Markus Igel bangt um Selbstbestimmung

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Markus Igel
Markus Igel
Bild: Markus Igel

Bad Kreuznach (kobinet) Während sich die Vorweihnachtszeit mit all ihren verschiedenen Facetten vom Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt bis zu den zum Teil mitleidstriefenden Spendenaktionen langsam aber sicher über uns senkt, blickt Markus Igel aus Bad Kreuznach dem Jahresende mit großer Sorge entgegen. Ihm geht schlichtweg das Geld aus, um seinen AssistentInnen den verdienten Lohn auszahlen zu können, weil ihr der Kostenträger seit längerem hängen lässt. Nach dem Start einer Petition wurde nun auch eine Crowdfunding-Aktion für einen Solidaritätsfonds für Menschen, die in solche Situationen wie Markus Igel geraten und damit Gefahr laufen, in ein Heim zu müssen.

"Vor gut fünf Jahren bin ich aus einem Heim der Behindertenhilfe in eine Zwei-Zimmer-Wohnung gezogen. Seit dem kann ich selbstständig und selbstbestimmt mit Unterstützung von Assistenten (Arbeitgebermodell) leben. Ich muss mich nicht mehr an vorgegebene Zeiten halten, sondern kann meinen Alltag selbst gestalten. So möchte ich auch zukünftig leben", schreibt Markus Igel. "Das Arbeitgebermodell wird vom derzeitigen Leistungsträger (Landkreis Neunkirchen-Saar und Landesamt für Soziales Saarland) seit April 2018 nicht mehr finanziert. Mein Leistungsträger ist der Ansicht, dass ich überwiegend durch zwei osteuropäische Pflegepersonen meinen Lebensalltag sicherstellen soll. Dagegen habe ich mit meinem Anwalt Widerspruch eingelegt und mittlerweile auch eine Einstweilige Verfügung beantragt und Klage erhoben. Meine selbstständige Lebensführung kann mit dem Versorgungskonzept des Landesamtes nicht sichergestellt werden. Aufgrund meiner Sprachbeeinträchtigung ist es wichtig, dass die Menschen, die mich umsorgen und mir assistieren, die deutsche Sprache sprechen und verstehen. Hinzukommend brauche ich auch schriftliche Unterstützung, um mit Freunden, Arbeitskollegen und anderen aus der Selbstbestimmt Leben Bewegung (ZSL-Zentrum für selbstbestimmtes Leben e.V., MMB - Mobil mit Behinderung e.V.) per Mail und Social Media zu kommunizieren. Das wichtigste Argument für mich ist allerdings, dass ich in meiner Wohnung mit dem bisherigen Assistenzmodell leben möchte zugeschnitten auf meine persönlichen Bedürfnisse und Vorstellungen. Und das Ganze funktioniert ja auch schon fünf Jahre lang."

Link zur Crowdfunding-Aktion

Link zur Petition