Urlaub in einem Land wo man mit Tere grüßt

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Blick von der Oberstadt in Tallinn auf den Hafen
Blick von der Oberstadt in Tallinn auf den Hafen
Bild: H. Smikac

Tallinn (kobinet) Zum Beginn der Reisesaison 2019 veröffentlichen wir bei kobinet Hinweise zu Reisezielen, welche auch für Urlaubsreisen von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen geeignet sind. Heute geht es dabei um Estland, das ganz im Norden des Baltikums liegt. Es ist ein kleines Land mit großer Geschichte und viel Natur. Fast 70 Prozent der Esten leben in Städten, die anderen in dem weiten Land, das zu mehr als 40 Prozent Waldfläche ist, Wald, der von Birken dominiert wird und im dem es noch Elche, Wölfe und Braunbären gibt.

Hauptstadt von Estland ist Tallinn, eine Stadt, die man auch unter dem Namen "Reval" kennt. Sie wurde faktisch auf Salz gegründet und hat seit der Hanse eine alte Geschichte als Kreuzung der Handelswege. In den Jahren waren hier auch Dänen, Deutsche, Schweden, Polen und Russen die Herrscher. Sie drückten der Stadt und ihrer Architektur ihren Stempel auf und ihrer Paläste stehen noch heutzutage auf dem Domberg. Für den Besucher mit Rollstuhl ist das ein schwieriges Gelände: historisches und holpriges Pflaster in hügligem Gelände. Dennoch eines Besuchs wert, denn hier gibt es auch Aussichtspunkte mit unvergesslicher Sicht auf die Stadt.
Weniger schwierig ist es in der Unterstadt. Hier steht das älteste Rathaus des Baltikum, die älteste Apotheke Europa, das kleinste Haus der Stadt. Zugleich sind hier die Wege auch mit Rollstuhl gut zu befahren.
Zum Besuch in dieser Stadt sollte auch ein Abstecher in den Stadtteil "Pirita" gehören. Hier steht der 314 Meter hohe Fernsehturm in dessen Restaurant man in luftiger Höh mit einem weiten Blick ins Land auch als Rollstuhlnutzer speisen kann. Von Pirita aus führt ein zwei Kilometer langer asphaltierter Weg die Küste entlang in den Stadtteil Kadriorg, wo in einem Park ein Palast des damaligen russischen Zaren besucht werden kann. Auch das Rotemann-Viertel ist sehenswert. Ein Besuch der Sängerfestwiese sowie ein Bummel durch die Straßen mit den traditionellen Holzhäusern gehören ebenfalls zu einem Besuch in Tallinn und letztlich nicht zu vergessen: Die vielen Museen sowie der Zoo, der ebenfalls mit Rollstuhl zu besuchen ist. Wer dabei auch den öffentlichen Nahverkehr nutzen möchte, findet hier Angaben zur Barrierefreiheit der Verbindungen.

Zweitgrößte Stadt Estlands ist Tartu - eine junge Stadt mit der ältesten Universität Estlands. Das Terrain der Stadt ist hügelig. An mehreren Abschnitte könnte Schiebehilfe notwendig werden. Das trifft weniger auf ein Besuch des Hauptgebäudes der Universität und der mittelalterlichen Johanniskirche zu. Für ein Besuch des Geschichtsmuseums auf dem Domberg ist Hilfe jedoch unumgänglich. Wer selbst technisch interessiert und neugierig ist, sollte auf einen Besuch des AHAA-Zentrums in der Innenstadt nicht verzichten. Ebenso gehört wohl ein Bummel auf der Promenade des Emajögi zu einem Besuch in Tartu.


Kurhaus in Haapsalu Foto: H. Smikac 

In Estland gibt es mehrere Kurstädte. Eine der bekanntesten von ihnen ist Haapsalu. Nachdem ein Deutschbalte aus Magdeburg hier die therapeutische Wirkung des Schlamm der Ostsee entdeckt hatte, hatten hier schwedischer rund russischer Adel, einschließlich der Zaren gekurt. Neben einem Bummel an der Promenade und durch die relativ kleine Stadt empfiehlt sich hier vor allem ein Besuch der alten Bischofsburg - wo bei Vollmond die "Weiße Dame" erscheinen soll, der Geist einer jungen Frau, die hier lebendig eingemauert worden sein soll. Die Burg ist auch mit Rollstuhl gut zu erfahren. Um Erinnerungen der Kindheit aufzufrischen sollte man auch "Ilons Wunderland" besuchen. Es befindet sich in dem Haus, in welchem Ilon Wiklund gewohnt hatte. Sie war die Illustratorin der Bücher von Astrid Lindgren. Wer also die "Kinder von Bullerby" oder "mein Mio" sehen möchte, trifft sie hier ebenso an wie "Karlson auf dem Dach". Die mehrgeschossige Ausstellung ist mittel Lift auch mit Rollstuhl zugänglich.

In Estland gibt es fünf Naturparks. Mobilitätseingeschränkte Reisende sollten sich für einen Besuch im zwischen den Städten Viljandi und Pärnu gelegenen Naturpark Soomaa entscheiden. Dieser wird von Hochmooren und kleinen Flüssen geprägt. Neben Estnisch wird hier von den Naturparkführern auch Englisch und Deutsch gesprochen. Das Besucherzentrum ist ebenerdig zugänglich. Ganz in der Nähe des Zentrums gibt es einen mit Rollstuhl befahrbaren Weg zu Stellen, an welchen Biber leben. Am westlichen Rand des Naturparks kann ein Besucher das Hochmoor auf einem 1.220 Meter langem Bohlenweg auch mit Rollstuhl erleben, sehen wo Sonnentau wächst oder Eidechsen begegnen. Auch ein ganz besonderes Erlebnis ist hier, wenn man vom Rollstuhl umsteigen kann, möglich: Die Fahrt mit einem Kanu oder Einbaum auf dem Raudna-Fluss mit Tierbeobachtungen vom Fluss aus.


Im Soomaa Nationalpark mit Rollstuhl im Hochmoor unterwegs Foto: H. Smikac 

Amtssprache in Estland ist Estnisch, zur Verständigung sind Kenntnisse der englisch oder russischen Sprache hilfreich, häufig wird jedoch auch, zumindest im Tourismus und der Gastronomie Deutsch gesprochen. Estnisch ist für Deutsche eine schwierige Sprache. Umso wirksamer ist, auch einmal mit "tere"(hallo) zu grüßen. Wer selbst einige Worte Estnisch lernen möchte, kann das hier tun.

Weitere interessante Informationen für das Vorbereiten eines Besuches in Estland kann im Internet auf der offiziellen Tourismus-Seite Estlands in deutscher Sprache nachgelesen werden. Spezielle Informationen für mobilitätseingeschränkte Besucher können hier nachgelesen werden. Insgesamt ist es in Estland jedoch nicht schwierig während der Reise weitere Informationen zu erhalten -  kabelloses Internet gibt in Gaststätten, öffentlichen Verkehrsmitteln und sogar am Strand oder im Wald. Dieses Land ist lückenlos angeschlossen – daher ist es keine Überraschung, dass man praktisch überall kabellos ins Internet kann und das fast immer kostenlos und mit kurzen Ladezeiten.

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