Über Anerkennung und Hilfe informieren

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: ht

Berlin (kobinet) Die Aktivistin Uschi Lehmann aus Berlin hat sich jahrelang dafür eingesetzt, dass behinderte Menschen, die Unrecht und Leid in Behinderteneinrichtungen und Psychiatrien ertragen mussten, endlich dafür eine angemessene Entschädigung und Anerkennung ihres Unrechts und Leids, das sie erleben mussten, bekommen. Hierfür wurde schließlich unter massivem Druck von Betroffenen 2017 die Stiftung Anerkennung und Hilfe geschaffen, bei der Betroffene noch bis Ende 2020 Anträge auf finanzielle Anerkennung des erlebten Unrechts und Leids beantragen können. Was Uschi Lehmann jedoch so richtig ärgert ist, dass viele Betroffene, die heute zum Teil noch in den gleichen Einrichtungen leben, in denen sie schlecht behandelt wurden, immer noch nicht wissen, dass es diese Möglichkeit gibt. Sie streitet dafür, dass die Verantwortlichen in Einrichtungen entsprechend informieren und endlich Verantwortung übernehmen.

Auch der Inklusionsbotschafter Josef Ströbl von Mensch zuerst, der selbst Unrecht und Leid in einer ehemaligen Behinderteneinrichtung erleben musste, treibt die Frage um, wie behinderte Menschen von der Stiftung Anerkennung und Hilfe erfahren und ihre Rechte durchsetzen können. Wie Uschi Lehmann fordert er, dass die Betroffenen verstärkt darüber aufgeklärt werden und vor allem eine angemessene Unterstützung im Prozess der Aufarbeitung der massiven Menschenrechtsverletzungen bekommen. Zusammen mit Mensch zuerst hat Josef Ströbl daher ein Heft in Leichter Sprache herausgegeben, um über die Stiftung zu informieren.

Uschi Lehmann fragt sich darüber hinaus immer öfter, was eigentlich aus den Tätern von damals geworden ist. So wichtig die Konzentration auf die Milderung des Leids der Opfer ist, könne es doch nicht sein, dass die Täter so ungeschoren davon kommen, bzw. nicht mit ihren Taten der Vergangenheit konfrontiert werden, sofern sie noch leben. Daher seien gerade die betroffenen Einrichtungen in der Pflicht, diese dunkle Seite ihrer Geschichte schonungslos und schnell aufzuarbeiten. Daher will Uschi Lehmann hier auch nicht locker lassen, denn zu viele ihrer Freund*innen haben es bereits nicht mehr erlebt, dass sie eine Anerkennung des erlebten Unrechts und Leids bekommen haben, weil die Politik und die Verantwortlichen viel zu lange gezögert haben und der Tod schneller war.

Link zum Sonder-Heft mit Infos über die Stiftung Anerkennung und Hilfe von Mensch zuerst

Link zur Stiftung Anerkennung und Hilfe