VDAB glaubt nicht an höhere Vergütungen in der ambulanten Pflege

Veröffentlicht am von Jens Wegener

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Bild: VDAB

Berlin (kobinet) Die nach wie vor niedrigen Vergütungen in der ambulanten Pflege stehen in der Kritik. Trotz gesetzlicher Vorgaben durch das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG) verhindern die Krankenkassen eine positive Entwicklung der Vergütungen. Mit der Errichtung bürokratischer Hürden wird es den ambulanten Pflegediensten nahezu unmöglich gemacht, ihr Pflegepersonal besser zu entlohnen.

Dazu Petra Schülke, Stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbandes der Deutschen Alten- und Behindertenhilfe: „Jahrelang wurde die häusliche Krankenpflege vom Gesetzgeber durch die Grundlohnsummenbindung systematisch abgehängt. Zwar wurde mit dem PpSG Ende letzten Jahres eine Voraussetzung geschaffen, dass Lohnsteigerungen von den Kassen nicht mehr als unwirtschaftlich abgelehnt werden dürfen. Flächendeckende Vergütungssteigerungen sucht man aber vergebens. Auf Landesebene können keine höheren Vergütungen durchgesetzt werden, weil die Krankenkassen mit immer neuen bürokratischen Hürden das Leben der ambulanten Pflegedienste schwer machen. Die von den Kassen eingeforderten Nachweispflichten gehen voll zu Lasten der Pflegeeinrichtungen. Dabei wird auch nicht vor Datenschutz und Betriebsgeheimnissen haltgemacht. Die Aufforderung, Lohnjournale und einzelne Gehaltsabrechnungen offenzulegen, widerspricht jeglichem Recht auf den Schutz persönlicher Daten.

Der Gesetzgeber hat es bisher versäumt, eine klare Regelung für die automatische Refinanzierung von Personal und Vergütungserhöhungen im ambulanten Bereich zu formulieren. Nach dem Vorbild der Finanzierung von Pflegepersonal in Krankenhäusern hätte im PpSG auch die Refinanzierung von Gehältern bis zur Höhe tarifvertraglich vereinbarter Vergütungen ohne Nachweise und Prüfung der Wirtschaftlichkeit für die ambulante Pflege eingeführt werden müssen. Stattdessen sind die Dienste durch die Vergütungspolitik der Kassen und den bürokratischen Aufwand schwer benachteiligt. Hier muss der Gesetzgeber nachsteuern, damit die flächendeckende Versorgung aufrechterhalten werden kann und jeder, der professionelle Pflege braucht, diese auch in Zukunft bekommen kann".

 

Lesermeinungen zu “VDAB glaubt nicht an höhere Vergütungen in der ambulanten Pflege” (8)

Von rgr

Das trifft das Niveau dieser Lobby

Die Meldung sollte lauten: Der VDAB verweigert höhere Löhne in der ambulanten Pflege, so lange seinen Forderungen nach mehr Intransparenz bei der Entlohnung und beim Transfer der Profite nicht umfänglich vom Gesetzgeber und den Kassen erfüllt werden.

Von rgr

ich korrigiere:

41% Privat
55% Gemeinnützig
und 4% Kommunal

Sorry für die unachtsame Eile.

Von rgr

Eine abschließende Bemerkung zu dem was der VDAB glaubend machen will

Der Unternehmerverband der privaten Pflegeinrichtungen VDAB spricht für Unternehmen auf die 41% aller Pflegeheimplätze entfallen. Auf steuerlich etwas günstigere Pflegeheime im gemeinnützigen Eigentum entfallen 51% aller Heimplätze, gefolgt von kommunalen Pflegeheimen mit 1%.

Von Unternehmern erwarte ich keine Glaubensbekenntnisse sonder ein Tarif-Angebot.

Von rgr

Der Unternehmerverband der privaten Pflegeinrichtungen VDAB klagt die Kassen wegen bürokratischer Hürden und Preisgabe von Betriebsgeheimnissen öffentlich an:

"Flächendeckende Vergütungssteigerungen sucht man aber vergebens. Auf Landesebene können keine höheren Vergütungen durchgesetzt werden, weil die Krankenkassen mit immer neuen bürokratischen Hürden das Leben der ambulanten Pflegedienste schwer machen. Die von den Kassen eingeforderten Nachweispflichten gehen voll zu Lasten der Pflegeeinrichtungen. Dabei wird auch nicht vor Datenschutz und Betriebsgeheimnissen haltgemacht. Die Aufforderung, Lohnjournale und einzelne Gehaltsabrechnungen offenzulegen, widerspricht jeglichem Recht auf den Schutz persönlicher Daten."

Wohlgemerkt: Es geht um Unternehmensdaten, wie sie nicht nur in der Lohnbuchhaltung üblicherweise Verwendung finden.

Von rgr

Im Anschluss an den von TN am 10. März 2019 08:56 induzierten Lesefluss bin ich auf eine Analyse von Tina Groll in der ZEIT vom 23.12.2018 gestoßen. http://tinyurl.com/y46pf8nw

Sie stellt die Frage, ob private Pflegeanbieter im Vergleich mit 'freien gemeinnützigen' Anbietern eher für schlechtere Qualität stehen. Unklar bleibt aber, ob es ein Kopf an Kopf Rennen ist. Dennoch melden sich Stimmen:

Zu der Frage scheint nur eine Studie des Marburger Versorgungsforschers Max Geraedts zu existieren, die private Anbieter schlechter abschneiden lässt. Claus Fussek hingegen tendiere zu einer gegenläufigen Auffassung.

Einigkeit gebe es über den Tatbestand, das die Investitionen im zurückliegenden Zeitraum um 20% zurück gegangen sein. Wachstum einzelner Unternehmen werde vornehmlich durch Konzentration, gespeist vom Zufluss von Kapitalsammelstellen aus Steueroasen erzielt.

Lesenswert wie auch das Handelsblatt.

Von TN

Leserbrief, quasi als Outing zur Geschwätzigkeit einer Gutachterin (Schlechtachterin?) des MDK:

"Antwort auf den Beitrag von Wandfarbe 09.03.2019, 07:54 Uhr

in einer der korrupten Krankenkassen, Körperschaften öffentlichen Rechts, erzwingen.

Die Aussage zu der Schlechtachterin des MDK:
"Meine Frau ist 5 Jahre als Gutachterin des MDK gefahren! Die Geschichten, die sie Abend erzählt hatte, schauderhaft. Vielleicht sollte da mal eine Journalistin den Wallraff machen? Ich befürchte nur, was sie dann erlebt, würde nie im Tagesspiegel veröffentlicht! Zuviel Wirklichkeit, zuwenig political correctness."

Gefunden in: https://www.tagesspiegel.de/politik/reformen-kommen-teuer-milliarden-defizit-in-der-pflegeversicherung/24082106.html?pageNumber=1&commentId=5c836e6c546b8e014fe4be51

Von Lothar Schwarz

Völlig vergessen dabei werden die Pflegenden Angehörigen. Das Pflegegeld bekommen im Übrigen nicht diese Menschen, sondern die Pflegebedürftigen selbst, die dies auch brauchen. Ein Irrtum übrigens, der immer wieder auch über Medien verbreitet wird. So leben Pflegende Angehörige oft von Hartz IV trotz enormen Leistungen und sind im Hartz System dann auch noch Drangsalierereien der Behörden ausgesetzt ! Eigenen Berechnungen zufolge ist aber auch das Pflegegeld die letzten Jahre kaum gestiegen, was real ein dickes Minus verursacht. In solchen Gemeinschaften ist dann sehr oft Armut die Folge.

Von TN

"... , dass Lohnsteigerungen von den Kassen nicht mehr als unwirtschaftlich abgelehnt werden dürfen. ..."
Den Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
Demnach dürfte jede/r Betriebswirt/in und jede/r Krankenkassenvorstand und -geschäftsführer/in permanent in erheblichem Maße unwirtschaftlich sein.

Dieser Tage mitgeteilt bekommen: Es gebe demnächst wieder eine neue Schuldenbremse, die und deren Einsetzen von den Bundestagsabgeordneten hätte abgewendet werden können - gegenüber der BundesreGIERung. Ist aber nicht passiert.

Die ominöse, so genannte Schuldenbremse wird demnach 'nach unten' durchgereicht.

Und noch dazu, dass die Krankenkassen (KdöR, Körperschaften des öffentlichen Rechts) in Geld schwimmen.

Und ja, leider scheinen die wenigsten dagegen aufzubegehren.

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