Werkstattmesse 2019 – ein Fazit

Veröffentlicht am von Andreas Vega

Messestand „Budget für Arbeit“ auf der Werkstattmesse 2019
Messestand „Budget für Arbeit“ auf der Werkstattmesse 2019
Bild: Andreas Vega

Während im nahe liegenden Stadion der 1. FC Nürnberg Augsburg schlug, ging in der Halle 12 der Nürnberger Messe die Werkstattmesse zu Ende. Werkstätten für Menschen mit Behinderung nutzten ihren Auftritt, um ihre Produkte auszustellen und das Publikum über diese Art der Behindertenhilfe zu informieren. Lediglich ein Stand informierte über die neue Möglichkeit, mit der Unterstützung des „Budget für Arbeit“ in einem normalen Betrieb arbeiten zu können. Kobinet nutzte den letzten Messetag um Barbara Viehweg über ihr Fazit des Messeauftrittes von Netzwerk Art. 3 zum „Thema Budget für Arbeit“ zu befragen.

Kobinet: Frau Vieweg, wie ist denn ihre Bilanz über den Auftritt von Netzwerk Art. 3 dieser Messe?

Vieweg: Es waren spannende Tage und es gab viele interessante Gespräche zum Thema. Viele Menschen mit Behinderung haben von der Möglichkeit mit dem sogenannten Jobbudget auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Anstellung zu finden bisher nichts gewusst. Damit jeder sich selber überlegen kann, ob dieser Weg für ihn infrage kommt, haben wir ein einfaches Formular mit auf die Messe genommen. Anhand dieser Fragen, kann sich jeder überlegen, ob für ihn das Budget für Arbeit eine interessante Perspektive bietet.

Kobinet: Hatten sie während der Messe auch Kontakt mit hier anwesenden Werkstätten für Menschen mit Behinderung?

Vieweg: Eher nicht, die Aussteller sind natürlich in erster Linie damit beschäftigt ihre eigenen Produkte vorzustellen und sich als guter Arbeitgeber zu präsentieren. Dass sie auch die Aufgabe haben Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu zubringen, geht auf so einer Messe leider unter. Nur sehr wenige Werkstätten beschäftigen sich mit der Möglichkeit, dass das „Budget für Arbeit“ für einige Menschen mit Behinderung eine Chance bietet, auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzukommen.

Kobinet: Gibt es nach dieser Messe eine Perspektive, dass das Budget für Arbeit bekannter wird?

Vieweg: auf jeden Fall. Dieser Messeauftritt ist nur mit Unterstützung der Aktion Mensch möglich gewesen. Und wir wollen auf jeden Fall weitere Aktionen folgen lassen. Es ist doch schön, wenn Menschen mit Behinderung, die angeblich nur in einer Werkstatt arbeiten können, eine Chance bekommen Selbstbestimmt auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Beschäftigungsstelle zu finden. Eben unter den üblichen Bedingungen, die auch für andere Berufstätige gelten. Zum Beispiel einen Tariflohn zu erhalten und unter Nichtbehinderten Kolleginnen zu arbeiten. Das ist ein wichtiger und notwendiger Schritt in Richtung Inklusion.

Kobinet: Vielen Dank für das Gespräch.

Lesermeinungen zu “Werkstattmesse 2019 – ein Fazit” (3)

Von rgr

Keine Antwort ist auch eine Antwort

Ich frage: Was ist aus dem offenen Brief an die BAG WfbM und an die Werkstatträte vom 4.12.2018 geworden? Siehe: http://tinyurl.com/y4mkcjco

Nach meinem Zeitgefühl hätten das zehnjährige Jubiläum der UN-BRK und zuletzt die Werkstattmesse Anlass für eine Antwort gegeben. Heinz Becker war als Referent auf der Werkstattmesse tätig. Art. 3 hat das Budget für Arbeit vorgestellt. Nach Roland Frickenhaus folgten weitere Unterzeichner des offenen Briefes.

Ich denke es wird Zeit die Ergebnisse der Aktion 'offener Brief' zusammen zu tragen. Es sollten Schlüsse aus dieser Public Relation gezogen werden. Die Unterzeichner sollten klar stellen, welche Schritte noch in diesem Jahr aus der Forderung des Staatenberichtes abgeleitet werden müssen.

Von Wolfgang Ritter

An zwei Messetagen habe ich mich vor Ort informiert wie ich das alle Jahre tue. Wenn man ehrlich ist, dann überhört man keinesfalls, dass für viele Arbeitgeber der Anreiz, einen Menschen mit Behinderung zu beschäftigen, die Lohnzuschüsse überwiegend sind. Auf der Messe habe ich niemanden gefunden, der spontan gesagt hat, er würde ohne einen Zuschuss, einen Menschen mit Behinderung der aus einer Werkstatt kommt, einstellen. Stellte man die Frage wie es wäre, wenn der behinderte Mensch eine gewisse Vorbildung mitbringen würde, dann konnte man eine gewisse Bereitschaft erkennen, aber auch dann war das Argument immer wieder, ohne finanzielle Unterstützung sei dies schwierig. Auch die anwesenden Fachdienste auf der Messe ließen teilweise erkennen, dass ohne Zuschüsse es sehr schwierig ist, Arbeitgeber zu überzeugen, aber wann war das mal anders?

Kann man den erhaltenen Informationen welche durchsickern etwas vertrauen, dann ist beim persönlichen Budget nach § 29 ff BTHG ein Zuwachs zu erwarten, zumindest was die Beantragung bzw. die Bewilligung anbelangt. Ob sich dies in Bayern durchsetzen lässt, mag ich bezweifeln, denn was so manches anbelangt, leben die Bayern etwas hinterm Mond und wenn alles aus einer Hand durch die Bezirke kommen soll, dann bleibt abzuwarten ob nicht 365 Tage im Jahr Vollmond herrscht, welchen man dann mit der Stange weiterschieben muss?

Die Gerichte werden nicht arbeitslos, im Gegenteil, da man jetzt schon an dem ersten Änderungsgesetz zum BTHG arbeitet darf man sich auf einiges gefasst machen.

Von kirsti

Was ist denn das für eine anspruchsvolle und völlig neue Erkenntnis: „Es ist doch schön, wenn Menschen mit Behinderung, die angeblich nur in einer Werkstatt arbeiten können, eine Chance bekommen Selbstbestimmt auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Beschäftigungsstelle zu finden. Eben unter den üblichen Bedingungen, die auch für andere Berufstätige gelten. Zum Beispiel einen Tariflohn zu erhalten und unter Nichtbehinderten Kolleginnen zu arbeiten. Das ist ein wichtiger und notwendiger Schritt in Richtung Inklusion.“ Wie wahr, ich freue mich auch sehr und ungemein, dass es nun mit der Inklusion nach zehn Jahren UN-BRK und 25 Jahren GG „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ voran geht. Schön, dass es diese Veranstaltungen wie die „Werkstattmesse“ gibt, ohne sie wüssten wir ja rein gar nichts.

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