Erfahrungen weitergeben und Austausch erleichtern

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: ZsL Stuttgart

Stuttgart/Lobbach (kobinet) Eigene Möglichkeiten und Potenziale nutzen, um sich für die Stärkung der Rechte von Menschen mit Behinderungen einzusetzen. Das ist das Ziel einer Weiterbildung des Zentrums für selbstbestimmtes Leben (ZsL) in Stuttgart. Ende Oktober startete die erste von fünf Wochenend-Schulungen. Um Andere zu stärken, machten sich die 15 Teilnehmer*innen einem Bericht von Fabian Stanco zufolge zunächst mit ihren eigenen Stärken, Ressourcen und Kompetenzen vertraut.

Die Teilnehmer*innen beschäftigten sich dem Bericht zufolge mit Hilfe verschiedener Methoden mit ihrer Vergangenheit, der Gegenwart und tauschten sich über ihre Pläne für die Zukunft aus. "Die Teilnehmer*innen lernen, wie sie sich am besten einbringen können, damit ihr Engagement die größtmögliche Wirkung entfaltet", formuliert die Psychologin Britta Schade ein Ziel der Schulung. "So wollen wir die Qualität der Partizipation fördern und das eigene know-how stärken", erzählt die Schulungsleiterin Britta Schade weiter. Eine Internetseite, auf der sich die Referent*innen vernetzen, füllen die Teilnehmer*innen während des Seminars mit ihren Profilen. Inspiriert vom CASCO-Projekt der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) soll die Seite interessierten Menschen und Organisationen später das Finden von passenden Ansprechpartner*innen erleichtern. "Die Idee ist, dass die Teilnehmenden nach der Qualifikation als Referent*innen bei Fort- und Weiterbildungen, in Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie in Bildungseinrichtungen, Verwaltungen und bei freien Trägern aktiv werden", sagt Britta Schade. Selbstbewusstes und souveränes Auftreten, die eigene Stimme bewusst einzusetzen und sich gewaltfrei mitzuteilen und zu kommunizieren – das lernen die zukünftigen Referent*innen an den verbliebenen Wochenenden bis Oktober 2019.

Kommentar von Fabian Stanco

Stärken, Potenziale und Talente sind die Schlüssel zur Freiheit!

Was passiert, wenn man 15 Menschen mit verschiedenen Behinderungen und unterschiedlichen Behinderungserfahrungen an einem Wochenende zusammen bringt? Ich selbst war gespannt auf die Antwort dieser Frage. Ich gebe zu, dass ich nach dem Auftakt-Treffen der Seminarleiter und künftigen Teilnehmer in Stuttgart einerseits inhaltlich begeistert war – andererseits war ich auch skeptisch, ob ich in diese Gruppe von Menschen verschiedenen Alters und verschiedener Erfahrungen hinein passen würde. Umso mehr war ich gespannt auf den ersten Teil des Seminars.­

Die Beschäftigung mit sich selbst und auch die Auseinandersetzung mit den anderen Teilnehmern der Schulung war für mich herausfordernd, berührend und unglaublich bereichernd zugleich. Die Offenheit, der Humor und  die Leichtigkeit führten auch dazu, dass in der Gruppe sofort ein Vertrauen zueinander entstand. Die Frage, ob ich in diese Gruppe passe, hatte ich schnell mit einem „Ja“ beantwortet. Der Austausch begeisterte mich. Die  Gespräche auf Augenhöhe waren so tiefgründig, dass sich die Altersunterschiede als unwichtig, sogar als nützlich herausstellten. Ich schaffte es nicht nur, die anderen Teilnehmer besser kennen zu lernen, sondern auch mich selbst. Das ganze Wochenende inspirierte mich zu Schlüssen, auf die ich vorher nicht kam und motivierte mich für die Zukunft. Die gesamte Umgebung war selbstverständlich barrierefrei – dadurch spürte und gewann ich so viel an Freiheit – nicht nur im räumlichen Sinn. Das Seminar machte mir auch bewusst, wie frei ich bin. Es zeigte mir, dass ich meine Stärken, Potenziale und Talente als Schlüssel für die Freiheit einsetzen und wertschätzen kann. Sie sind die Schlüssel zur Freiheit. Als Krönung lernte ich so viele besondere Menschen kennen, die mich schon nach kurzer Zeit reicher gemacht und mir viel beigebracht haben.

Ich freue mich darauf, das Seminar fortzusetzen und als Inklusionsreferent meine Erfahrungen an Andere weiterzugeben. Es gibt für mich nichts Schöneres, als auf Augenhöhe von Menschen zu lernen – und das Gelernte weiterzugeben.