Denkmal der Grauen Busse in Hadamar

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Bild vom Grauen Bus in Kassel
Bild vom Grauen Bus in Kassel
Bild: Susanne Göbel

Hadamar (kobinet) Seit Montag steht das Denkmal der Grauen Busse auf dem Schlossplatz in Hadamar. Bürgermeister Michael Ruoff und LWV-Landesdirektorin Susanne Selbert haben es um 18 Uhr in Empfang genommen. Ein Festvortrag von Künstler Dr. Horst Hoheisel und eine Theaterperformance mit Schülerinnen der Theodor-Koch-Schule Grünberg folgten.

Die Grauen Busse sind auf Einladung der Stadt, der LWV-Gedenkstätte und deren Förderverein nach Hadamar gekommen. Gemeinsam haben diese den Transport des tonnenschweren Denkmals von Frankfurt nach Hadamar finanziert. Die Arbeit der Künstler Dr. Horst Hoheisel und Andreas Knitz besteht aus zwei monumentalen Betonteilen und erinnert an die "Euthanasie"-Verbrechen während des Nationalsozialismus: Mit grauer Tarnfarbe angestrichene Busse brachten kranke und behinderte Menschen zwischen 1940 und 1945 zu sechs Tötungsanstalten im Deutschen Reich. In der damaligen Tötungsanstalt Hadamar wurden rund 15.000 Männer, Frauen und Kinder ermordet. Heute befindet sich dort die Gedenkstätte Hadamar, die vom Landeswohlfahrtsverband Hessen getragen wird.

Das Denkmal wird für ein halbes Jahr vor dem Schloss in Hadamar stehen. "Magistrat und Stadtverordnetenversammlung haben sich dem Projekt angeschlossen und möchten damit ein Zeichen setzen, dass die Erinnerung und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit einen festen Platz in unserer Stadt haben", so Bürgermeister Ruoff. Susanne Selbert, Landesdirektorin des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, sieht das Denkmal als "Mahnung an uns alle: Wir sollen menschenverachtenden Äußerungen, die auch in unserem Land wieder zu hören sind, in aller Entschiedenheit entgegentreten."

Gemeinsam richten die Stadt Hadamar und die Gedenkstätte ein Begleitprogramm aus. Am 3. Juli wird im Stadtmuseum Hadamar die Kunstausstellung "Die Gestressten haben Uhren, die Glücklichen haben Zeit" eröffnet. Die Sonderausstellung der Künstlerinnen und Künstler des Vereins Integration ist bis zum 28. Oktober zu sehen.

Hintergrund: Gedenkstätte Hadamar

Die Gedenkstätte Hadamar erinnert an die rund 15.000 Menschen, die während der NS-Zeit als sogenanntes „unwertes Leben“ stigmatisiert und im Rahmen der nationalsozialistischen "Euthanasie"-Verbrechen in der damaligen Landesheilanstalt Hadamar ermordet wurden. In Hadamar können noch die authentischen Kellerräume mit Gaskammer, Sezierraum und Fundament eines Krematoriumsofens sowie die Garage der Grauen Busse besichtigt werden. Über die Geschehnisse informiert die Dauerausstellung "Verlegt nach Hadamar". Auf dem Friedhof findet sich eine Gedenkstele für die Opfer der NS-"Euthanasie".

Die Gedenkstätte Hadamar hatte in 2017 mehr als 20.000 BesucherInnen, darunter viele Schülerinnen und Schüler. Führungen, Fortbildungen und Studientage dienen der politischen Bildung und sind Teil des pädagogischen Programms.

Weitere Informationen unter www.gedenkstaette-hadamar.de