Viele Fragen beim Schulbesuch

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Bild vom Schulbesuch beim Schreiben mit der Braillemaschine
Bild vom Schulbesuch beim Schreiben mit der Braillemaschine
Bild: Rose Jokic

Köln (kobinet) Die Inklusionsbotschafterin Rose Jokic war mit ihrer Assistentin und ihrem Begleithund zu Besuch in der Offenen Ganztagsschule (OGS) Montessori Pänz e.V. in Köln. Dabei wurden viele Fragen angesprochen und beantwortet, wie Rose Jokic den kobinet-nachrichten nun berichtete.

Ein sonniger, heißer Morgen. In Köln sind bereits die Ferien im vollen Gange. Inklusionsbotschafterin Rose Jokic macht sich dennoch mit ihrer Assistentin Charlotte und dem Begleithund Maki auf den Weg in die Schule. Die Tier-AG der Offenen Ganztagsschule Montessori findet für Erst- bis Viertklässler auch in den Ferien statt. Dieses mal geht es jedoch nicht um das Thema Blindenführhunde, sondern um das Leben blinder Menschen, ohne sich auf die Augen oder auf vier Pfoten verlassen zu können. Die Kinder haben viele Fragen und fangen Rose Jokic zusammen mit ihrer Lehrerin Irina Theobald bereits am Schultor ab. Viele Kinder warten draußen auf dem Hof gespannt auf den Besuch. Manche rennen schon mal vor, um den Weg ins Klassenzimmer zu zeigen, andere streicheln Maki und schauen neugierig Rose und ihre Begleiterin Charlotte an.

Im Klassenzimmer angekommen flüsterte ein Junge der Lehrerin schon die erste Frage ins Ohr, die sie nach seiner Erlaubnis laut sagen durfte: "Ich weiß jetzt gar nicht, wer hier eigentlich blind ist?“. Spätestens bei der Vorstellungsrunde wurde diese Frage beantwortet und Rose beantwortete geduldig viele weitere Fragen: "Wie kannst du einen Hund haben, wenn du blind bist?“ „Wie weißt du, welche Kleidung du anziehst?“; „Wie kochst du?“, waren nur einige der Fragen, die Rose mühelos beantworten konnte. Bei der Frage: „woher wissen blinde Fußballspieler, wer aus dem gegnerischem Team kommt?“ mussten jedoch alle gemeinsam überlegen, denn nur weil Rose blind ist, kann sie nicht automatisch alles, was mit dem Blindsein zu tun hat, auch beantworten.

Rose zeigte interessierten Kindern die typischen Hilfsmittel blinder Menschen. Sie zeigte eine Brailleschrift-Schreibmaschine, auf der sie selber in der ersten Klasse die Blindenschrift erlernt hatte. Auch ein Farberkennungsgerät gab es zu sehen, mit welchem sich die Kinder die Farben ihrer Kleidung ansagen ließen und auch, ob die Sockenfarben übereinstimmten. Ein Buch mit tastbaren Bildern, beantwortete auch gleich die Frage, wie blinde Menschen Kunst erleben. Auch die Möglichkeiten im Internet zu surfen, E-Mails zu lesen und zu schreiben demonstrierte Rose mit Hilfe ihres Laptops und der beiden Screenreader Jaws und Voice Over. Schließlich wollten die Kinder auch wissen, wie sie fotografieren konnte und auch das zeigte Rose mit ihrem Smartphone, indem sie ein paar Schnappschüsse von den Kindern und von Maki machte.

Bevor sie den Umgang mit dem Blindenlangstock demonstrierte, schrieb sie jedem der 14 anwesenden Kindern ihre Namen in Brailleschrift auf einen Aufkleber auf. Die Kinder schauten ihr begeistert dabei zu. Manche tippten es selbst auf der Schreibmaschine und andere ließen es mit Hilfe der Brailleschrift-Alphabet-Karte kontrollieren, ob auch alle Pünktchen an der richtigen Stelle saßen. Sogar ein Tippfehler wurde von Felix enttarnt.

Maki genoss währenddessen die vielen Streicheleinheiten und gewann in den knapp zwei Stunden sogar das Herz von Volkan, der anfangs eigentlich Angst vor Hunden hatte. Schlussendlich kuschelten die beiden miteinander und Volkan äußerte sogar den Wunsch, Maki mit nach Hause zu nehmen. Viele Kinder probierten die Orientierung mit dem Blindenlangstock aus und ließen sich dabei sogar die Augen verbinden. Alle fanden sie den Weg hinaus in den Schulhof und wieder zurück. Das Gefühl, nach der Rückkehr und dem Abbinden des Tuches wurde des Öfteren mit einem „wow, ich kann mich im Dunkeln zurecht finden“ kommentiert.

Die Normalität sich im Dunkeln zurecht finden zu können war nicht mehr so fern. Das spürte Rose auch an den darauf folgenden noch verbliebenen Fragen, die in etwa so lauteten: „kannst du Auto fahren?“ oder „Hast du auch Kinder?“.

Als Inklusionsbotschafterin bringt Rose Jokic Menschen in solchen Begegnungssituationen dazu, selbst zum Ergebnis zu kommen, dass Blindsein nicht unbedingt unüberwindbare Dunkelheit bedeutet, sondern dass jeder Mensch Vorlieben und Fähigkeiten hat und diese ausleben kann, unabhängig von einer Behinderung. Obwohl sie bereits zum dritten Mal in der Tier-AG war, findet sie meist die Antworten auf die vielen Fragen, die Kindern sonst unbeantwortet blieben, weil sie im Alltag kaum mit Menschen mit Behinderung in Berührung kommen.