Menschen statt Bürokratie in den Mittelpunkt stellen

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Jürgen Linnemann
Jürgen Linnemann
Bild: Jürgen Linnemann

Gütersloh (kobinet) Der Inklusionsbotschafter Jürgen Linnemann fordert, dass die Bürokratie in Werkstätten für behinderte Menschen abgebaut wird und dafür wieder mehr Zeit für die Menschen mit Behinderung in Werkstätten zur Verfügung steht. Die Werkstatt müsse ihrem Auftrag als Rehabilitationseinrichtung wieder stärker gerecht werden, betonte er gegenüber den kobinet-nachrichten. 

"Die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen in Deutschland haben sich in den letzten Jahren sehr stark verändert. Ein Grund dafür ist der starke Konkurrenzkampf, wenn es um lukrative Aufträge geht. Viele Menschen, die in den Werkstätten beschäftigt sind, beklagen, dass durch die Bürokratie die Betreuung der Menschen mit Behinderung leidet. Das darf nicht sein. Denn viele Werkstätten in Deutschland sind in den siebziger Jahren entstanden, um Menschen mit Behinderung eine Struktur und Beschäftigung zu geben. Viele Menschen mit Behinderung sind sehr traurig darüber, dass der Eindruck entsteht, dass es heute wichtiger für die Werkstätten ist, lukrative Aufträge zu bekommen, um das Entgelt angemessen an den Menschen mit Behinderung bezahlen zu können. Deshalb brauchen wir in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen dringend einen Bürokratieabbau. Es muss wieder mehr der Mensch mit Behinderung in den Mittelpunkt gestellt werden, so dass die Werkstätten sich auf das konzentrieren, was sie eigentlich sind - nämlich eine Reha Einrichtung für Menschen mit Behinderung", erklärte Jürgen Linnemann. 

Jede Werkstatt sollte sich nach Ansicht von Jürgen Linnemann so aufstellen, dass die Menschen mit Behinderung sich hier wohl fühlen und nicht das Gefühl haben, dass nur noch die Aufträge zählen. Man sollte hierbei auch drauf achten, dass neue Konzepte von Seiten der Politik erarbeitet werden. Aber natürlich darf man auch nicht die wirtschaftliche Seite der Werkstätten vergessen. "Hierbei würde es schon helfen, wenn sich Geschäftsführer, Gruppenleiter und die MitarbeiterInnen des begleitenden Dienstes die Frage stellen, ob die heutige Situation das ist, warum sie sich entschieden haben, mit Menschen mit Behinderung zusammen zu arbeiten und ob das heute überhaupt noch so passt. Statt der umfangreichen Bürokratie wünschen sich viele Kolleginnen und Kollegen mit Behinderung, dass der behinderte Mensch, um den es hier eigentlich geht, wieder in den Mittelpunkt gestellt wird", betonte Jürgen Linnemann.

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