Gehörlose erwarten Gebärdensprachdolmetscher !

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

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Bild: Aktion Mensch e.V.

Magdeburg (kobinet) Der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V und die Gehörlosengemeinschaft Sachsen-Anhalt e.V. halten das Verbot der Gebärdensprache auf der Bühne bei einer Jugendweihefeier für diskriminierend. Sie fordern, dass Gebärdensprachdolmetscherinnen / Gebärdensprachdolmetscher zu den nächsten Jugendweihfeiern auf der Bühne zugelassen werden.

Die regionalen Tageszeitung "Volksstimme" berichtete kürzlich darüber, dass der Verein „Junge Humanisten Magdeburg e.V.“, ein Veranstalter für Jugendweihefeiern, einer Dolmetscherin für deutsche Gebärdensprache und deutsche Sprache verweigert hat, sich auf die Bühne der Johanniskirche in Magdeburg zu stellen. Kobinet hat ebenfalls darüber informiert. Außerdem musste die gehörlose Familie die Eintrittskarte zur Feier für die Gebärdensprachdolmetscherin selbst bezahlen.

Der Deutsche Gehörlosen-Bund und die Gehörlosengemeinschaft Sachsen-Anhalt nehmen in einer Presseinformation zur Sache gemeinsam Stellung und betonen, dass dieses Verbot unverständlich und diskriminierend ist. Wir können die Begründung des Vereins „Junge Humanisten Magdeburg e.V.“ nicht nachvollziehen. Mit Bezug auf das Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen und das Gesetz des Landes Sachsen-Anhalt zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (BGG LSA) heben sie hervor: Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) wurde 2002 als eigenständige Sprache anerkannt. Ziel des BGG LSA ist es, wie die Verbände betonen, in Umsetzung des Übereinkommens der Vereinten Nationen vom 13. Dezember 2006 über die Rechte von Menschen mit Behinderungen Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen im Land Sachsen-Anhalt zu verhindern und zu beseitigen, gleichwertige Lebensbedingungen und Chancengleichheit sowie die gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu gewährleisten und eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen. Zudem wird von beiden Verbänden darauf verwiesen, dass Deutschland sich mit der Ratifikation der UN-Behindertenrechtskonvention dazu verpflichtet hat, Menschen mit Hörbehinderungen den gleichberechtigten Zugang zu Information und die Möglichkeiten zur barrierefreien Kommunikation zu gewährleisten (Artikel 9 und 30). Seit 1997 bietet die staatliche Hochschule Magdeburg-Stendal den Studiengang Gebärdensprachdolmetschen an, wodurch zahlreiche Studierende seitdem erlernen konnten, professionell zu dolmetschen.

"Es wäre für uns sehr wünschenswert," so stellen die Vereine in ihrer gemeinsamen Presseinformation fest, "wenn der Verein -Junge Humanisten Magdeburg e.V.- umdenken würde und GebärdensprachdolmetscherInnen zu den nächsten Jugendweihfeiern auf der Bühne zulassen könnte."

Anmerkung der kobinet-Redaktion: Wir hatten ebenfalls beim Verein "Junge Humanisten Magdeburg" nachgefragt und um eine Darstellung zu dieser Veranstaltung aus ihrer Sicht gebeten. Dazu wurde uns vom Verband eine Information des ehrenamtlichen Vorstandes angekündigt. Diese liegt bisher noch nicht vor. 

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