Inklusion muss endlich im Gesundheitssystem ankommen

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Screenshot der Internetseite der Lebenshilfe NRW
Screenshot der Internetseite der Lebenshilfe NRW
Bild: kobinet/ hs (25. März 2019)

Hürth (kobinet) Die gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Behinderung bedarf nach Einschätzung des Landesverbandes Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen erheblicher Verbesserungen. Dass die Behindertenbeauftragten von Bund und Ländern sich dem Thema nun angenommen haben ist lobenswert, jedoch lange überfällig, heißt es dazu in einer Presseinformation.

In der seit zehn Jahren für Deutschland bindenden UN-Behindertenrechtskonvention heiß es: „Jeder Mensch mit Behinderung muss die Medizin und Hilfe für die Gesundheit bekommen, die er braucht. ... Es muss besondere Hilfen und Medizin für Menschen mit Behinderung geben. ...Alle Ärzte, Pfleger und Therapeuten sollen Menschen mit Behinderung gut helfen.“In der Realität bestehen hier allerdings erhebliche Problem. „Gerade für Menschen mit einer geistigen Behinderung existieren noch immer erhebliche Barrieren, wenn es zum Besuch beim Arzt oder in einem Krankenhaus kommt. Zwar gibt es viele engagierte Ärzte, die allerdings im starren Abrechnungssystem oft nicht die Hilfe leisten können, die Menschen mit einer geistigen Behinderung benötigen und zusteht. Doch dafür zahlen die Menschen mit Behinderung genauso ihre Krankenkassenbeiträge wie nichtbehinderte Patienten, hier muss im Abrechnungssystem die Inklusion auch endlich Einzug halten“, sagt Prof. Dr. Gerd Ascheid, Landesvorsitzender der Lebenshilfe NRW.

Patientengespräche mit diesen Menschen benötigen mehr Zeit und oft anderer Formen der Kommunikation, dies muss sich in einem inklusiven Gesundheitssystem auch für die Ärzte wiederspiegeln. Lobenswert ist, dass Ärztekammern inzwischen Weiterbildungen in Leichter Sprache anbieten, sie müssen aber auch genutzt werden. Ein weiteres Problem im Gesundheitssystem ist die Assistenz von Menschen mit geistiger Behinderung, gerade bei stationären aber auch ambulanten Krankenhausaufenthalten. „Diese erwachsenen Menschen mit Behinderung sind meist auf Assistenz angewiesen. Häufig müssen Eltern neben dem Beruf, oder ehrenamtliche engagierte Menschen, diese Begleitung übernehmen. Einem finanziell so gut ausgestatteten Gesundheitssystem wie dem Deutschen ist das unwürdig“, sagt Ascheid. Es wird teilweise von Krankenhäusern sogar erwartet, dass Mitarbeiter aus den Wohnangeboten der Eingliederungshilfe die Assistenz bei den Krankenhausaufenthalten von Menschen mit Behinderung übernehmen. Dass diese Mitarbeiter dann in den Wohnangeboten fehlen wird jedoch nicht gesehen. Hier muss es endlich zu besseren Lösungen für Kliniken und Patienten mit Beeinträchtigung kommen.

Das setzt auch bessere Schulungen von Klinikpersonal voraus, die beispielsweise den großen Unterscheid zwischen Pflegeeinrichtung und Eingliederungshilfeeinrichtung nicht kennen. „Da werden Menschen mit Behinderung entlassen, in eine Taxi gesetzt und zur Wohneinrichtung gefahren, weil Klinikpersonal dem Irrglauben aufsitzt die weiter pflegerische Versorgung werde in der Wohneinrichtung schon durchgeführt. Dem ist aber nicht so, in einer Einrichtung der Eingliederungshilfe herrschen ganz andere Voraussetzungen, als in einer Pflegeeinrichtung“, sagt Ascheid.

Das sich NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und die Beauftragten der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten in Nordrhein-Westfalen, Claudia Middendorf, diesem Thema nun annehmen ist ein wichtiges Signal. Bereits Anfang April 2019 werden sich Vertreter der Lebenshilfe NRW mit Middendorf in Leverkusen zusammensetzten und über die Erfahrungen diskutieren. „Wir sind froh darüber, dass wir Frau Middendorf für dieses wichtige Thema gewinnen konnten und wollen ihr im weiteren Verlauf gerne ein Ansprechpartner sein“, sagt Ascheid.

Lesermeinungen zu “Inklusion muss endlich im Gesundheitssystem ankommen” (2)

Von KSL OWL

Das die Lebenshilfe es nicht so toll findet, dass Mitarbeiter der Einrichtungen eine Begleitung im Krankenhaus stellen sollen, ist natürlich nachvollziehbar. Im Rahmen der Trennung existenzsichernder und Fachleistungen ab 2020, könnte sich durch einen deutlich stärker individualisierten Anspruch auf die Fachleistung jedoch ein kleines Fenster öffnen, durch das die Finanzierung von Betreuungsleistungen während der Abwesenheit eines Bewohners außerhalb der Wohneinrichtung (z.B. im Krankenhaus) an einem anderen Ort eingesetzt werden könnte. In einer Art Persönlichem Budget könnte die Begleitung vorübergehend woanders eingekauft werden, da der Nachweis einer Fachleistung in der Wohneinrichtung ohnehin nicht dokumentiert und dargestellt werden könnte. Da dies die Anbieter gemeinschaftlicher Wohnformen jedoch vor unberechenbare wirtschaftliche Probleme stellen würde, wird das vermutlich nicht kommen. Die jetzt schon geltende, vom Leistungsträger regelhafte, vorübergehende Reduzierung der bewilligten Fachleistungsstunden ambulant betreuter Menschen während eines Krankenhausaufenthalts, lässt für die neu zu verhandelnden Regelungen für gemeinschaftliche Wohnformen, kaum auf eine Verbesserung hoffen...

Von TN

Das bedeutet auch Inklusion in Sachen orth. Heil- und Hilfsmittel.
Ernsthaft, ist obige Veröffentlichung von kobinet Satire oder kann die weg? ;-)

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