Mehr barrierefreie Bücher?

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Reichstagskuppel in Berlin
Reichstagskuppel in Berlin
Bild: sch

Berlin (kobinet) Die Bundesregierung hat heute einen Gesetzentwurf zur Umsetzung der Marrakesch-Richtlinie in den Bundestag eingebracht. Corinna Rüffer, Sprecherin für Behindertenpolitik, und Tabea Rößner, Sprecherin für Netz- und Verbraucherpolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, forderten, den Entwurf dringend zu korrigieren, damit seh- und lesebehinderten Menschen zukünftig mehr Literatur in barrierefreien Formaten zur Verfügung steht:

Das Ziel der Marrakesch-Richtlinie, den Austausch barrierefreier Formate zu erleichtern, droht sonst ins Leere zu laufen. Vor allem die im Gesetzentwurf vorgesehene Vergütungspflicht wird die Umwandlung von Literatur in barrierefreie Formate behindern, weil sie die ohnehin schon aufwändige und kostenintensive Umwandlung zusätzlich verteuert. Derzeit ist nicht nur für jedes zu übersetzende Werk sondern auch für jedes Format, in das es übertragen wird – also z.B. Braille-Schrift, Hörbuch oder Großdruck - eine Vergütung vorgesehen. Dadurch werden die gemeinnützigen Stellen, die größtenteils diese Umwandlung vornehmen, zusätzlich belastet.

Seh- und Lesebehinderte Menschen müssen endlich genauso wie alle anderen Zugang zu Literatur haben. Bis heute sind schätzungsweise lediglich fünf Prozent aller Bücher in barrierefreien Formaten erhältlich. Seh- und Lesebehinderte Menschen haben es deshalb sehr schwer, an gesellschaftlichen Debatten teilzunehmen oder einfach nur den neusten Roman zu lesen. Besonders im Bildungsbereich hat es fatale Auswirkungen, wenn barrierefreie Literatur fehlt. So müssen Studierende, wenn die Hochschule auch keinen Umsetzungsservice hat, die Übersetzung von Texten in barrierefreie Formate selbst organisieren und finanzieren. Das ist auch vor dem Hintergrund, dass nur ein Drittel der blinden und sehbehinderten Menschen im erwerbsfähigen Alter erwerbstätig ist, eine inakzeptable Hürde.

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