Lübbecke: Behindertenbeirat bietet Stadtrat Paroli

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: ht

Lübbecke (kobinet) Es hat lange gedauert, bis auch in Lübbecke ein Behindertenbeirat eingerichtet wurde. Wo ist Lübbecke? Das werden sich nun einige fragen. Die Stadt in Westfalen könnte bald bekannter werden, als es sich die Verantwortlichen der Stadt vielleicht wünschen. Denn eine vermeintliche "Provinzposse" könnte sich dort langsam aber sicher zu einer Grundfrage der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention entwickeln. Der Stadtrat lehnt einige vom Behindertenbeirat vorgeschlagene sachkundigen Bürger*innen ab, die Assistenz bzw. Leichte Sprache brauchen, um in den entsprechenden Ausschüssen mitarbeiten zu können. Doch der Behindertenbeirat hat diesem Ansinnen bei seiner gestrigen Sitzung Paroli geboten und bleibt bei der ursprünglich benánnten Liste, wie die Neue Westfälische berichtet.

Link zum Bericht der Neue Westfälische

Lesermeinungen zu “Lübbecke: Behindertenbeirat bietet Stadtrat Paroli” (2)

Von TN

"... Der Stadtrat lehnt einige vom Behindertenbeirat vorgeschlagene sachkundigen Bürger*innen ab, die Assistenz bzw. Leichte Sprache brauchen, um in den entsprechenden Ausschüssen mitarbeiten zu können. ..."

Wenn der Stadtrat in seinen Ablehnungen der Mitarbeit von sachkundigen Bürgerinnen und sachkundigen Bürgern und Sachkundigen, die für sich (ihr Sosein) selber weder das männliche, noch das weibliche Geschlecht entschieden haben, die allesamt das Merkmal 'Behinderung' aufweisen darauf verweist, dass es keine Assistenz in Leichter Sprache geben kann:

Demnach lässt der Stadtrat auch keine Menschen mit Migrationshintergrund zu, die (mitunter) des Deutschen noch nicht so mächtig sein können und deshalb ihre Anliegen in den Gremien gern in Englisch oder ihrer Mutter-/ Vatersprache vortrügen.

So einen Stadtrat muss man erst einmal auf Schule schicken: Zum Sich-Bilden darüber, was die Leichte Sprache und andere Assistenz anbelangt.

Kopfschüttel - über den oben zitierten Stadtrat aus Lübbecke.

Von KSL OWL

Unfassbar, mit welcher Arroganz sich Vertreter einzelner Fachausschüsse dagegen wehren, Mitglieder des Behindertenbeirats als sachkundige Bürger in den Ausschusssitzungen zuzulassen. Und um sich nicht als behindertenfeindlicher Bürgervertreter beschimpfen lassen zu müssen, wird die Verweigerung scheinheilig damit begründet, dass benötigte Assistenten als Begleiter zu Ausschusssitzungen nicht ausdrücklich eingeplant und zugelassen wurden - ausdrücklich untersagt und verweigert hat dies jedoch auch niemand. Woher kommt sie und welche Angst ist es eigentlich, die diese Vehemenz in der Ablehnung nährt? Vielleicht ist es der befürchtete Verlust einer liebgewonnenen Gesprächskultur und -atmosphäre, auf die man sich in den Ausschüssen geeinigt hat und von der angenommen wird, dass sie von Menschen mit Behinderung, die auf eine Assistenz angewiesen sind, ganz sicher nicht verstanden wird. Und dann wäre alles dahin: Die ganze schöne Stimmung und die ganzen Routinen. Tatsächlich, es müsste hier und da vielleicht Gewohntes überdacht und angepasst werden. Tatsächlich, dies könnte vielleicht auch einmal anstrengend sein. Dies ist jedoch das Mindestmaß an Anstrengung, dass von gewählten Ausschussmitgliedern erwartet werden kann, um das gesetzlich verbriefte Recht an einer gleichberechtigten Beteiligung von Menschen mit Behinderung sicherzustellen. Wer dieses Recht nicht kennt oder nicht anerkennt, hat als Mitglied in einem Ausschuss nichts verloren - und ist ein Angsthase! Gar kein Angsthase ist hingegen der noch ganz junge Behindertenbeirat, der trotz starken Gegenwinds bei seiner konsequenten Entscheidung bleibt und bereits ein paar Wochen nach seiner Gründung Rückgrat zeigen muss - stark!

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