Deutschland muss bei Inklusion nacharbeiten

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Porträtfoto Jürgen Dusel
Porträtfoto Jürgen Dusel
Bild: Rolf Barthel

Berlin (kobinet) Deutschland wird nach Ansicht von Jürgen Dusel beim Thema Inklusion nacharbeiten müssen. Auf dem Jahresempfang des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen betonte Dusel heute in Berlin, Inklusion sei  noch lange keine Selbstverständlichkeit - auch wenn sich schon viel bewegt habe. Vor über 400 Gäste aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft kritisierte der Beauftragte, dass Menschen mit Behinderungen noch immer häufig mit zahlreichen Hürden kämpfen müssen: "Sei es bei der steuerlichen Gleichstellung oder auch bei der Suche nach bezahlbarem barrierefreiem Wohnraum." Auf dem Empfang ergriffen auch Finanzminister Olaf Scholz und Professorin Theresia Degener das Wort.

Ein wichtiges Thema sei auch die medizinische Versorgung von Menschen mit schweren Behinderungen und hohem Unterstützungsbedarf, stellte Dusel fest. So gebe es bei der Kostenübernahme von Assistenz im Krankenhaus eine gesetzliche Regelungslücke zu Lasten der betroffenen Menschen. Diese führe im schlimmsten Fall dazu, dass Menschen trotz schwerwiegender gesundheitlicher Probleme nicht behandelt werden könnten. Das sei eines modernen Sozialstaats im 21. Jahrhundert nicht würdig. „Deutschland wird in diesem Jahr von der Staatengemeinschaft zum zweiten Mal auf den Inklusions-Prüfstand gestellt. Und ich kann jetzt schon sagen: Wir werden sicher an einigen Stellen nacharbeiten müssen. Denn bei der Inklusion geht es um die Umsetzung fundamentaler Grundrechte", so Dusel.

Theresia Degener hob die Relevanz der UN-Behindertenrechtskonvention und auch die Arbeit des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR) hervor: „Ohne die Ratifizierung der UN-BRK, aber auch ohne die kontinuierliche Monitoring-Arbeit des DIMR, würden viele behinderte Menschen dieses Jahr zum Beispiel nicht an den Europawahlen teilnehmen können. Zehn Jahre nach Inkrafttreten der UN-BRK ist das ein großer Erfolg. Die vielen noch zu behebenden Missstände hat das DIMR mit seiner aussagekräftigen Bestandsaufnahme zu zehn Jahren UN-BRK benannt: ‚Wer Inklusion will sucht Wege - und wer sie nicht will, sucht Begründungen' heißt es dort. Mit diesem Slogan ist eigentlich alles gesagt. In den letzten zehn Jahren sind durch jene, die Inklusion wirklich wollen, viele Wege gefunden und geebnet worden. Aber es wurden auch zahlreiche Begründungen vorgelegt, warum Inklusion nicht machbar sei. Diese Geisteshaltung muss sich dringend ändern", so die Juristin  in ihrer Festrede.

Vizekanzler Scholz betonte die veränderte Sicht auf Menschen mit Behinderungen, die mit der UN-Behindertenrechtskonvention eingeleitet wurde. „Wie Inklusion und Teilhabe gelingen, ist an vielen Stellen eine ganz praktische Frage der Barrierefreiheit. Deswegen steht es ganz oben auf der Agenda der Bundesregierung, Barrieren zu beseitigen", sagte Scholz. Eine Arbeitsgruppe der Regierungskommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse" erarbeitet derzeit konkrete Vorschläge in diesem Bereich. Scholz ging auch auf die Forderung nach einer Erhöhung des Pauschbetrags für behinderte Menschen im Einkommenssteuerrecht ein. Diese werde derzeit geprüft und brauche die Zustimmung der Länder.

Lesermeinungen zu “Deutschland muss bei Inklusion nacharbeiten” (1)

Von Wolfgang Ritter

Zitat:

Das sei eines modernen Sozialstaats im 21. Jahrhundert nicht würdig. „Deutschland wird in diesem Jahr von der Staatengemeinschaft zum zweiten Mal auf den Inklusions-Prüfstand gestellt.

Da hat doch jemand den Text vertauscht, oder gehört es zur Mode, wenn laufend geklagt werden muss?

Es wird ein zweites Mal geprüft und was kommt dabei raus, wieder viel Lärm um nichts. Die Empörer werden wieder sich empören, denn Empörung die man zeigt, kann man ja dann nicht einfach damit abtun, wenn letztendlich nach der Empörung wieder die Rechnung auf dem Tisch liegt, außer Spesen nichts gewesen, bitte empören sie sich weiter, vielleicht klappt's ja dann beim nächsten mal.

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