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Behindert ist nur wer keine Träume und Ziele mehr hat

Anas Alhakim mit Rollstuhl unterwegs
Anas Alhakim mit Rollstuhl unterwegs
Foto: Mohammad Abo Shukur

BERLIN (kobinet) Menschen sind nicht behindert, Menschen werden behindert, diese Erfahrung vieler erscheint einem faktisch in Person wenn man Anas Alhakim kennen lernt. Wer ihn trifft, begegnet einem jungen Mann, der beharrlich daran arbeitet, seine Träume Wirklichkeit werden zu lassen und beharrlich Wege zu seinen Zielen sucht. Auch für ihn war das Leben bisher nicht leicht, aber er sieht sich selbst auf einem guten Weg und sagt selbst: Behindert ist nur wer keine Träume und Ziele mehr hat.

Anas Alhakim wurde im Jahr 1991 in Syrien geboren und ist seit sieben Jahren in Deutschland. Bis zum Abschluss der sechsten Klasse war er ganz normal in Syrien zur Schule gegangen. Wegen einer seltenen Erkrankung, die ein ungleichmäßiges Wachstum der Knochen bewirkt, musste er in dieser Zeit operiert werden sowie fortan einen Rollstuhl nutzen. Dies fiel zugleich in eine Zeit, da er ohnehin regulär die Schule wechseln musste. Auch das war dann eine ganz "normale" Schule, das hatte sein Vater so gewollt. Allerdings war er ein Schulgebäude fast ohne bauliche Barrieren zugänglich, in welcher er dann als einziger Schüler im Rollstuhl von der siebenten Klasse bis zum Abitur lernte.

Diese Operation und der Schulwechsel hat sein Leben radikal verändert, sagt Anas Alhakim im Gespräch, anschließend war er nicht mehr wie früher Kind sondern er musste erwachsen sein. "Nach der Operation haben viele mich verlassen, weil sie nicht mehr mit mir spielen konnten. Das hat mich sehr traurig gemacht", gesteht Anas Alhakim. Nur wegen veränderter gesundheitlicher Bedingungen hat sich also auch bei ihm eigentlich alles geändert. Andererseits hat er dann jedoch auch viele neue und gute Freunde kennen gelernt.

In dieser Zeit hatte Anas Alhakim vor allem Unterstützung durch seine Mutter, die ihm auch persönlich in vielen Dingen geholfen hat. Wichtig war für ihn ebenso sein Vater, der ihm und seiner Mutter alles ermöglicht hat, was machbar war.

Nach dem Abschluss mit Abitur im Jahr 2012 ging der Weg der Ausbildung für Anas Alhakim in Syrien dann allerdings nicht mehr weiter. In Syrien konnte er keine Universität finden, die für sein Studium ausreichend barrierefrei war. Hinzu kam der im Jahr 2011 begonnene syrische Krieg. Anas Alhakims Vater, der selbst Ingenieur war, wollte, dass sein Sohn ebenfalls studiert. Das war jedoch in dieser Situation in Syrien nicht möglich und so blieb nur der Weg, nach Deutschland zu gehen und dort zu studieren.

So ist Anas Alhakim Ende des Jahres 2013 nach Deutschland gekommen und hat hier sein Studium begonnen. Als Kind war er schon von Computern fasziniert. Während andere Jungs Fußball oder Basketball spielten, was er ohnehin nicht machen konnte In Syrien begonnen, programmieren zu lernen. Nach dem Abitur wollte er das auf akademische Weise lernen. Diesen Wunsch, Informatik zu studieren, konnte er mit vielen Schwierigkeiten in Deutschland dennoch erfüllen.

Jetzt studiert er weiter und strebt den Master-Abschluss an. Zugleich arbeitet er bereits als Werksstudent in einer Teilzeitstelle als Programmierer und Graphic-Designer.

Anas Alhakim ist deutscher Staatsbürger geworden und sieht sich für die Zukunft erst einmal in Deutschland. Eine Perspektive in Syrien, wo seine Mutter noch lebt, sieht er für sich gegenwärtig nicht. Ob er dann einmal durch seine Arbeit auch in ein anderes Land geht, um dort zu arbeiten, das schließt er nicht aus, sagt er lächelnd, sieht das jedoch nicht als aktuelle Aufgabe, über welch er jetzt nachdenken sollte.

Die Aufgaben der Inklusion, betont Anas Alhakim im Gespräch, liegen ihm sehr am Herzen. Dabei bedeutet Inklusion für ihn, wie er im Gespräch hervor hebt, nicht nur Barrierefreiheit und Teilhabe, sondern auch Sprache, Mentalität und Begegnung auf Augenhöhe. Durch die Arbeit von Handicap International, versucht er das auch immer zu vermitteln.

Neben Arbeit und Studium ist Anas Alhakim mit sehr vielen vernetzt und engagiert sich aus seiner Erfahrung und seinem Willen zur Inklusion vor allem bei Handicap International. Hier kann er, der neben Arabisch ebenfalls fließend Deutsch und Englisch spricht, sich einbringen, kann jenen helfen, die Rat oder Hilfe benötigen. Vor allem kann er jedoch aus eigener Erfahrung Mut machen, Mut, trotz aller Schwierigkeiten nicht aufzugeben und erfolgreich einen eigenen Weg zu gehen. Das bringt Anas Alhakim auch auf seine Facebook-Seite zum Ausdruck, wo er schreibt: "Behindert ist nur wer keine Träume und Ziele mehr hat".

Wer Anas Alhakim selbst treffen oder über ihn mehr erfahren möchte, kann das in den digitalen Medien auf vielen Wegen tun, welche alle über seine Homepage zu erreichen sind.

BERLIN (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sgjpy67