Reformpaket gegen Altersarmut gefordert

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Budget, Geldscheine
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Bild: Irina Tischer

Berlin (kobinet) Der Paritätische Gesamtverband fordert Reformpaket gegen Altersarmut. Die nach einer aktuellen Studie enorm gestiegene Angst der Deutschen, im Alter zu verarmen, sei mehr als begründet, betont der Paritätische Gesamtverband mit Verweis auf seinen aktuellen Armutsbericht. Um Altersarmut wirksam zu bekämpfen, fordert der Verband ein umfassendes Maßnahmenpaket.

Eine der Forderungen ist eine Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent bis zur Erhöhung der Regelsätze in der Altersgrundsicherung von 424 Euro auf 628 Euro. Nach dem Paritätischen Armutsbericht sind ein Viertel der erwachsenen Armen in Deutschland in Rente oder Pension. Damit stellen Rentnerinnen und Rentner sowie Pensionärinnen und Pensionäre derzeit hinter den Erwerbstätigen die zweitgrößte Gruppe in dieser Population. Nach Einschätzung des Paritätischen werde die Altersarmut geradezu zwangsläufig weiter zunehmen, wenn nicht umgehend politisch gegengesteuert wird. „In den nächsten Jahren werden viele Langzeitarbeitslose und Menschen aus dem Niedriglohnsektor ins Rentenalter kommen. Für viele von ihnen ist der Weg in die Altersarmut vorprogrammiert“, warnt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. 

"Politik und vermeintliche Experten haben das Thema nicht ernst genommen oder in unverantwortlicher Weise schön geredet. Angesichts der vorliegenden Daten gibt es keinerlei Entschuldigung mehr für ein Nichtstun oder für Unzulänglichkeiten in der Bekämpfung von Armut im Alter und bei Erwerbstätigen“, so Schneider.

Die aktuellen Neuregelungen bei den Erwerbsminderungsrenten und der so genannten Mütterrente stellten zwar Verbesserungen dar, reichen aber aus Sicht des Verbandes bei weitem nicht aus, um dem Problem gerecht zu werden und Altersarmut wirksam zu vermeiden. Eine erfolgreiche Gesamtstrategie müsse bereits im Erwerbsleben ansetzen und insbesondere die gesetzliche Rentenversicherung stärken, fordert der Paritätische. Im Detail reichen die Forderungen des Verbandes von einer deutlichen Erhöhung des Mindestlohns auf 12,63 Euro über die Streichung der Riester-Unterstützung bis zur Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent und eine umfassende Reform der Altersgrundsicherung.

Lesermeinungen zu “Reformpaket gegen Altersarmut gefordert” (2)

Von Sven Drebes

Fortsetzung:

Dabei ist bisher vorausgesetzt, dass die Lohnerhöhungen keine Wirkung auf die Preise haben. Eine Erhöhung von rund 9 auf 12,63 € entspricht aber einer Erhöhung um mehr als ein Drittel. Das macht Preiserhöhungen wahrscheinlich, vor allem dann, wenn auch die Löhne oberhalb des alten Mindestlohns steigen. Um wie viel die Preise steigen, ist unklar, jede Preiserhöhung sorgt aber dafür, dass das Einkommen weniger wert ist. Im - unwahrscheinlichen - Extremfall steigen die Preise stärker als die Löhne, und die Menschen können sich trotz mehr Lohn weniger kaufen können als vorher. Sie wären real sogar ärmer.

Tatsächlich gegen Altersarmut würde eine Änderung der Rentenformel helfen, die dafür sorgt, dass es eine Mindestrente gibt und vergleichsweise niedrige Löhne überproportional gewichtet werden. Zur teilweisen Finanzierung könnte man irgendwo im oberen Bereich eine Grenze als Höchstrente ziehen.

Von Sven Drebes

Sorry, aber solange die Rente vom vorherigen Einkommen abhängt, wird das "Reformpaket" des Paritätischen im besten Fall nichts an der Altersarmut, wie er sie definiert, ändern, möglicherweise wird die Armut sogar vergrößert. Statistisch arm sind ja alle, deren Einkommen höchstens 60% des Einkommens des Menschen beträgt, der in der Mitte der Reihe stünde, wenn man alle Menschen (oder alle Erwachsenen) vom ärmsten bis zum reichsten in einer Reihe aufstellen würde.

Das "Rentenniveau" sagt wiederum nur, wie viel Prozent des durchschnittlichen Bruttoeinkommens aller aktuelllen Beitragszahler der Mensch als Rente bekommt, der in jedem Jahr seines Erwerbslebens genau das Durchschnittseinkommen aller rentenversicherten Beschäftigten im jeweiligen Jahr verdient hat. Wer mehr verdient hat, bekommt mehr Rente, wer weniger verdient hat, weniger. Die Anhebung des Rentenniveaus um 5 Prozentpunkte ändert also nichts daran, dass die Menschen, die einen relativ niedrigen Lohn hatten, wenig und die mit hohem Lohn viel Rente bekommen. Und da die weitaus meisten Rentner in der ärmeren Hälfte der Reihe sind, würden sie zwar ein paar Euro mehr bekommen, die meisten statistisch armen Rentner würden aber statistisch arm bleiben.

Die Erhöhung des Mindestlohns hätte dann die größte Wirkung, wenn alle, die heute mehr als den Mindestlohn bekommen, zufrieden blieben. Stiege der Mindeestlohn wie gefordert auf 12,63 €, ist die Frage, ob sich z.B. jemand mit aktuell 12 € damit leben kann, dass er nach der Erhöhung genauso viel Lohn hat wie jemand, dessen Lohn vorher fast 3 Euro niedriger war. Und eine zweite Frage ist, ob jemand, dessen Lohn bisher 8, 12 oder 20 € über dem Mindestlohn liegt, damit zufrieden ist, das er danach nur noch 5, 9 oder 17 € mehr als den Mindestlohn bekommt. Wenn ja, wäre zumindest zahlenmäßig alles ok. Wenn nicht, bleiben die Reihenfolge und die Abstände zwischen den Menschen in der Reihe im Extremfall, genau wie sie waren. Wer vorher arm war, wäre es auch danach.

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