Was macht Mechthild Kreuser?

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Mechthild Kreuser
Mechthild Kreuser
Bild: MEYER ORIGINALS

Köln (kobinet) Die Inklusionsbotschafterin Mechthild Kreuser ist derzeit nicht nur als Inklusionsbeauftragte des Sommerblut Festivals, das vom 25. Mai bis 11. Juni in Köln stattfindet, sehr beschäftigt. Die kunst- und kulturinteressierte Frau ist zudem in verschiedenen Projekten involviert, die sich mit Kultur und Inklusion beschäftigen. Für den Verein Inklusion & Kultur betreut sie beispielsweise das Künstlerportal Amelinde.de. Auch ist sie als Tänzerin in der mixed-abled Tanzcompangie cie. Nomoreless aktiv. Die Projektleiterin des von der Aktion Mensch Stiftung geförderten und von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) durchgeführten Inklusionsbotschafter*innen-Projektes, Susanne Göbel, sprach mit Mechthild Kreuser darüber, was sie genau so alles macht. 

kobinet-nachrichten: Sie sind sehr kunst- und kulturinteressiert und auch als Inklusionsbotschafterin setzen Sie sich für eine inklusive Kulturszene ein. Welche Projekte liegen Ihnen besonders am Herzen und treiben Sie mit voran?

Mechthild Kreuser: Ich bin in verschiedenen Projekten involviert, die sich mit Kultur und Inklusion beschäftigen. Beim Sommerblut Festival bin ich Inklusionsbeauftragte, für den Verein Inklusion & Kultur betreue ich das Künstlerportal Amelinde.de. Auch bin ich Tänzerin in der mixed-abled Tanzcompangie cie. Nomoreless aktiv.

kobinet-nachrichten: Sie engagieren sich für das Sommerblut-Festival, das seit 2002 jährlich in Köln stattfindet. Was ist für Sie das Besondere an diesem Festival und worum geht es Ihnen und den Festivalmacherinnen und -machern?

Mechthild Kreuser: Das Sommerblut Festival ist das Festival der Multipolarkultur. Es versteht sich als inklusives Kulturfestival, welches die unterschiedlichen gesellschaftlichen, sozialen und politischen Standpunkte und Identitäten miteinander verbindet. In jedem Jahr gibt es Produktionen mit Expert*innen aus verschiedenen Lebenswelten, wie Menschen mit Behinderungen, Transsexuellen, Geflüchteten, Drogenabhängigen. Für mich ist das Besondere am Sommerblut Festival, dass es so viel Unterschiedliches zu sehen gibt und Kultur für unterschiedliche Menschen zugänglich gemacht wird.

kobinet-nachrichten: Vom 25. Mai bis 11. Juni 2019 findet das diesjährige Sommerblut-Festival statt. Was ist das diesjährige Motto bzw. wo findet man nähere Informationen zu dem Festival?

Mechthild Kreuser: Das Thema in diesem Jahr ist Glaube. Es gibt verschiedene Veranstaltungen, die sich mit dem Thema Glaube beschäftigen. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen findet man auf der Webseite des Sommerblut Festivals unter www.sommerblut.de

kobinet-nachrichten: Die Vorbereitungen für ein gutes Festival brauchen Kreativität, engagierte Menschen und viel Zeit. Wie steht es mit der Planung rund um das Thema Barrierefreiheit, für das Sie als Inklusionsbeauftragte zuständig sind? Welche Formen von Barrierefreiheit können Besucherinnen und Besucher des Sommerblut-Festivals erwarten und wo können sie sich vorab über barrierefreie oder barrierearme Programmpunkte informieren?

Mechthild Kreuser: In jedem Jahr versuchen wir die Barrierefreiheit von Veranstaltungen und Veranstaltungsorten von Anfang an mitzudenken. Da das Festival in vielen verschiedenen Veranstaltungsorten in Köln stattfindet, sind nicht alle Veranstaltungsorte zu 100 % barrierefrei. Zum Beispiel gibt es noch nicht an jedem Veranstaltungsort eine Rollitoilette oder gibt es doch bei einigen Orten noch Stufen und Treppen. Um diese bauliche Barrierefreiheit anzugeben, arbeiten wir in unserem Programmheft mit Icons, die diese Barrierefreiheit angeben und auch auf unserer Webseite können die Veranstaltungen danach gefiltert werden.

In den Veranstaltungen selbst versuchen wir darauf zu achten, dass diese auch für Menschen, die gehörlos sind und die, die blind sind, geeignet sind. Viele Veranstaltungen werden gebärdenübersetzt und auch einige Veranstaltungen für Menschen, die blind sind, audiodeskribiert. Auch hier geben wir dann im Programmheft und auf der Webseite an, für wenn diese Veranstaltungen geeignet sind. Es gibt auch zwei Flyer, die jeweils alle Veranstaltungen, die geeignet sind für Menschen, die blind sind, oder die geeignet sind für Menschen, die gehörlos sind, auflisten. In diesem Jahr haben wir zum ersten Mal mit dem Inside Café einen Treffpunkt, an dem sich Menschen vor einer Veranstaltung treffen können, um dann gemeinsam zu den Veranstaltungen des Sommerblut Festivals gehen zu können.

kobinet-nachrichten: Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, um dieses Festival barrierefreier zu gestalten? Und rückblickend auf die bisherigen Festivals: Was empfinden Sie bisher als den größten Erfolg in Bezug auf Barrierefreiheit? Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Besucherinnen und Besuchern?

Mechthild Kreuser: Es ist auf jeden Fall eine Herausforderung, die Planung der Barrierefreiheit vorzunehmen. Wir haben in diesem Jahr über 35 Veranstaltungen und dafür für jeden Veranstaltungsort und jede Veranstaltung festzulegen, für wen diese barrierefrei ist. Das ist ein großer Aufwand, der sich aber auf jeden Fall lohnt.

Der größte Erfolg bis jetzt für mich ist, dass die Barrierefreiheit des Festivals immer selbstverständlicher wird. In diesem Jahr haben wir auch das Inklusionsteam erweitert und bekommen Unterstützung von einem sehbehinderten Mann, einem schwerhörigen Mann und einem Gebärdendolmetscher. Gemeinsam planen wir die Barrierefreiheit und können besser die verschiedenen Gruppen ansprechen.

kobinet-nachrichten: Sie sind Redakteurin der inklusiven Künstlervermittlung AMELINDE. Was verbirgt sich dahinter und für wen ist AMELINDE vor allem ein Forum?

Mechthild Kreuser: www.amelinde.de ist das erste Künstlerportal für Künstler*innen mit Behinderung. Künstler*innen mit Behinderung können hier ein Profil anlegen, genauso wie Produzent*innen inklusiver Kulturveranstaltungen. Produzent*innen können dann auf Amelinde.de Künstler*innen finden, die in ihrem nächsten Projekt mitarbeiten können. Das besondere an Amelinde.de ist, dass sich Künstler*innen aus allen Kunstformen und mit allen Behinderungen anmelden könne.

kobinet-nachrichten: Auch persönlich ist künstlerische Ausdruckskraft Ihr Ding: Sie sind als Tänzerin auf der Bühne aktiv. Was macht für Sie den Reiz des Tanzens aus und welche Art des Tanzens begeistert Sie?

Mechthild Kreuser: Genau. In der mixed-abled Tanzcompanie cie. Nomoreless war ich in den letzten Produktionen als Tänzerin dabei und gerade sind wir auch wieder dabei eine neues Stück zu entwickeln. Hier ist die Premiere am 5. Juli 2019 in Köln bei Barnes Crossing mit weiteren Aufführungen am 6. und 7. Juli. Auch gibt es im Herbst noch einige Gastspiele. Zum Beispiel am 14. September in Bielefeld. Alle Veranstaltungen werden audiodeskribiert.

Das Besondere für mich am Tanzen ist, dass ich mich über Bewegungen ausdrücken kann und wieder andere Möglichkeiten finde, wie ich mich mit meinem Körper und auch meinem Rollstuhl künstlerisch ausdrücken kann. Auch der kreative Prozess, um ein Stück gemeinsam zu erarbeiten, gefällt mir sehr gut.

kobinet-nachrichten: Frau Kreuser, vielen Dank für das Interview.

 

Links zu weiteren Berichten über Inklusionsbotschafter*innen unter dem Motto "Was macht ...?

Was macht Jürgen Linnemann? - kobinet-nachrichten vom 16. April 2019

Was macht Tina Jahns? - kobinet-nachrichten vom 14. März 2019

Was macht Lut Autenrieb? - kobinet-nachrichten vom 12. März 2019

Was macht Felicitas Duijnisveld? - kobinet-nachrichten vom 28. Februar 2019

Was macht Graf Fidi? - kobinet-nachrichten vom 13. Januar 2019

Was macht Birger Höhn - kobinet-nachrichten vom 10. Januar 2019

Armin Rist: Viel unterwegs für Inklusion - kobinet-nachrichten vom 20. November 2018