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Katrin Gensecke bleibt Landtagsabgeordnete in Sachsen-Anhalt und setzt sich für Inklusion ein

Katrin Gensecke
Katrin Gensecke
Foto: Katrin Gensecke

MAGDEBURG (kobinet)

Am 6. Oktober 2026 konstituiert sich der Landtag von Sachsen-Anhalt neu. Katrin Gensecke, Co-Bundesvorsitzende der AG Selbst Aktiv der SPD, wird als eine von acht SPD-Abgeordneten wieder dabei sein. Sie wurde mit einem besseren Ergebnis als vor fünf Jahren wiedergewählt. Als Sprecherin für Menschen mit Behinderungen will sie weiterhin für Barrierefreiheit, Inklusion und Partizipation kämpfen. Dies sei angesichts der starken AfD-Fraktion mit 39 Mandaten, die Inklusion als "gescheitertes Experiment" beenden möchte, besonders wichtig, so Gensecke.

Gensecke engagiert sich aus eigener Erfahrung für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Nach einem schweren Sportunfall musste sie ihr Geschichts- und Sportstudium abbrechen. Anhaltende Sprach- und Bewegungsstörungen führten zur Diagnose Multipler Sklerose (MS). Eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten schloss sie erfolgreich ab, doch ein Jahr später erhielt sie die Kündigung mit der Begründung, der Betrieb könne nur voll leistungsfähige Menschen gebrauchen. Ihr Zustand verschlechterte sich darauf dramatisch, sie benötigte einen Rollstuhl und konnte kein aktives Leben mehr führen.

Durch die Unterstützung ihrer Familie und ihres inzwischen verstorbenen Mannes fand sie zurück in ein aktives Leben. Sie organisierte eine Gruppe von Betroffenen in der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) und gab Tipps und Ratschläge weiter. 2011 trat sie in die SPD ein und gründete kurz darauf die Arbeitsgemeinschaft Selbst Aktiv, deren Co-Bundesvorsitzende sie bis heute ist.

In den letzten Jahren prägte sie als Sprecherin für Soziales, Gleichstellung und Inklusion die Sozialpolitik in Sachsen-Anhalt. Ihr zentrales Anliegen bleibt, Menschen mit Behinderungen Ausbildung und Berufstätigkeit zu ermöglichen, statt sie auszusortieren. "Menschen mit Behinderungen sind nicht weniger leistungsfähig als andere; sie brauchen Arbeitsplätze, die sich ihren besonderen Fähigkeiten und Bedarfen anpassen lassen. Sie verdienen die gleiche Anerkennung und Wertschätzung wie alle anderen Kolleginnen und Kollegen", betont Gensecke.

Karl Finke, Co-Bundesvorsitzender der AG Selbst Aktiv, ergänzt: "Als erfolgreiche Landtagsabgeordnete ist sie selbst das beste Beispiel für die Leistungsfähigkeit von Menschen mit Behinderungen. Auch die SPD muss endlich eine inklusive Partei werden und mehr Menschen mit einer Behinderung in Parteifunktionen wählen und für öffentliche Ämter und Parlamentsmandate vorschlagen."

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1 Lesermeinung
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Uwe Heineker
05.10.2026 10:59

Zwischen persönlichem Engagement und systemischer Alibi-Funktion

Das persönliche Engagement von Katrin Gensecke für die Belange von Menschen mit Behinderungen steht außer Frage und ist in ihren Absichten sicher unbestritten. Der Bericht über ihre parlamentarische Arbeit legt jedoch ein tiefgreifendes strukturelles Dilemma offen, das weit über einzelne Personen hinausgeht.

In der politischen Praxis erleben wir seit Jahren eine verhängnisvolle Rollenverteilung: Regierungsfraktionen schicken engagierte Abgeordnete und interne Arbeitsgruppen vor, um den Dialog mit Verbänden zu pflegen und Reformwillen zu signalisieren.

So wertvoll dieser Einsatz im Einzelfall gemeint ist, so sehr erfüllt er in der Gesamtschau eine funktionale Alibi-Rolle: Die Arbeit in den AGs und Fachgremien dient als Schaufenster für die Öffentlichkeit, während die parlamentarischen Mehrheiten derselben Parteien bei Haushalts- und Gesetzesbeschlüssen die bestehenden Sonderstrukturen verlässlich absichern.

Sachsen-Anhalt weist nach wie vor eine der höchsten Exklusionsquoten im Schulbereich auf. Aus den Förderschulen führt der Weg für die meisten Betroffenen direkt in Werkstätten für behinderte Menschen – mit einer stagnierten Übergangsquote auf den allgemeinen Arbeitsmarkt von nur 0,35 Prozent und ohne vollen Arbeitnehmerstatus. Diese Rahmenbedingungen sind kein Naturereignis, sondern das Ergebnis konkreter Politik von Regierungsmehrheiten im Land und im Bund.

Solange engagierte parlamentarische Initiativen von den eigenen Fraktionen als Feigenblatt genutzt werden, um strukturelle Reformunwilligkeit zu kaschieren, bleibt Inklusion eine reine Simulation. Echter Fortschritt misst sich nicht an der Existenz von Arbeitsgruppen oder Absichtserklärungen, sondern daran, ob die Regierungsverantwortlichen den Mut aufbringen, die Sonderwelten gemäß den Artikeln 19, 24 und 27 der UN-BRK (Wohnen, Bildung und Arbeit) schrittweise abzubauen und das Geld direkt in ein inklusives Schulsystem, einen inklusiven Arbeitsmarkt und ein selbstbestimmtes Leben zu investieren.

Uwe Heineker

Diplom-Sozialarbeiter & Autor (»2031 – Deutschland, die Welt blickt auf dich!«)

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