Schwer-in-Ordnung-Ausweis war gefragt

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Gut gemacht !
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Bild: hs

Hannover (kobinet) Die niedersächsische Sozialministerin Dr. Carola Reimann stellt in einer Presseinformation fest, dass bereits mehr als 5000 Menschen in Niedersachsen für ihren Schwerbehindertenausweis eine neue, diskriminierungsfreie Ausweishülle nutzen.

„Ich freue mich sehr", so hob die Ministerin hervor "dass seit der vom Sozialministerium begleiteten Einführung der Ausweishüllen im März 2018 schon so viele „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“-Hüllen und „Meine Teilhabe“-Hüllen ausgegeben worden sind. Das ist schon eine kleine Erfolgsgeschichte, die mich darin bestätigt, dass viele Menschen mit Behinderungen die Bezeichnung „Schwerbehindertenausweis“ als diskriminierend empfinden, weil damit ein vermeintliches Defizit in den Vordergrund gestellt wird. Menschen mit Behinderungen gehören in die Mitte der Gesellschaft. Für Ausgrenzung und Herabwürdigung darf es keinen Raum geben. Eine diskriminierungsfreie Sprache ist deshalb sehr wichtig. Mit unserer Aktion zu den Ausweishüllen haben wir ein deutliches Signal gesetzt."

Im Februar 2018 hatte Sozialministerin Carola Reimann dazu aufgerufen, Vorschläge für eine neue Bezeichnung des Schwerbehindertenausweises einzureichen. Hintergrund war, dass eine junge Frau aus Schleswig-Holstein ihren Schwerbehindertenausweis in „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ umbenannt und damit eine öffentliche Diskussion entfacht hatte. Aus den zahlreich eingegangenen Vorschlägen wurden von einer Jury dann die Bezeichnungen „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ und „Meine Teilhabe“ ausgewählt. Die zweite Bezeichnung berücksichtigt, dass sich nicht jeder Mensch mit der Bezeichnung „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ identifizieren kann.

In der Folge sind dann Ausweishüllen im Scheckkartenformat mit entsprechenden Aufdrucken gefertigt worden, die interessierte Menschen kostenfrei vom Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie erhalten können. Das Angebot wurde inzwischen in Niedersachsen mehr als 5000 Mal nachgefragt: Es wurden bislang mehr als 4000 „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“-Hüllen und 1400 „Meine-Teilhabe-Hüllen“ ausgegeben.

Lesermeinungen zu “Schwer-in-Ordnung-Ausweis war gefragt” (4)

Von mheidelberg

Ich kann es einfach nicht verstehen, dass Landesbehörden (auch in Berlin) diesen Blödsinn mitmachen!

Hat sich schon jemand überlegt, dass ein "Schwer-in-Ordnung-Ausweis" mindestens genauso diskriminierend ist wie ein "Schwerbehindertenausweis"?

Warum zum Teufel sollen Menschen "schwer in Ordnung" sein, nur weil sie eine Funktionseinschränkung haben?

Seit wann gibt es keine Menschen mit Funktionseinschränkungen mehr, die Arschlöcher sind?

Wie wäre es mit "Ausweis zum Nachteilsausgleich"?

Von Dirk Hentschel

@ TN

eine wirklich interessante Fragestellung!

Darf ich erweitern?

Was würde passieren wenn alle Menschen mit Behinderungen ihre Rechte erkennen und durchsetzen wollten - wie sieht die Quote dann aus?

Das sie "ein Recht auf eine Ausweishülle haben" wird ihnen bestimmt gern erklärt .....

Dirk Hentschel

Von TN

Wieviel haben die Ausweishüllen bisher das Ministerium unter Reimann gekostet?
Wieviele behördliche Ablehnungen gab es zu gleicher Zeit aus dem Hause Reimann und der Reimann'schen, nachgeordneten Behörden in Niedersachsen, wo AntragstellerInnen Leistungen aus dem Sozialbereich verweigert wurden und verweigert werden?

Reine Symbolpolitik, was da in Niedersachsen mit diesem Schwer-in-Ordnung-Ausweis abläuft.

Von Inge Rosenberger

Die Absicht, die dahintersteht, ist nachvollziehbar, denn Menschen - insbesondere Kinder - wollen möglichst einfach nur ganz normal dazugehören.

Allerdings ist diese Hülle für mich ein Sinnbild der Symbolpolitik, wie sie seit Jahren betrieben wird. Schöne neue Worte und Bezeichnungen, aber keine Änderung des Inhalts.



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