Weiterhin unzulässige Fragen in Vorstellungsgesprächen

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

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Bild: omp

Berlin (kobinet) Auch zwölf Jahre nach Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes stellen Personalverantwortliche Bewerbenden in Vorstellungsgesprächen unzulässige Fragen. Das ist das Ergebnis der am Mittwoch vorgestellten Umfrage der Antidiskriminierungsstelle „Was Arbeitgeber fragen (dürfen)“.

Acht Prozent der befragten Frauen und Männer berichten davon, schon einmal nach einem Kinderwunsch befragt worden zu sein, sechs Prozent der befragten Frauen wurden bereits gefragt, ob sie schwanger seien. 18 Prozent der Befragten sagten, sie seien gefragt worden, ob Deutsch ihre Muttersprache sei und 15 Prozent, welche Religionszugehörigkeit sie hätten.

Derartige Fragen sind in der Regel unzulässig. Das wissen nicht alle Bewerbenden. Selbst bei der Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft, die eindeutig und ausnahmslos verboten ist, gehen 39 Prozent der befragten Personen davon aus, dass sich der Arbeitgeber danach erkundigen darf.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) untersagt eine Benachteiligung von Beschäftigten aufgrund des Alters, einer Behinderung, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder der Religion/Weltanschauung. In diesem Sinne stellt zum Beispiel die Frage nach einer Schwangerschaft eine Benachteiligung von Bewerberinnen wegen des Geschlechts und einen Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot dar.

In der Studie wurden die Bewerbenden zudem gefragt, ob ihnen persönlich in Vorstellungsgesprächen schon einmal Fragen zu persönlichen Merkmalen wie Alter, Familienstand oder Staatsangehörigkeit gestellt wurden. Hier deuten die Ergebnisse darauf hin, dass solche Merkmale, die oftmals bereits in den Bewerbungsunterlagen angegeben werden, vergleichsweise häufig in Vorstellungsgesprächen thematisiert werden. Knapp ein Drittel der Befragten (30 Prozent) berichtet zudem davon, schon mal nach der Vereinbarkeit der Tätigkeit mit familiären Verpflichtungen gefragt worden zu sein. Diese Frage ist zumindest dann problematisch, wenn konkret gefragt wird, ob die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen sichergestellt ist, da es sich dabei nicht um eine berufliche Anforderung handelt.

Lesermeinungen zu “Weiterhin unzulässige Fragen in Vorstellungsgesprächen” (1)

Von Moin Moin

Ja, es ist nicht gesetzeskonform, wenn Arbeitgeber Bewerber in einem Bewerbungsverfahren aufgrund von Merkmalen, wie beispielsweise eine Behinderung, ausschließen. Noch viel ärgerlicher ist es aber, wenn es sich bei dem Arbeitgeber um eine sogenannte Interessenvertretung von behinderten Menschen handelt, die bei einem Bewerbungsverfahren, bei dem eine Behinderung als Voraussetzung für die Besetzung einer Stelle genannt wird, schwerbehinderte Bewerber gar nicht erst einlädt. So geschehen bei der Besetzung einer Stelle im Rahmen der EUTB durch die LAG Selbsthilfe Baden-Württemberg.

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