Mit Christine Westermann vor unsichtbaren Spiegeln

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Jennifer Sonntag bei den SonntagsFragen im mdr
Jennifer Sonntag bei den SonntagsFragen im mdr
Bild: mdr

Leipzig (kobinet) Zu Beginn íhres kleinen Promi-Talkformates im mdr-Fernsehen sagt die u.a. auch als Inklusionsbotschafterin aktive Jennifer Sonntag immer: "Die SonntagsFragen sind Blicke in unsichtbare Spiegel". Bei ihrer Begegnung mit der von ihr sehr geschätzten Journalistin Christine Westermann war das ganz wörtlich zu nehmen, wie Jennifer Sonntag berichtet.

"In unserer Maske gab es keinen Spiegel und Frau Westermann war sehr verunsichert, weil sie ihr Gesicht beim Geschminktwerden nicht sehen konnte. Für sie ein Kontrollverlust, den ich als blinde Frau allzu gut kenne. Als sie das Resultat dann endlich in einem Spiegel überprüfen konnte, war sie irritiert. So gefiel sie sich nicht, besonders ihre sonst so schönen Augen wollten nicht recht zur Geltung kommen. Wir griffen das im Interview auf und ich bin Frau Westermann sehr dankbar für diese Echtheit, dieses Menschsein, brachte es doch auch meine Grenzen zum Ausdruck, die Grenzen der inneren Spiegel. Mein geschminktes Gesicht wird trotz engster Kommunikation mit der besten Maskenbildnerin für mich zu einem großen Teil ein optisches Geheimnis bleiben. Was würde ich wohl denken, wenn ich mich eines Tages in den mittlerweile über 80 Looks mit meinen immer etwas anderen Gesichtern vor der Kamera sehen könnte. Wäre ich auch irritiert, erstaunt, erschrocken? Und es gab noch einen erhellenden Moment, den mir Frau Westermann durch ihr aktuelles Buch ermöglichte, eine Erkenntnis. Wenn eine prominente Frau sich einen Chauffeur ruft oder zur Pediküre geht, gehört das zum guten Ton. Wenn ich das als blinde Frau tue, bekomme ich zu hören: 'Warum nimmst du ein Taxi, hast du nicht gelernt, mit dem Stock zu laufen, hattest du kein Mobilitätstraining?' Und neuerdings: 'Du hast doch einen Führhund, warum lässt du dich fahren?' Im Falle der Pediküre: 'Hast du nicht gelernt, dir die Fußnägel zu schneiden, hattest du keinen Kurs in lebenspraktischen Fertigkeiten?' Das aktuelle Buch von Christine Westermann handelt von großen und kleinen Abschieden und davon, dass einige darunter manchmal federleicht sind. Ich möchte mich jetzt auch von etwas verabschieden, von Rechtfertigungen, Erklärungsnöten und davon, als blinde Frau den Erwartungen anderer entsprechen zu müssen. Selbstständigkeit ist auch mir wichtig. Ein Mensch mit Behinderung sollte immer die Möglichkeit haben, sich für oder gegen etwas zu entscheiden, das ist Selbstbestimmung. Sichere Wege, die ich unter professioneller Anleitung mit einem Ausbilder trainiert habe, die gehe ich mit Stock und Hund. An ungeübte Orte lasse ich mich fahren, besonders dann, wenn ich dort noch meine volle Energie benötige, etwa für einen Vortrag. Ups, wieder eine Rechtfertigung! Ich fange ja gerade erst an umzulernen. Bei der Pediküre lasse ich mir sehr gern helfen, jawohl, und tatsächlich, das auszusprechen war nahezu federleicht", berichtet Jennifer Sonntag.

Link zu den "SonntagsFragen" mit Christine Westermann

Zu verlosen gibt es diesmal auch etwas, nämlich jeweils eine Ausgabe des aktuellen Taschenbuches und Hörbuches von Christine Westermann. Beantworten Sie einfach folgende Frage: Wie hieß die Sendung, die Christine Westermann 20 Jahre lang gemeinsam mit Götz Alsmann moderierte? Senden Sie Ihre Mail mit dem Lösungswort im Betreff bis einschließlich 1.5. an untenstehende Adresse. Vermerken Sie bitte unkommentiert, ob Sie im Falle eines Gewinnes eher am Buch oder am Hörbuch interessiert sind:

JSonntag@blindverstehen.de