Barrierefreiheit in Ulm und um Ulm herum

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: domain public

Ulm (kobinet) Die uneingeschränkte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben stand im Mittelpunkt einer Fachtagung, zu der Angela Rubens von der Kontaktstelle Ulm/Alb-Donau-Kreis des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) am 20. November ins Haus der Begegnung in Ulm eingeladen hatte. Diese stand unter dem Motto "Ulm und um Ulm herum – Barrierefreie Mobilität in Stadt und Land". Gerade für Menschen, die aufgrund einer Behinderung oder altersbedingt Mobilitätsprobleme haben, ist eine barrierefreie Gestaltung der Verkehrsinfrastruktur Voraussetzung für eine Teilhabe am Leben, hebt Angela Rubens in ihrem Bericht, den sie den kobinet-nachrichten zur Verfügung stellt.

Ein ausgewähltes Team an Fachreferenten sensibilisierte und informierte die Veranstaltungsteilnehmer über die Anforderungen und die Umsetzung der Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehrsraum und dem ÖPNV, die bis zum 1.1.2022 vollständig umgesetzt sein soll. Martin Burkart vom Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO) erläuterte die Änderungen am Personenbeförderungsgesetz von 2013, in dem die Belange von Menschen mit Behinderung berücksichtigt wurden. Mit Blick auf den Artikel 9 der UN-Behindertenrechtskonvention stellte er die erforderlichen Anforderungen wie Blindenleitlinien, Aufmerksamkeitsfelder sowie das „Zwei-Sinne-Prinzip“, also akustische und visuelle Signalgeber vor. Die größte Herausforderung sieht Martin Burkart in der Sicherstellung eines ebenerdigen Zugangs zum Verkehrsmittel Bus. Weitere Herausforderungen gibt es zwischen Fahrgast und Fahrer, weshalb es seit 2018 eine Schulungsverpflichtung des Fahrpersonals gibt. Der Leitfaden vom WOB und LSK „Behinderte Menschen und das Fahrpersonal im ÖPNV“ wurde vorgestellt.

Dr. Wiebke Thormann vom ADAC stellte die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Bedürfnisgruppen und ihre Anforderungen an die Infrastruktur vor. Für sie hat der Planungsgrundsatz „Design für Alle“ eine besondere Bedeutung, denn die unterschiedlichen Bedürfnisgruppen sollen bei jeder Planung berücksichtigt und in Einklang gebracht werden. Über die barrierefreie Gestaltung von Fußgängerverkehrsanlagen referierte Dr. Markus Rebstock vom Institut Verkehr und Raum der Fachhochschule Erfurt. Er zeigte auf, welche Voraussetzungen erforderlich sind, damit Fußgänger-Verkehrsanlagen von allen Menschen selbständig und ohne fremde Hilfe genutzt werden können. Eine barrierefreie Infrastruktur muss gut geplant werden entsprechend den gesetzlichen Normen und Regelwerken zur Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehrsraum.

In seinem Referat „Wie kann barrierefreie Mobilität gelingen?“ ging Ulf-D. Schwarz, BSK-Geschäftsstellenleiter, auf die Bedeutung der Mobilität ein. „Mobilität ist eine strategisch bedeutsame Querschnittsaufgabe von Bund, Land und kommunalen Gebietskörperschaften und lokalen Akteuren, denn sie sichert die Erreichbarkeit von Beschäftigungs-, Bildungs-, Freizeit- und Versorgungsangeboten“, betonte Ulf-D. Schwarz in seinem Beitrag. Er erläuterte, dass es einer umfangreichen Planung bedarf, wenn ein mobilitätseingeschränkter Mensch auf Reisen geht. Für Schwarz kann barriererfreie Mobilität gelingen, „wenn alle Beteiligten und Verantwortlichen miteinander sprechen, miteinander nach Lösungen suchen, miteinander mit Respekt begegnen und voneinander lernen“.

Andreas Ceder von SWU Verkehr GmbH als Leiter Verkehr und Kommunikation ging in seinem Referat „Barrierefreier ÖPNV – Hausforderungen und Handlungsfelder“ besonders auf die Situation in Ulm ein. Auch konnte er die Probleme beseitigen, die ein paar Teilnehmer aus ihren Erfahrungen in Ulm mit dem ÖPNV machten. Für die Veranstalterin, Angela Rubens, war der Fachtag ein voller Erfolg. „Barrierefreiheit gibt es nicht zum Nulltarif. Wenn man richtig plant und die demografische Entwicklung der Bevölkerung berücksichtigt, kann dadurch ein ‚Mehrwert‘ für die Gesellschaft entstehen: jeder profitiert davon, da es für alle ein Komfort und Lebensqualität ist“, betonte sie in ihrem Schlusswort.

Als kompetente Ansprechpartnerin steht Angela Rubens zur beratenden Mitarbeit auf kommunaler Ebene als Interessenvertretung behinderter Menschen bei kommunalen Vorhaben zur Verfügung. Sie ist zu erreichen unter angela.rubens@lsk-bw.de.