Austausch zu offenem Brief zu Werkstätten geplant

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Drei rote Ausrufezeichen
Drei rote Ausrufezeichen
Bild: ForseA e.V.

Jessen (Elster) / Achim bei Bremen (kobinet) Roland Frickenhaus und Heinz Becker sind am 3. Dezember 2018 mit einem Offenen Brief an die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten (BAG WfbM) und an die Werkstatträte Deutschland (WRD) an die Öffentlichkeit gegangen. Der Offene Brief mit der Kritik an der geäußerten Haltung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention durch Werkstätten wird mittlerweile von über 100 Organisationen und Einzelpersonen unterstützt. Dies soll nun zum Anlass für einen Austausch unter den verschiedenen Akteuren genutzt werden.

Am 1.Oktober 2018 hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten (BAG WfbM) gemeinsam mit den Werkstatträten Deutschland (WRD) eine Stellungnahme zur Staatenprüfung Deutschlands zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention veröffentlicht. Der Fachausschuss der Vereinten Nationen für die Rechte von Menschen mit Behinderungen hatte "die schrittweise Abschaffung der Werkstätten für behinderte Menschen durch sofort durchsetzbare Ausstiegsstrategien und Zeitpläne sowie durch Anreize für die Beschäftigung bei öffentlichen und privaten Arbeitgebern im allgemeinen Arbeitsmarkt" gefordert.

In ihrer Stellungnahme setzen sich die BAG WfbM und die WRD damit auseinander und entgegnen: "Werkstätten sind Teil der Lösung und nicht des Problems, denn sie machen den Arbeitsmarkt in Deutschland erst inklusiv."
Roland Frickenhaus aus Jessen/Elster und Heinz Becker aus Achim bei Bremen haben daraufhin einen offenen Brief an die BAG WfbM und die WRD gerichtet. Sie widersprechen darin insbesondere dieser Aussage und werben zum Mitzeichnen des Briefes. Sie betonen: "Wir halten diese Aussage für fachlich falsch und für nicht (unkommentiert) hinnehmbar." Den Brief haben vor der ersten Veröffentlichung zwölf Personen und drei Organisationen als Erstunterzeichner*innen unterstützt. Bis zum 5. Mai 2019, als der Brief mit den Unterzeichnungen an die BAG WfbM und die WRD übergeben wurde, sind weitere 103 Mitunterzeichner*innen hinzugekommen.

Heinz Becker und Roland Frickenhaus betonen, dass sie mit dem Offenen Brief "einen Impuls zu einer breiten Fachdiskussion zur Frage geben wollen, ob und wie denn im Kontext der UN-Behindertenrechtskonvention der Rechtsanspruch von Menschen mit Behinderungen, am ersten Arbeitsmarkt teilzuhaben, umgesetzt werden kann. Dabei ist völlig klar, dass eine Diskussion, die sich auf ein (polemisches) Pro und Contra reduziert, nicht geeignet ist, dieses hochkomplexe Thema zielführend zu bearbeiten."

Die BAG WfbM hat den Austausch mit den Verfassern des Briefes gesucht und beide zur Sozialpolitischen Veranstaltung, einer Diskussionsrunde auf der Werkstättenmesse 2019 eingeladen. Leider konnten beide aus persönlichen Gründen nicht daran teilnehmen, betonen aber, dass sie an einem konstruktiven Austausch mit allen Beteiligten interessiert sind. Die insgesamt über 110 Unterzeichner*innen repräsentieren ein breites gesellschaftliches Spektrum aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Privatpersonen und Vereinen. "Wir interpretieren dies auch als ein Zeichen dafür, dass es sich hier um ein Thema von besonderem Interesse zu handeln scheint, das allem Anschein nach bisher zu wenig vernetzt und übergreifend diskutiert wurde", schreiben Roland Frickenhaus und Heinz Becker. Sie haben sich entschlossen, die Unterzeichner*innen des Briefes zu einem Meinungsaustausch einzuladen und wollen auch die BAG WfbM und die WRD dazu einladen.

Link zum Offenen Brief und zur Liste der Unterzeichner*innen

Link zum kobinet-Bericht vom 6. März zum Offenen Brief