Festveranstaltung zehn Jahre UN-Behindertenrechtskonvention in Stuttgart

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Oberbürgermeister Fritz Kuhn,  Simone Fischer und Prof. Lob-Hüdepohl.
Oberbürgermeister Fritz Kuhn, Simone Fischer und Prof. Lob-Hüdepohl.
Bild: Leif Piechowski/Stadt Stuttgart

Stuttgart (kobinet) Am 29. März feierte Oberbürgermeister Fritz Kuhn mit rund 200 Bürgerinnen und Bürgern im Großen Sitzungssaal im Stuttgarter Rathaus den zehnten Jahrestag der Unterschrift unter die UN-Behindertenrechtskonvention.

In Stuttgart leben rund 44.000 schwerbehinderte Menschen. Die Stadt möchte ihre Situation verbessern und ihre Teilhabe befördern. Beispiele sind: Blindengerechte Ampelanlagen, barrierefreie öffentliche Toiletten, Rampen für Rollstuhlnutzerinnen und Rollstuhlfahrer, Förderprogramme für Inklusion und Barrierefreiheit, zum Beispiel beim Wohnen und in der Freizeit oder beim Umbau von Rolli-Taxen. Zum Beginner Veranstaltung betonte Oberbürgermeister Kuhn sagte: "Vielfalt ist ein Gewinn für unsere Gesellschaft. Stuttgart möchte eine Stadt der Inklusion sein. Das ist eine Frage des Herzens und des Verstands." Die Unterzeichnung der Konvention sei ein Durchbruch für Deutschland gewesen. "Es waren wertvolle zehn Jahre, dennoch müssen wir die Gedanken der Konvention weiter mit Leben füllen. Denn alle Menschen, egal behindert oder nicht, bilden die Gesellschaft. Daher müssen wir Verantwortung übernehmen, damit Teilhabe und Inklusion auch funktionieren." Der Gemeinderat habe für den laufenden Doppelhaushalt eine Millionen Euro gewährt für behinderten- und altersgerechtes Bauen. "Ich bin zuversichtlich, dass wir dies auch im kommenden Doppelhaushalt fortführen können."

Veranstaltungsmoderatorin Simone Fischer, die Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung, hob in diesem Zusammenhang hervor, dass es Menschen mit offenen Herzen und auch Begeisterung benötige, mit denen man diese Ideen umsetzen kann.

Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin und Mitglied im Deutschen Ethikrat mit Schwerpunkt Menschenrechte und Behinderung nahm in einem Vortrag die wissenschaftliche Einordnung zu inklusiven Entwicklungen in einer Gesellschaft vor. Sein Blick richtete sich auf Inklusion als Menschenrecht sowie ein inklusives Demokratieverständnis, das einem weitgefassten Inklusionsansatz folgt.

Bürgerinnen und Bürger aus Stuttgart ermöglichten einen Gedankenaustausch, der aufzeigte, wie wichtig Inklusion im Alltag ist. Sie berichteten von ihren Erfahrungen, wo sie in Stuttgart in ihrer Teilhabe noch behindert werden, welche Hoffnungen und Erwartungen sie mit weiteren notwendigen Schritten zum Abbau von Barrieren in Stuttgart verbinden.

Das Programm der Veranstaltung wurde von der inklusiven Theatergruppe "Die Rapsoden" um Axel Clesle und Andrea Lautenschlager, der Miniband vom Kindergästehaus mit Salah Bakkar, Fatima Bakkar umrahmt, Arsenij Burshteyn, Cengiz Kilic, David Radzinski und Christoforos-Sotiorios Katis unter Leitung von Tatiana Ignatova. Christian Sulzberger präsentierte einen Inklusionsrap. Die inklusive Band "The Sixteens" bot den musikalischen Rahmen beim anschließenden Empfang.

Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (UN-BRK) ist in der Bundesrepublik Deutschland im März 2009 mit dem Ziel in Kraft getreten, die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung zu verändern. Sie soll allen Menschen gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Die UN-BRK wurde Ende 2006 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet und trat 2008 in Kraft. Inzwischen haben 177 Staaten die Konvention unterzeichnet.

Lesermeinungen zu “Festveranstaltung zehn Jahre UN-Behindertenrechtskonvention in Stuttgart” (1)

Von JKNMN

Im November 2010 antwortete die Vorsitzende des Expertenkreises "Inklusive Bildung" Deutsche UNESCO Kommission Ute Erdsiek-Rave bei einem Inklusionstag in Stuttgart-Vaihingen auf die Frage, wie lange es denn dauern könne, bis Inklusion überall umgesetzt sei, sie rechne mit höchstens zehn Jahren. "Alles andere wäre ein Armutszeugnis für Deutschland!" Bleibt zu hoffen, dass es nicht die üblichen Lippenbekenntnisse sind. Die gibt es auch rund 80km östlich meist wöchentlich in der Presse, und trotzdem kommen von einem Amt Sätze wie "Wir sind nicht dazu da, den Wunsch der Eltern nach einem bestimmten Schulabschluss zu erfüllen" oder "In der Eingliederungshilfe ist ein persönliches Budget nicht vorgesehen" , usw.

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