Vom Teilnehmer ohne Stimmrecht zum Vorsitzenden

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Rainer Schaff
Rainer Schaff
Bild: kobinet/omp

Überlingen (kobinet) Rainer Schaff aus Überlingen engagiert sich im Bodenseekreis seit längerem für die Belange von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Als Teilnehmer im Gemeindepsychiatrischen Verbund Bodenseekreis ohne Stimmrecht gestartet, hat er mittlerweile nicht nur Stimmrecht in dem Gremium, sondern fungiert auch seit zwei Jahren als dessen Vorsitzender. Kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Rainer Schaff in Stuttgart am Rande einer Veranstaltung der Baden-Württemberg Stiftung zum Thema Empowerment über seine Erfahrungen und Aktivitäten.

kobinet-nachrichten: Sie wirken in einem Gremium mit, in dem es vor allem um Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen geht. Worum handelt es sich dabei genau?

Rainer Schaff: Im Bodenseekreis haben wir ein Gremium, das heißt der Gemeindepsychiatrische Verbund Bodenseekreis. Diese Verbünde sind in Baden-Württemberg in allen Landkreisen eingerichtet und dienen zur Zusammenarbeit und Koordination der einzelnen Einrichtungen, der Angehörigen und der Betroffenen. Diese Akteure wirken in dem gemeinsamen Gremium mit.

kobinet-nachrichten: In der Vergangenheit war es doch so, dass Sie von Betroffenenseite zwar dabei sein durften, aber kein Stimmrecht hatten?

Rainer Schaff: Wir waren seit 2011/2012 dabei, wurden auch gehört und hatten auch Einfluss, aber bis 2017 hatten wir keinen offiziellen Sitz und kein Stimmrecht.

kobinet-nachrichten: Das Spannende ist, dass Sie dann 2017 Stimmrecht bekamen und welche Funktion üben Sie jetzt in dem Gremium aus?

Rainer Schaff: Ich bin Anfang 2017, ich hoffe, ich irre mich jetzt nicht in den genauen Daten, zum Sprecher des Gemeindepsychiatrischen Verbundes Bodenseekreis gewählt worden – oder genauer gesagt, zum Vorsitzenden des Sprecherrates im Gemeindepsychiatrischen Verbund Bodenseekreis.

kobinet-nachrichten: Man kann also sagen: Vom Teilnehmer ohne Stimmrecht zum Vorsitzenden?

Rainer Schaff: Das kann man sagen, ja.

kobinet-nachrichten: Macht das Spaß?

Rainer Schaff: Ja, das macht Spaß. In den zwei Jahren, während denen ich das jetzt mache, gab es aber auch größere Herausforderungen, auch auf der persönlichen Ebene, weil man als nicht Einrichtungsvertreter schauen muss, dass man überhaupt gehört wird.  

kobinet-nachrichten: Haben Sie Tipps für andere Betroffene, wie man sich in solchen Gremien einbringen kann?

Rainer Schaff: Es gibt einerseits die Möglichkeit, sich drüber zu stellen, antipsychiatrisch und das System insgesamt zu kritisieren und sich da gar nicht einzubringen. Unsere Strategie und auch unser Hintergrund war, dass wir bewusst auch im Vorstand von unserem Verein (Initiative Psychiatrie-Erfahrener Bodensee e.V - iPEBo), den ich in dem Gremium vertretete, konstruktiv mitarbeiten wollen und durch das sich Hineinbegeben in das System auch dort Veränderungen herbeiführen wollen.

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.