Gute Pflege ist Menschenrecht

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Reichstagskuppel in Berlin
Reichstagskuppel in Berlin
Bild: sch

Berlin (kobinet) Die Bundesregierung will mit einem Sofortprogramm den Personalengpass in der Pflege verringern und die Versorgungsqualität verbessern. Über das dazu vorgelegte Pflegepersonal-Stärkungsgesetz debattiert der Bundestag zu  Beginn seiner heutigen Sitzung abschließend in zweiter und dritten Lesung. Als „Stückwerk" kritisierte der Paritätische Wohlfahrtsverband vor der mit 55 Minuten veranschlagten Debatte den Entwurf der Regierungskoalition.

"Trotz einzelner gut gemeinter Maßnahmen beispielsweise für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder betriebliche Gesundheitsvorsorge für Beschäftigte in Pflegeheimen, mangele es nach wie vor an einem Gesamtkonzept und einem Plan zur Finanzierung, wie der Notstand in der Pflege wirksam behoben werden könne", wird in einer Pressemitteilung "Gute Pflege ist Menschenrecht" betont. Mittelfristig seien 100.000 zusätzliche Pflegekräfte erforderlich, so der Verband. Darüber hinaus müssten die finanziellen Kosten für Pflegebedürftige begrenzt und insbesondere pflegende Angehörige deutlich stärker entlastet und auch finanziell besser abgesichert werden.

 „Unterm Strich bleibt dieses Gesetz Stückwerk. Auch die Ankündigung von 13.000 neuen Stellen bleibt Symbolpolitik, wenn nicht rasch weitere Schritte folgen. Der Pflegenotstand ist inzwischen zur Dauerkrise geworden, unter der alle Beteiligten leiden: die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen sowie die Pflegekräfte. Was es braucht, ist endlich ein beherztes Gesamtkonzept", fordert Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes.

Das Personal im ambulanten Bereich sei im Gesetz insgesamt nahezu vergessen worden, kritisiert der Paritätische. Zu begrüßen sei jedoch, dass künftig endlich die tarifliche Entlohnung auch in der Häuslichen Krankenpflege anerkannt und refinanziert werden solle, wie vom Paritätischen bereits lange gefordert. In der kommenden Woche lädt der Verband zu einem Pflegekongress ein, um mit Politik, Wissenschaft, Praktikern und Betroffenen die Konsequenzen der jüngsten Pflegereformen und Themen wie die Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitskonzeptes, Pflegeausbildung und Sozialraumorientierung zu diskutieren.

Lesermeinungen zu “Gute Pflege ist Menschenrecht” (4)

Von Gisela Maubach

Im ZDF hat heute die Mutter eines schwerstmehrfach-behinderten Sohnes etwas gesagt, was viele andere Eltern auch denken - aber nicht den Mut haben, dies so deutlich auszusprechen:

"Mein Wunsch ist, dass er vor mir geht" !!!

https://www.zdf.de/nachrichten/drehscheibe/expedition-simmerath-100.html

Von Inge Rosenberger

Hinweis auf P17
17 Petitionen zur Verbesserung beim Entlastungsbetrag in der Pflege (16 Petitionen für die Bundesländer, 1 Petition für den Bund)
https://www.openpetition.de/organisation/eb-fanclub-brd

Von Lothar Schwarz

Als Pflegender Angehöriger, der auch politische Themen recherchiert muß zu diesen "Stärkungsgesetzen" eindeutig ausgesagt werden: Es schwächt die Pflege zuhause ! Dieser Staat, dieses reiche Land Deutschland bekommt es nicht hin nur einmal gerecht und wirksam Menschen zu helfen, die nun schon seit Jahrzehnten immer mehr an den Rand gedrängt werden. Auch wenn man wie bei uns an 365 Tagen im Jahr täglich 14-18 Std hart arbeitet mit nächtlicher Rufbereitschaft, läßt es diese Politik zu, dass Pflegende Angehörige auf Hartz IV Niveau arbeiten müssen und nicht selten auch noch Repressalien von Jobcenter-Mitarbeitern ausgesetzt sind. Das ist Deutschland 2018 !

Von Sven Drebes

Damit sich die Situation von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen wirklich verbessert, muss sich die Gesellschaft von der Vorstellung verabschieden, sie könne den größten Teil der Pflegearbeit für ein Almosen den Familien aufbürden. Selbst wenn Pflege durch Familen bis vor wenigen Jahrzehnten noch die Regel war, hat sich seither wichtiges verändert. Erstens hat sich die Zeit, in der Menschen Pflege brauchen, deutlich verlängert. Zweitens verteilt sich die Pflegearbeit auf deutlich weniger Menschen, weil Familien spätestens seit den 70er Jahren deutlich weniger Kinder haben und die erwachsenen Kinder immer seltener in der Nähe der Eltern leben. Man muss aber auch in Frage stellen, ob die Pflege in der Familie früher wirklich so gut funktioniert hat, wie man uns glauben machen will. Schließlich blieb damals (fast) die ganze Pflege an Töchtern und Schwiegertöchtern hähgen, die oft nicht groß groß gefragt wurden.

Wer Angehörige pflegen will, hat meinen Respekt und soll das tun können. Es darf aber weder so sein, dass man sich faktisch zwischen der Pflege durch Angehörige und der durch Profis entscheiden muss. Noch darf die Entscheidung für professionelle Unterstützung mit der Frage verbunden sein, ob sich die Familie das leisten kann.

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