Nur 2.400 Euro Strafe für Schikane in Behindertenwerkstatt

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Grafik zeigt Justitia
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Opladen (kobinet) Vor zwei Jahren hat die RTL-Sendung "Team Wallraff" Misshandlungen von behinderten Menschen durch Betreuer*innen in einer Lebenshilfe-Werkstatt publik gemacht und bundesweit Betroffenheit über diese Zustände ausgelöst. Trotz solcher intensiven Recherchen und Bildmaterials mit versteckter Kamera sind die Konsequenzen für die Täter*innen solcher Handlungen meist minimal, wie ein gestern verkündetes Urteil des Amtsgerichts Opladen zeigt. Die einzige bisher angeklagte Betreuer*in muss lediglich 2.400 Euro bezahlen und erschien nicht einmal beim Gerichtstermin. 

Millionen Fernsehzuschauer sahen Ende Februar 2017, wie Mitarbeiter einer Behindertenwerkstatt der Lebenshilfe in Leverkusen-Bürrig sich über eine junge Frau lustig machten, sie demütigten und schikanierten. Betreuer*innen riefen ein Mädchen, das nicht sprechen und nicht sicher laufen kann, wie einen Hund zu sich oder ließen sie vorsätzlich stolpern. In der Reportage ist zu sehen, wie sich die zierliche Frau mühsam aufrafft und niemand ihr hilft. Stattdessen wird sie verspottet: "Sie hat zwei Füße. Zwar nicht zu glauben, ist aber so“, sagte ein Betreuer, wie RP Online vor kurzem in einem Bericht über die anstehende Verhandlung berichtete.

Link zum Bericht in RP Online

Während die Kölner Staatsanwaltschaft zwei weitere Betreuer aus den Lebenshilfe-Einrichtungen angeklagt hatte, hat das Amtsgericht bei ihnen eine Eröffnung der Hauptverfahren aber mangels hinreichenden Tatverdachts abgelehnt. Lediglich bei einer nach dem Vorfall gekündigten Mitarbeiterin kam es gestern zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Opladen. "Das Interesse in dem Fall war groß: Viele Mitarbeiter der Lebenshilfe waren vor Ort, auch Kamerateams und viele Medienvertreter. Dass die Angeklagte nicht vor Gericht erschienen ist, kam bei den meisten nicht gut an – von Respektlosigkeit war die Rede", berichtet Radio Leverkusen über die Verhandlung. Mit einer Strafe von 2.400 Euro kommt die Angeklagte nun davon. 

Link zum Bericht von Radio Leverkusen

Der Inklusionsbotschfter Andreas Hollstein aus Leverkusen hat die Entwicklungen um den Skandal in der Lebenshilfe-Werkstatt intensiv und mit großer Betroffenheit verfolgt und auf seiner Internetseite dazu auch einige Informationen eingestellt. Er hat im Vorfeld der Verhandlung schon Zweifel daran gehabt, dass dabei eine empfindliche Strafe hervorgeht und fragt sich: "Wie kann sich ein wehrloser betroffener mitarbeitender Mensch mit Einschränkungen in einer Einrichtung wie der Lebenshilfe-Werkstatt Bürrig vor unangemessenen übergriffigen Handlungen schützen oder im Nachhinein gegen die übergriffigen Personen wehren, wenn diese nicht einmal die Courage haben, ihr Fehlverhalten einzugestehen? Kann und darf es sein, dass Einrichtungen, die die Menschen mit Beeinträchtigungen schützen sollen, wieder ungeschoren davon kommen?"

Link zur Internetseite von Andreas Hollstein

Link zu einem RTL-Bericht über den Prozess ab Minute 17:10 bis 25:17