Als Blindenreporter bei der Handball Weltmeisterschaft

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Die Blindenreporter Philipp Rother und Broder-Jürgen Trede
Die Blindenreporter Philipp Rother und Broder-Jürgen Trede
Bild: T_OHR - Zentrum für Sehbehinderten- und Blindenreportage in Gesellschaft und Sport

Berlin (kobinet) Für Deutschland startet gestern die Handball-Weltmeisterschaft mit dem Gruppenspiel gegen Korea. Das Spiel hatte die deutsche Mannschaft mit 30 : 19 Toren gewonnen. Neben der Tatsache, dass bei diesem Spiel zum ersten Mal eine gesamtkoreanische Mannshcaft angetreten war, war es auch das erste Spiel, das auch von Blindereportern verfolgt wurde. Das T_OHR - Zentrum für Sehbehinderten- und Blindenreportage in Gesellschaft und Sport in Mainz hat dazu mit mit einem der beiden Blindenreporter des Spiels, Broder-Jürgen Trede, ein Interview geführt, das wir hier auch bei kobinet veröffentlichen.

Hallo Broder, Du bist als Blindenreporter bei der Handball-WM dabei und heute beim Eröffnungspiel im Einsatz. Was genau macht ein Blindenreporter, und was gilt es zu beachten?

Wir versuchen, genau das zu beschreiben und nachvollziehbare Bilder zu übersetzen, was gerade auf dem Spielfeld passiert – in Echtzeit, synchron zur Atmosphäre und mit möglichst vielen Details. Wir reden permanent, ohne Pausen. Unsere Wortfrequenz ist immens hoch. Spannend und herausfordernd wird heute beim Eröffnungsspiel vor allem sein, beim umfangreichen Rahmenprogramm „auf Ballhöhe“ zu sein und im harmonischen Einklang mit der herrschenden Geräuschkulisse zu Wort zu kommen.

Wieso?

Der IOC- und der Bundespräsident werden da sein, der WM-Song wird vorab gespielt, und der Hallensprecher wird die Aufstellung der deutschen Mannschaft aller Voraussicht nach auch nicht im Flüsterton präsentieren. Da gilt es, ganz wach zu sein und für die nötigen erklärenden Beschreibungen die richtigen Lücken zu finden.

Ihr reportiert das Spielgeschehen im Team. Gibt es da spezielle Absprachen, wer wann spricht?

Ja, das ist elementar. Wir haben uns überlegt, dass immer ein Reporter ein Team begleitet. Das heißt: Er spricht immer nur dann, wenn „sein“ Team den Ball hat. Bei Ballverlusten, Fehlwürfen, Stürmerfouls oder Zeitspiel muss er dann sofort schweigen, und der Kollege übernimmt. Die Zuhörer verbinden auf diese Weise sehr schnell die jeweiligen Stimmen mit den entsprechenden Teams. So kann die Rasanz und Dynamik des Handballs ideal vermittelt werden.

Das klingt sehr spannend. Welches Team wirst du dann heute beim Eröffnungspiel mit deiner Stimme begleiten?

Ich versuche, Koreas Offensivbemühungen zu beschreiben.

Wie sieht da Deine Vorbereitung aus?

Die hat sich tatsächlich etwas schwerer gestaltet, als ich dachte. Mir geht es da auch nicht anders als Christian Prokop, dem deutschen Trainer der sagte: Korea ist für uns in mancherlei Hinsicht schon eine Wundertüte.“ Im Internet findet man wenig bis gar nichts über die einzelnen Spieler. Porträtfotos? Biografische Steckbriefe? Absolute Fehlanzeige! Während ich die deutschen Spieler auch an ihrer Silhouette oder am Laufspiel identifizieren kann, muss ich mich bei den Koreanern schon beim Warmmachen etwas eingucken und mir Details einprägen. Ich habe gesehen, dass einer rot gefärbte Haare hat oder die vier Nordkoreaner im Team wohl mit roten Schnürsenkeln auflaufen werden. Hoffentlich erkenne ich die. Das wären so kleine Fixpunkte.

In der Vorbereitung legst du also den Fokus rein auf die Koreaner?

Nein, ich beschreibe natürlich auch das deutsche Abwehrverhalten. Das wird bestimmt spannend, da die Koreaner sehr quirlige und schnelle Spieler in ihren Reihen haben.

Wie geht das Spiel heute aus?

Ich glaube und hoffe, dass es eine klare Sache für Deutschland wird. Und ich wünsche mir, dass die Halle und damit auch unsere Zuhörer richtig mitgehen können und einen schönen Abend haben, der noch mehr Lust auf die Heim-WM und die weiteren Spiele macht.

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