Anerkennungsleistungen für 149 Betroffene in Bayern

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Wappen von Bayern
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Bild: Public Domain

München (kobinet) Die bayerische Geschäftsstelle der Stiftung Anerkennung und Hilfe hat mit Stand 31. März 2018 bisher an 149 Betroffene aus Bayern, die bis 1975 Unrecht und Leid in Behinderteneinrichtungen oder Psychiatrien erleben mussten, Anerkennungs- und Unterstützungsleistungen ausgezahlt. Dies geht aus einer Antwort des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales auf eine Anfrage der kobinet-nachrichten im Nachgang zur Berichterstattung des Bayerischen Rundfunks über Medikamententests in Behinderteneinrichtungen hervor.

Die kobinet-nachrichten hatten das Ministerium u.a. gefragt: "Da es voraussichtlich bis Ende 2019 dauern wird, bis die Rummelsberger Diakonie die wissenschaftlichen Untersuchungen über Medikamententest aufgearbeitet hat, ist dann die auf Ende 2019 begrenzte Anmeldefrist für Zahlungen aus Mitteln der Stiftung Anerkennung und Hilfe abgelaufen. Setzt sich das Land Bayern dafür ein, dass diese Frist verlängert wird? In der Antwort der stellvertretenden Pressesprecherin des Bayerischen Staatsministeriums für Famile, Arbeit und Soziales, Marion Gehlert, heißt es: "Jenseits der wissenschaftlichen Aufarbeitung können sich Betroffene seit 1.1.2017 an die Stiftung Anerkennung und Hilfe wenden. Die Hilfe ist nicht an die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen gebunden. Anbei die aktuellen Zahlen, die zeigen, dass die Angebote bereits rege genutzt werden: Die Anlauf- und Beratungsstelle in Bayern hat der Geschäftsstelle der Stiftung Anerkennung und Hilfe 504 Vorsprachen, 174 Beratungsgespräche und 170 Erfassungsbögen mit Betroffenen aus stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe und stationären psychiatrischen Einrichtungen gemeldet (Stand: 31. März 2018). Als 'Vorsprache' wird jeder  - auch telefonische - Kontakt vor einem Beratungsgespräch verstanden, bei dem ein anschließendes Beratungsgespräch nicht ausgeschlossen ist. Mehrere vorherige Kontakte in einer Sache zählen als eine Vorsprache. Die Geschäftsstelle hat an 149 Betroffene aus Bayern Anerkennungs- und Unterstützungsleistungen ausgezahlt (Stand: 31. März 2018). Wir werden weiterhin die Träger dazu animieren, ihre eigene Geschichte aufzuarbeiten und in der Stiftung Anerkennung und Hilfe findet jeder, der zu diesem Kapitel der Heimgeschichte Fragen hat, ein offenes Ohr."

Auf die zweite Frage der kobinet-nachrichten, ob die Erkenntnisse der Recherche des Bayerischen Rundfunks zu Medikamententests in Behinderteneinrichtungen genutzt werden, um Betroffene, die zu der Zeit in den betreffenden Einrichtungen gelebt haben, schnellstmöglich darüber zu informieren, um im Falle ähnlicher Erfahrungen evtl. Anträge über die Stiftung Anerkennung und Hilfe stellen zu können, blieb unbeantwortet.

Dafür schrieb das Ministerium eher allgemein auf die Berichte im Bayerischen Rundfunk bezogen: "Der BR erweckt den Eindruck, durch seine Recherche seien Fälle von Medikamententests aufgedeckt worden. Das ist nicht der Fall, führt aber zu Verunsicherungen. Wir bedauern diesen Umstand und zugleich, dass die zahlreichen Bemühungen der 'Stiftung Anerkennung und Hilfe' und unserer Fachleute, die Aufklärung voranzubringen, in der Berichterstattung nicht erwähnt wurden. Das war für uns sehr schmerzhaft." Und weiter heißt es vonseiten des bayerischen Sozialministeriums: "Der vom BR geschilderte Fall des Mannes, der als Minderjähriger Medikamente verabreicht bekommen hat, ist uns bekannt, da sich der Betroffene selbst im letzten Jahr bei der 'Stiftung Anerkennung und Hilfe‘ gemeldet hat. Die Stiftung ist mit Trägern in Kontakt, bittet darum, sich der eigenen Geschichte zu stellen und die Vergangenheit aufzuarbeiten. Jede Form von körperlicher, seelischer oder sexueller Gewalt war ein fürchterliches Unrecht und ist es auch heute noch. Deshalb hat Bayern auch als erstes Bundesland zusammen mit dem Landtag Betroffene eingeladen zu einer Veranstaltung. Unter dem Titel 'Es ist Zeit, über Leid und Unrecht zu sprechen' haben sie die Zustände in den Heimen geschildert und unser damaliger Staatssekretär Johannes Hintersberger hat sich in einer sehr empathischen Rede bei allen Betroffenen für das erlittene Unrecht und Leid entschuldigt. Trotz der Veröffentlichung einer Pressemeldung und der öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung hat sich kein weiterer Betroffener von Medikamententests bei der Stiftung Anerkennung und Hilfe gemeldet. Dabei hat die Vorgängerin im Amt, Emilia Müller, noch zusätzlich verfügt, dass uns jeder Verdacht auf einen Medikamententest unverzüglich zu melden ist."

Link zum Bericht des Bayerischen Rundfunks

Link zur Stiftung Anerkennung und Hilfe

 

 

 

 

 

Marion Gehlert