AfD: 60 Prozent Behinderte durch "Inzucht"?

Veröffentlicht am von Harald Reutershahn

Daumen runter
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Bild: omp

Berlin (kobinet) In einer kleinen Anfrage an die Bundesregierung (Drucksache 19/1444) hat die Bundestagsfraktion der rechtsextremistischen AfD behauptet "Behinderungen entstehen u.a. durch Heiraten innerhalb der Familie." Verwiesen wird auf eine ominöse "britische Studie", die zu dem Schluss gekommen sei, dass 60 Prozent der Todesfälle und  Erkrankungen betroffener Kinder hätten vermieden (die AfD bewies in ihrer Anfrage mangelhafte Deutschkenntnisse, denn sie schrieb von "vermieten") werden  können, "wenn die Inzucht beendet würde".

Namentlich wurde diese Anfrage am 22.03.2018 gestellt von den AfD-Bundestagsabgeordneten Nicole Höchst, Franziska Gminder, Jürgen Pohl und Verena Hartmann sowie unterzeichnet von Alice Weidel und Alexander Gauland. Darin enthalten sind volksverhetzende Mutmaßungen zu den Auswirkungen "inzestuöser Verhältnisse" innerhalb von Migrantenfamilien.

Lesermeinungen zu “AfD: 60 Prozent Behinderte durch "Inzucht"?” (11)

Von Behindert_im_System

Hallo Herr Dr. Theben,

ich kenne noch die Zeiten da gab es Lebensmittel auf Marken. Hoffen wir mal dass es nicht soweit kommt, dass wir die Luft auf Zuteilung bekommen und dass noch in Tüten? Langsam darf man anscheinend mit allem rechnen.

Grüße nach Berlin

Von Dr. Theben

@Behindert-im-Systhem

ja, hier findet ein schlimmer Wettlauf der CSU mit der AfD anlässlich der Bayrischen Landtagswahlen statt. Auch das Polizeigesetz soll ja auch verschärft werden.

Die uft wird echt dünner...

Mit besorgten Grüßen

Martin Theben

Von Behindert_im_System

Legen wir doch noch einen drauf!

https://www.welt.de/politik/deutschland/article175492022/Streit-um-Gesetzentwurf-Bayern-will-Depressive-als-potenzielle-Straftaeter-behandeln.html

Wo ist nun ein Unterschied zwischen der AFD und der CSU denn beide Parteien scheinen ja die Absicht zu verfolgen, die Gesellschaft von unbrauchbaren Material zu säubern, nur Bayern macht inzwischen Nägel mit Köpfen anscheinend, wenn am 24.04.2018 die erste Lesung des Gesetzentwurfs im Bay. Landtag stattfinden soll.

Da bin ich mal gespannt wie unsere Vertreter wieder agieren werden damit einem Obolus nichts im Wege steht?

Schlimmer geht wirklich immer!

Von Sven Drebes

Ich wundere mich, dass in den bisherigen Beiträgen der wichtigste Aspekt fehlt. Diese Kleine Anfrage ist zuallererst rassistisch und missbraucht behinderte Menschen und die Angst vor Beeinträchtigungen, um rassistische Resentiments zu bedienen.

Von Heidi

Durch diese weitere offensichtliche Selbstentblößung der afd Politiker hinsichtlich ihrer traurig verarmten Geisteshaltung zur Menschenwürde und Mitmenschlichkeit steht weder das Recht auf Leben für alle Menschen in Frage noch die Würde des wie auch immer behinderten Menschen und / oder durch Krankheit behinderten Menschen.

Diese Diskussion hier erweckt bei mir viel mehr die Frage, wieviel Gewicht wir, verehrte Meinungsleserschreibende, diesen offensichtlich seelisch stark verwahrlosten afd PolitikerInnen beimessen möchten?

Alleine diese Anfrage ernst zu nehmen, fällt mir schwer und wo soll in unserer Gesellschaft eine Mehrheit herkommen, die plötzlich schwerbehinderte Menschen wie zu Zeiten des Nationalsozialismus Ihrer Existenzberechtigung berauben könnte oder wollte?

Abgesehen ist bekannt, dass die Zahlen für chronische Erkrankungen voranschreiten, woraus sich ebenfalls Schwerbehinderungen ergeben. Sowie der steigende Leistungsdruck in der Arbeitswelt und die sich hieraus oftmals ergebenden psychischen Behinderungen weitere schwerbehinderte Menschengruppen bilden.

Unsere Gesellschaft kann und will sich den Respekt vor und die Finanzierung von schwerbehinderten Menschen leisten.

Wir haben ganz andere Probleme, als uns mit ein paar Eintagsfliegen herumzuärgern.

Von Annika

Ich erinnere mich an die Darstellungen in Form von Fotos und "Karikaturen" von Menschen mit Behinderungen und von Menschen jüdischen Glaubens- die Verknüpfung der Andersartigkeit mit Andersgläubigkeit... ist in der Tat nationalsozialistisch...
Ich frage mich nur, wie wird mit dieser Anfrage umgegangen? Wird auf sowas geantwortet?
Auch mir kommt es so vor als sei die "Flüchtlingsfrage" jetzt langsam abgearbeitet und, wie man hört verlassen auch viele enttäuscht wieder das Land. Also braucht die AFD neue Feindbilder. Themen wie schwierige Inklusion...sind da auch Wasser auf die Mühlen. Dei Gegner der Inklusion müssen aufpassen, dass sie von der AFD nicht noch Mitstreiter bekommen und damit selbst ins rechte Spektrum abdriften...

Von rgr

Herrschaft über Sexualität und Reproduktion

Die Herrschaft über Sexualität und Reproduktion gehört ins Repertoire der politischen Rechten und ist nicht allein auf die AfD beschränkt. Ich erwarte, das Feministinnen sich dieser Sache annehmen, da die Aufklärung von Herrschaft über Sexualität und Reproduktion m.E. der Frauenbewegung zu verdanken ist.

Meint,
der Götz

Von Annika

Diese AFDler sind auf keinen Fall dumm, sie hoffen mit solchen Äußerungen, ihren Anhängern zu gefallen.
Bleibt nur zu hoffen, dass auch Einige durch solche Äußerungen aufwachen und erkennen, was das wahre Gedankengut der Partei ist. Leider muss ich sagen, dass sich solche Gedanken auch schon von der Nachkriegsgeneration gehört habe (z.B. die hätten keine Kinder kriegen sollen...das hätte es früher nicht gegeben...).
Damit ist eine Verleugnung und Entfremdung gegenüber Menschen mit Behinderungen verbunden, z. T. sogar die Unfähigkeit Kontakt aufzunehmen...Ich stell mir grad vor, wenn Alice Weidel meinem Sohn mit Down Syndrom begegnen würde!?
Er grüßt jeden- mir tut es weh, wenn jemand nicht zurückgrüßt!

Von Dr. Theben

Ja es ist erschreckend und ein weiterer (kalkulierter) faschistoider Tabubruch der AfD. Er erfordert, wie seinerzeit bei Singer und Atrott starke Reaktionen der Behindertenbewegung. Diese Partei setzt unseren "christlich-abendländischen" Wertekanon, der in Wahrheit ein Universeller ist, in Brand. Sie schreckt vor nichts zurück und muss nun wohl auch von uns mitt allen legitimen politischen Mitteln bekämpft werden. Wenn nicht schon früher,so ist jetzt die berühmte ROTE LINIE überschritten.

Mit entsetzten Grüßen

DR. Theben

Von Speedwheel

Mir macht das richtig Angst, dass diese Polemik bei deren Anhänger nach wie vor großen Zuspruch findet. Haben diese Leute nichts gelernt? Fakt ist dass die besagten Leute in SachenThema Behinderung absolut keine Ahnung haben und deshalb schweigen sollten. Diese Äußerung muss auf jeden FRall Konsequenzen haben. Denkbar wäre eine hohe Strafzahlung an ein Inklusionsprojekt.

Von Thomas Künneke

AFD sorgt sich um "Unwertes Leben“
Die AFD hat mit ihrer kleinen Anfrage an die Bundesregierung vom 22.03.2018 gezeigt, wie wichtig es ist, sich mit unserer Geschichte von 1933 - 1945 auseinander zu setzen. Sie kreiert sich eine neue Zielgruppe für ihren Hass und ihre "Rassengedanken", Menschen mit Behinderung. Nicht nur, dass sie die meisten von uns als Produkte der Inzucht darstellen (ich muss diesbezüglich unbedingt Ahnenforschung machen, es kann ja sein, dass ich demnächst einen inzuchtfreien Ariernachweis vorlegen muss), sondern sie stellt die Frage nach der Lebensberechtigung von Menschen mit Behinderung. Nicht anders ist diese Anfrage zu bewerten. Das Motto, woher kommen die ganzen Behinderten und die werden immer mehr, ist nicht anders zu verstehen, als da müssen wir etwas machen… Dies steht im Gegensatz zu dem Gedanken der Inklusion, also der Vielfalt. Es fehlt noch die Frage, wieviel die Menschen mit Behinderung der Gesellschaft kosten, und ob wir uns das noch leisten können. Die Verknüpfung „unwerten Lebens“ mit der Migrationsfrage ist nationalsozialistisches Gedankengut.

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