläge mit Stock und Lineal, Ohrfeigen, Einsperren oder Essensentzug. Dies geschah an Schulen in ganz Bayern und hält in seinen Folgen bis heute an. Zeugnisse belegen zudem, wie stark die Sprechnote über den Bildungsweg entschied.

Die Staatsregierung bestreitet in ihrem Bericht an den Landtag vom 27. August 2026, dass ein "formales Verbot der Gebärdensprache" jemals bestanden habe. Entscheidend sei jedoch, was in Klassenzimmern und Internaten geschah, betont der LVBYGL.

"Über 140 Menschen haben uns anvertraut, was ihnen als Kinder angetan wurde – viele zum ersten Mal in ihrem Leben. Jetzt ist der Freistaat am Zug: Er muss das Unrecht anerkennen und sich entschuldigen, solange die Betroffenen noch leben", sagte Marcus Willam, Landesvorsitzender des LVBYGL.

Der Bayerische Landtag hatte am 21. Mai 2026 einstimmig beschlossen, das Gebärdensprachverbot aufzuarbeiten. Andere Bundesländer wie Hamburg (2025) und Hessen (2026) haben bereits Konsequenzen gezogen.

Der LVBYGL fordert vom Freistaat sechs konkrete Maßnahmen:

1. Eine offizielle Entschuldigung für das Unrecht.
2. Eine unabhängige Aufarbeitung mit Einbeziehung der Betroffenen.
3. Die Anerkennung von Sprachdeprivation als Schädigung nach SGB XIV.
4. Die Einrichtung eines bayerischen Entschädigungsfonds, der auch Tagesschülerinnen und Tagesschüler einschließt.
5. Den Ausbau von Psychotherapieangeboten in Deutscher Gebärdensprache (DGS).
6. Die flächendeckende Einführung bimodal-bilingualer Bildung mit DGS an allen Förderzentren.

Das Fachgespräch im Bayerischen Landtag findet am 22. Oktober 2026 ab 9:15 Uhr statt. Es wird live mit Gebärdensprachdolmetschung übertragen unter www.bayern.landtag.de/aktuelles/sitzungen/livestreams. Die Stellungnahme des LVBYGL ist unter www.lvby.de abrufbar.

Lesermeinungen

Bitte beachten Sie unsere Regeln in der Netiquette, unsere Nutzungsbestimmungen und unsere Datenschutzhinweise.

Sie müssen angemeldet sein, um eine Lesermeinung verfassen zu können. Sie können sich mit einem bereits existierenden Disqus-, Facebook-, Google-, Twitter-, Microsoft- oder Youtube-Account schnell und einfach anmelden. Oder Sie registrieren sich bei uns, dazu können Sie folgende Anleitung lesen: Link
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Lesermeinungen
Neueste
Älteste
0
Wir würden gerne Ihre Meinung lesen, schreiben Sie einen Leserbrief!x