Teilhabe deutlich erschwert

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Hublift der Deutschen Bahn
Hublift der Deutschen Bahn
Bild: ISL

Berlin (kobinet) Der Deutsche Bahnkunden-Verband e. V. kritisierte heute die Unterstützung für mobilitätseingeschränkte  Fahrgäste. Inklusion wird infrage gestellt und Teilhabe deutlich erschwert/DBV fordert bundeseinheitliche Regelungen, so wird in einer Pressemitteilung die zum 1. Februar 2019 eingeführte Regelung der Deutschen Bahn AG kommentiert. Ihre Mobilitätsservicezentrale (MSZ) ist nur noch für die DB-eigenen Unternehmen zuständig. Deutlich und unmissverständlich finde sich auf der Internetseite der DB AG der Hinweis „Wenn Ihre Reise Strecken enthält, auf denen Sie mit nicht am Verfahren teilnehmenden Eisenbahnunternehmen reisen, können für diese Strecken keine Hilfeleistungen bei der MSZ angemeldet werden."

"Hier ist die Bundespolitik gefordert, um diesen Rückfall in das letzte Jahrhundert schnellstmöglich rückgängig zu machen. Die Kleinstaaterei im Schienenverkehr schien überwunden und die Gleichbehandlung von behinderten Menschen auf dem richtigen Weg – quasi in der Schlusskurve – zu sein", meint der Bahnkunden-Verband.

Aus unternehmerischer Sicht sei die Einschränkung der DB AG, diese Serviceleistung nur noch für eigene Unternehmen anzubieten, nachvollziehbar. Doch nun sei die Politik in der Pflicht: "Es ist völlig indiskutabel, wenn sich Fahrgäste, die in ihrer Mobilität eingeschränkt und auf fremde Hilfe angewiesen sind, sich auch noch darüber informieren müssen, welches Verkehrsunternehmen sie benutzen. Ein unlösbares Problem, wenn eine Strecke von zwei oder drei unterschiedlichen Firmen bedient wird?!"

Lesermeinungen zu “Teilhabe deutlich erschwert” (4)

Von Behindert_im_System

Hallo Kirsti,

der Teilnehmer hat 100 Punkte für diese Erkenntnis, wohin darf man überweisen?

Von kirsti

Wer’s noch nicht gemerkt hat: „Teilhabe“ – auch in den kobinet-Nachrichten- hat viele Gesichter und Facetten und Bedeutungen. Zum einen ist es schlichtes Teilnehmen an Veranstaltungen, wie z.B. „Bahnfahren“, o.k. auch wichtig und richtig!
Zum anderen ist es essenzielle „Teilhabe“ am Leben – wie z.B. bei Markus Igel – Wegnahme aller Bedarfe und Bedürfnisse; Teilhabe z.B. an „Bahnfahren“ ist gar nicht eingeplant, wäre auch Luxus. Aber so weit sind Herr Igel und viele andere, ich behaupte: die meisten Behinderten in diesem Land noch gar nicht. Sie wollen einfach nur gemeinsam leben wie alle anderen auch. Da sind erst einmal die ganz simplen primitivsten Dinge an der Reihe. Irgendwann – ganz weit oben in der Hierarchie- sicher auch mal Bahnfahren und Museumsbesuche. Aber das wird noch eine Weile dauern.
Solange diese Spaltung der Behinderten – auch hier in den kobinet- Nachrichten- eine solche Dimension besitzt, kommt kein Thema zum anderen; oder vielmehr: reden die einen Behinderten von Dingen, bei denen die anderen Behinderten nur staunend daneben stehen können.

Von Sven Drebes

Nachtrag:
Ich unterstütze die Forderung, eine einheitliche Koordinierungsstelle für alle Bahnunternehmmen einzurichten, voll und ganz. Es schadet dem Ziel aber, wenn diejenigen, die sich öffentlich dafür einsetzen, so schlecht recherchieren, dass die andere Seite ihre Aussagen in wenigen Sekunden widerlegen kann.
Die DB stellt die heutige Situation ja als Verbesserung dar, und hat damit sogar teilweise Recht. Immerhin nimmt die MSZ jetzt Anmeldungen für Ihre Vertragspartner auch dann an, wenn an den betroffenen Bahnhofen kein DB-Personal ist.

Von Sven Drebes

Almählich wundere ich mich darüber, wie wenig all diejenigen, die jetzt die Änderungen im Anmeldeverfahren der MSZ kritisieren, den vorherigen Zustand zu kennen scheinen.
Es ist schlicht falsch, dass bis Ende Januar ein Anruf bei der MSZ reichte, um Unterstützung bei jeder Reise von zwischen beliebigen Bahnhöfen anzumelden. Wer z.B. als Rollstuhlnutzer von Frankfurt (Oder) nach Schwerin oder von Frankfurt (Main) nach Melsungen wollte, musste sich schon seit Jahren mit mehreren Bahnunternehmen auseinandersetzen. Eine Anmeldung war auch damals schon nur dann möglich, wenn man nur mit Zügen der DB, Zügen von Vertragspartnern oder zwischen Bahnhöfen mit DB-Persoinal reiste. Komplizierter ist es jetzt also nur für diejenigen, die nur am Bahnhof Hilfe brauchen und um diesen Bahnhof herum nur mit Nicht-Verttagspartnern reisen. Das ist ärgerlich, ideal war es vorher aber nicht.
Zweitens ist die MSZ nicht Teil von DB Station und Service (für Bahnhöfe zuständig) sondern von DB Vertrieb, der wiederum zu dem Teil der Bahn gehört, der die Züge betreibt.

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