Bayern investiert munter weiter in Werkstätten

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Kommentar von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul

Bruchberg, Landkreis Ansbach (kobinet) Als ob es die Empfehlungen des Ausschuss der Vereinten Nationen für die Rechte von Menschen mit Behinderungen nicht gäbe, investiert Bayern weiter in den Neubau von Werkstätten für behinderte Menschen und wird nicht müde dies mittels Pressemitteilungen als gute Tat zu verkünden. So freut sich die bayerische Sozialministerin Kerstin Schreyer sehr, dass das Land den Neubau einer Werkstatt des Evangelisch-Lutherischen Diakoniewerkes Neuendettelsau in Bruckberg mit bis zu 2.265.900 Euro fördern kann damit dort 70 sogenannte Arbeitsplätze in Werkstätten für behinderte Menschen geschaffen werden. 

"Werkstätten ermöglichen Menschen mit Behinderung eine an ihren individuellen Stärken und Fähigkeiten orientierte berufliche Bildung und Beschäftigung. Hier wird zuerst der Mensch gesehen und gefördert und nicht die Behinderung", erklärte Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer zum Konzept der Werkstätten. Jetzt entstehen 70 Arbeitsplätze im Landkreis Ansbach: "Es freut mich sehr, dass wir den Neubau einer Werkstatt des Evangelisch-Lutherischen Diakoniewerkes Neuendettelsau in Bruckberg mit bis zu 2.265.900 Euro fördern können." Damit entstünden weitere zeitgemäße Arbeitsmöglichkeiten für Beschäftigte mit Behinderung. Die Staatsregierung stellt für ganz Bayern in diesem Jahr rund 60 Millionen Euro für die Schaffung von inklusiven Wohnungen, Werkstätten und Förderstätten für Menschen mit Behinderung zur Verfügung. Derzeit gibt es in Bayern bereits rund 35.000 Arbeitsplätze in Werkstätten für Menschen mit Behinderung, heißt es im Jargon der bayerischen Sozialministerin. Weitere Informationen dazu gibt's unter http://www.stmas.bayern.de/arbeitswelt/werkstatt/index.php

Die abschließenden Bemerkungen über den ersten Staatenbericht Deutschlands, die der Ausschuss der Vereinten Nationen für die Rechte von Menschen mit Behinderungen am 13. Mai 2015 veröffentlicht hat, klingen da unter Punkt 49 und 50 ganz anders. Demnach wurde der Bundesrepublik Deutschland, und damit auch den Ländern, folgendes ins Stammbuch geschrieben: "Der Ausschuss ist besorgt über die 'Segregation auf dem Arbeitsmarkt des Vertragsstaates', 'über finanzielle Fehlanreize, die Menschen mit Behinderungen am Eintritt oder Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt hindern'; den Umstand, dass segregierte Werkstätten für behinderte Menschen weder auf den Übergang zum allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereiten noch diesen Übergang fördern'."

Darauf aufbauend empfiehlt der Ausschuss der Bundesrepublik Deutschland u.a., "durch entsprechende Vorschriften wirksam einen inklusiven, mit dem Übereinkommen in Einklang stehenden Arbeitsmarkt zu schaffen", "die Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten an barrierefreien Arbeitsplätzen gemäß der Allgemeinen Bemerkung Nr. 2 (2014) des Ausschusses, insbesondere für Frauen mit Behinderungen"; "die schrittweise Abschaffung der Werkstätten für behinderte Menschen durch sofort durchsetzbare Ausstiegsstrategien und Zeitpläne sowie durch Anreize für die Beschäftigung bei öffentlichen und privaten Arbeitgebern im allgemeinen Arbeitsmarkt" und "die Sicherstellung, dass Menschen mit Behinderungen keine Minderung ihres sozialen Schutzes bzw. der Alterssicherung erfahren, die gegenwärtig an die Werkstätten für behinderte Menschen geknüpft sind".

Wenn in Bayern die Verwirklichung der schrittweisen Abschaffung der Werkstätten für behinderte Menschen durch sofort durchsetzbare Ausstiegsstrategien und Zeitpläne so verstanden wird, dass dort erst einmal munter weitere Werkstattplätze geschaffen und gefördert werden, dann wäre das ungefähr so, als ob dort noch schnell neue Atomkraftwerke gebaut werden, obwohl klar ist, dass diese in Deutschland bis Ende 2022 abgeschalten werden.

Lesermeinungen zu “Bayern investiert munter weiter in Werkstätten” (8)

Von Rosa

@Inklusionsbewegung

Soeben unterschrieben.

Solidarische Grüsse

Von Dirk Hentschel

Die "etablierte Behindertenhilfe" und die "Politik" sind sich einig!

Daran wird sich auch nichts ändern!


Wo ist die Einigkeit (Solidarität) in den Reihen aller Menschen mit Behinderungen? Wacht endlich auf und findet euch!

Dirk Hentschel



Von Inklusionsbewegung

Es ist wirklich kaum zu glauben. Der Freistaat Bayern hält sich einfach nicht an die UN-Behindertenrechtskonvention und wird dafür nicht einmal zur Rechenschaft gezogen. Diese Menschen weiterhin aus der Gesellschaft zu selektieren ist rechtswidrig.

Alles beginnt bereits im Kindergarten und in der Schule. Dort werden Eltern weiterhin dazu gedrängt, ihre Kinder mit Beeinträchtigungen auf Sonderschulen (Förderschulen) anzumelden.

Wenn die Inklusion an der Regelschule gescheitert ist, weil die erforderlichen inklusiven Schulstrukturen in Bayern fehlen wie Sonderpädagogen in allen Inklusionsklassen, kleinere Klassengröße, pädagogische Inklusionskonzepte, die MSD-Fachdienste für z.B.: Autismus oder Körperbehinderung , keine Nachteilsausgleiche beantragt und erfolgreich umgesetzt werden, alle Lehrer entsprechend ausgebildet wurden (auch die Schulleitung) die individuellen Förderpläne fehlen und diese Kinder dann „abgeschult“ werden (also auf die Sonderschule überführt werden), erfolgen Drohungen.

Wenn die Eltern sich dann weigern und die Schweigepflichtentbindung nicht unterzeichnen und kein Geld für Anwälte und Gerichtsverhandlungen haben, erfolgen Drohungen mit dem Sorgerechtsentzug durch „Anzeigen wegen Kindeswohlgefährdung“ oder sogar Inobhutnahmen.

Wir haben uns dagegen erfolgreich gewährt und vor ca. 3 Jahren eine Selbsthilfegruppe "Inklusionsbewegung Starnberg" gegründet um anderen betroffenen Familien (da dies in Bayern leider keine Einzelfälle sind, sondern die Regel) zu helfen und gemeinsam nach neuen Möglichkeiten und Wegen suchen zu können.

Bitte unterstützt und teilt deshalb unsere neue Petition für mehr Gerechtigkeit auf change.org

"Eltern wünschen Inklusion und bekommen Drohungen wie Sorgerechtsentzug oder Inobhutnahmen".

Vielen herzlichen Dank

Susann Dohm, Leiterin der Selbsthilfegruppe
Inklusionsbewegung Starnberg

Von rgr

Mördern sind wir nichts schuldig

Die Anstalt Neuendettelsau ist schuldig an der Ermordung seiner Insassen während des Nationalsozialismus. Hans Lauerer war von 1918 bis 1953 Rektor der Anstalt. Keiner der Mörder wurde je zur Rechenschaft gezogen. Noch heute fabuliert die ev.-lutherische Anstalt in verharmlosendem Medizinersprech von Euthanasie. Vgl.: https://www.diakonieneuendettelsau.de/ueber-uns/geschichte/

Es wird höchste Zeit in dieses so bezeichnete dunkelste Kapitel Licht zu werfen.

Von rgr

Die Perversion der Sozialdemokratie

Diese Fixierung auf Inklusion durch Ausbeutung widerspricht den Lebenserfahrungen der wohl meisten Lohnabhängigen, welche sich auch sehr gut ein Leben ohne Lohnabhängigkeit ausmalen können, zumal ihnen dieses bessere Leben ja auch von Freiberuflern, Selbstständigen und Rentiers täglich und beispielhaft vorgelebt wird. Im Unterschied zu ihnen sollen sich die WfbM Beschäftigten auch noch mit einem Taschengeld, statt eines auskömmlichen Lohnes zufrieden geben.

Da sag ich Schluss mit dieser Barbarei! Zahlt den WfbM Beschäftigten einen Schadensersatz für ein entgangenes Berufsleben, damit sie die finanziellen Möglichkeiten erhalten, die für eine Teilnahme an den Vorzügen und Errungenschaften unserer Kultur anfallen.

Diese Verherrlichung von Lohnarbeit, verbunden mit einer Abwertung von Erwerbslosen ist wohl das Perverseste was sich Sozialdemokraten zur Rechtfertigung und Aufrechterhaltung des kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisses ausgedacht haben. Sie ist das genaue Gegenteil dessen was Sozialisten als Freiheit anstreben.

Von kirsti

Wir müssen angesichts dieser und anderer Fakten, die in Deutschland, nicht nur in Bayern, mit dem Ausbau und der weiteren Existenz von Werkstätten und anderer Sonderwelten für Behinderte geschaffen werden, klarstellen, dass diese nicht mit dem Grundgesetz Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ und nicht mit der UN-BRK vereinbar sind. Wir müssen klarstellen, dass das BTHG – Bundesteilhabegesetz – für keinen einzigen Behinderten eine „Umsetzung“ der UN-BRK und der dort verschriebenen Rechte bedeutet. Solange dies nicht geschieht und die Behinderten sich in einzelne Gruppen von schlechten, besseren und guten Behinderten auseinanderdividieren lassen, werden Aussonderung in Werkstätten und Heime weiter an der Tagesordnung sein.

Von Behindert_im_System

Bayern investiert munter weiter in Werkstätten - Man darf nichts anderes erwarten!

Zitat:

"https://umsetzungsbegleitung-bthg.de/veranstaltungen/termine/rk-bayern/
Regionalkonferenz AUSGEBUCHT:

Umsetzungsbegleitung BTHG - Regionalkonferenz Bayern Im Rahmen des Projekts Umsetzungsbegleitung Bundesteilhabegesetz findet eine Regionalkonferenz des Freistaats Bayern für Vertreterinnen und Vertreter der (zukünftigen) Träger der Eingliederungs- und Sozialhilfe sowie ihrer Aufsichtsbehörden, der Leistungserbringer und für Vertreterinnen und Vertreter von Menschen mit Behinderungen statt. Im Zentrum der Veranstaltung stehen wesentliche Regelungsinhalte des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) und der gemeinsame Austausch über deren Umsetzung im Freistaat Bayern.
Moderierte Workshops bieten Ihnen Raum zum intensiven Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales wird zudem einen Überblick zum Umsetzungsstand des BTHG auf Bundesebene geben. Am Abend des 7. Novembers können Sie optional am Abend der Begegnung der ConSozial teilnehmen.

Das Programm (Stand 26. Oktober 2018) zur Veranstaltung können Sie hier herunterladen.
Download des Dokuments im PDF-Format (PDF-Dokument, 232.4 KB)"

Von Behindert_im_System

Fortsetzung:

Das Programm ist schon interessant, mit Sektempfang und Buffet am Abend für Nichtmitglieder des Deutschen Vereins kostet die Gaudi 265,00 € ist doch ein totales Schnäppchen. Die Frage welche man sich stellen muss, warum brät Bayern wieder eine Extrawurst? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach, bereits im Frühjahr erklärten die Bezirke in Bayern, es wird in den sieben Bay. Bezirken keine einheitlichen Regeln geben. Wenn dem so erneut sein sollte, dass die Bayern und dies kann man sehr annehmen, wieder eigene Brötchen backen, dann ist wirklich die BRK nicht das Papier mehr wert und die ganzen Verfechter und heiligen Apostel dieser Schrift sollten endlich eingestehen, dass sie aufs falsche Pferd gesetzt haben. Die Würde des Menschen ist antastbar und Bayern wird ein guter Vorreiter werden und alles daran setzen, das es den Menschen mit Behinderung ohne die freie Wohlfahrt, nicht zu gut geht.

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