Wenig Lohn für gute Arbeit

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

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Bild: omp

Berlin (kobinet) In den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen wird gute Arbeit geleistet. Dafür gibt es jedoch geringen Lohn. Einen Überblick dazu liefert die aktuelles Ausgabe der "Berliner Behindertenzeitung".

Demnach gibt es in Deutschland rund 700 dieser Werkstätten an mehr als 2.700 Standorten in denen ungefähr 300.000 Menschen mit Behinderungen tätig sind. Ihrer Arbeitsfelder sind sehr verschieden und beginnen bei einfachen Arbeiten wie dem Fertigen von Pralinen oder dem Verpacken von Tee. Die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen sind zwar keine Unternehmen im eigentlichen Sinn sondern Einrichtungen zur Rehabilitation - faktisch leisten sie jedoch das gleiche wie Unternehmen, und das nicht nur in Manufakturen. Viele Arbeitsaufträge sind Auftragsarbeiten zur Fertigung, Konfektionierung, Vertrieb und Dienstleistung - und das auch für Unternehmen für Medizintechnik-Giganten oder Herstellern von Autokühlern. 

Und diese Arbeit wird sehr gut erledigt. Das bestätigt, zum Beispiel Oliver Pick, der Leiter eine Werkstatt im hessischen Baunatal, der mit den Worten: "Dei Fehlerquote bei uns beträgt Null Prozent, das heißt, wir machen alles richtig", von der "Berliner Behindertenzeitung" zitiert wird.

Alles bestens ? - bleibt ein Kritikpunkt: Die geringe Bezahlung ! Das bestätigte der Zeitung zufolge auch Franz Wolfmayer, von der "Europäischen Vereinigung von Dienstleistern für behinderte Menschen" (EASPD). Daher wird gefordert, das System umzustellen. Werkstattmitarbeiter sollten dann einen Arbeitsvertrag erhalten und nahc Tariflohn entlohnt werden. 

Lesermeinungen zu “Wenig Lohn für gute Arbeit” (21)

Von Gisela Maubach

@ Raimund

Sie fragen, ob ich als Mensch mit Behinderung in einer WfbM arbeite bzw. welche Funktion ich habe.

Nein, ich bin kein Mensch mit Behinderung.
Aber ich habe einen 31-jährigen Sohn, der aufgrund schwerster Hirnschädigung geistig so schwer behindert ist, dass er über keinerlei Sprachverständnis verfügt, die Sinnhaftigkeit seines eigenen Handelns nicht verstehen kann (weshalb er auch Windeln trägt) und der gleichzeitig unter Epilepsie leidet.
Obwohl er nicht die geringste wirtschaftlich verwertbare Arbeitsleistung erbringen kann, wurde mein Sohn mehrere Jahre in der "Fördergruppe" einer WfbM betreut.
Er hat einen enormen Bewegungsdrang, musste seine Tage dort aber mit anderen geistig schwerstbehinderten Menschen innerhalb eines Raumes verbringen.

Im Mitteilungsheft hat das Betreuungspersonal mir z.B. geschrieben: "Er zeigt sich schnell agressiv u. schlägt ohne Vorwarnung direkt zu."
Derartige Nachrichten erreichten mich ständig auch mündlich.

Trotz seines hohen Bewegungsdrangs wurde mein Sohn von der WfbM einer Gruppe für "Ältere mit erhöhtem Ruhebedarf" zugeordnet, obwohl ich wiederholt erklärt hatte, dass dies nicht seinem Bedarf entspricht und dass ich mit dieser Zuordnung nicht einverstanden war.
Die WfbM blieb jedoch bei dieser Zuordnung, so dass ich im Sommer 2016 die Entscheidung traf, meinen Sohn aus der Werkstatt zu nehmen. Nun decke ich als seine gesetzliche Betreuerin seinen individuellen Bedarf in Form eines Persönlichen Budgets im Arbeitgebermodell.

Heute ist mein Sohn ein lebensfroher Mensch, da er seinen Bewegungsdrang täglich ausleben darf.

Während er in der Werkstatt betreut und gepflegt wurde, erhielt auch er einen "Lohn" (für den die leistungsfähigen Mitarbeiter der WfbM mitarbeiten müssen) in Höhe von etwa 100 €.
Bei einem Mindestlohn in der WfbM würden also auch Menschen wie mein Sohn 450 € "Lohn" in einer WfbM erhalten, obwohl sie keinerlei Arbeitsleistung erbringen.

Das WfbM-System (!) muss geändert werden - und zwar gründlich!

Von kirsti

Man sollte – das ist meine Meinung – in Gesamtzusammenhängen denken, und in diesem Gesamtzusammenhang gehört das System der WfbM wie alle übrigen Sondereinrichtungen unabdingbar auf den politischen und grundgesetzlichen Prüfstand. Unabhängig davon ist zunächst – vor einer grundgesetzkonformen Lösung (GG Art 3, Absatz 3, Satz 2) – der Mindestlohn in der Werkstatt für Behinderte ein Minimalkonsens, auf den man sich problemlos einigen kann, ob mit Grundsicherung oder der nicht gerade arbeitnehmerfreundlichen vollen oder Teilerwerbsminderungsrente.

Von Raimund

@Gisela Maubach

Ein Mindestlohn von Netto 450 € pro Monat für Uns (!) Beschäftigte (!) je Beschäftigte Person als Werkstattlohn für Menschen mit Behinderungen, die in Werkstätten für Behinderte Menschen arbeiten und nach derzeitiger gesetzlicher Rechtslage nicht als Arbeitnehmer, sondern als Beschäftigte mit Arbeitnehmerähnlichem Tätigkeitsverhältnis gelten, sollte unabhängig von der Art und Weise der Zahlungen der Ämter, wie für EU-Rente, oder EM-Rente, oder Grundsicherung ohne jeglichen Abzug der genannten Zahlungen erfolgen!

Die EU-Rente wurde als EM-Rente durch die rot/grüne Koalitionsregierung unter Kanzler Schröder gesetzlich geändert.

Arbeiten Sie, Frau Maubach als Mensch m. Behinderung in eine WfbM?
Darf ich fragen, welche Funktion (Stellenposition) Sie haben?

Wer eine Grundsicherung oder EM-Rente bezieht kann sicherlich eine ähnliche Petition schreiben.

Es gibt doch ganz allgemein 450 €-Jobs.
Ich kam deshalb auf die Idee, dass man eine Tätigkeit in einer WfbM sicherlich auch wie einen 450 €-Job behandeln könnte.

Es müsste vor allem seitens der Politik und der Betreiber der WfbM der Wille zu Änderungen da sein.

Auch Menschen ohne Behinderung können meine Petition unterschreiben. Wer mag, lt. Anweisungen auch Anonym.

Von Raimund

@Gisela Maubach

Ein Mindestlohn von Netto 450 € pro Monat für Uns (!) Beschäftigte (!) je Beschäftigte Person als Werkstattlohn für Menschen mit Behinderungen, die in Werkstätten für Behinderte Menschen arbeiten und nach derzeitiger gesetzlicher Rechtslage nicht als Arbeitnehmer, sondern als Beschäftigte mit Arbeitnehmerähnlichem Tätigkeitsverhältnis gelten, sollte unabhängig von der Art und Weise der Zahlungen der Ämter, wie für EU-Rente, oder EM-Rente, oder Grundsicherung ohne jeglichen Abzug der genannten Zahlungen erfolgen!

Die EU-Rente wurde als EM-Rente durch die rot/grüne Koalitionsregierung unter Kanzler Schröder gesetzlich geändert.

Arbeiten Sie, Frau Maubach als Mensch m. Behinderung in eine WfbM?
Darf ich fragen, welche Funktion (Stellenposition) Sie haben?

Wer eine Grundsicherung oder EM-Rente bezieht kann sicherlich eine ähnliche Petition schreiben.

Es gibt doch ganz allgemein 450 €-Jobs.
Ich kam deshalb auf die Idee, dass man eine Tätigkeit in einer WfbM sicherlich auch wie einen 450 €-Job behandeln könnte.

Es müsste vor allem seitens der Politik und der Betreiber der WfbM der Wille zu Änderungen da sein.

Auch Menschen ohne Behinderung können meine Petition unterschreiben. Wer mag, lt. Anweisungen auch Anonym.

Von kirsti

In diesem Zusammenhang auch aufschlussreich: das Interview von kobinet mit RA Dr. Sabine Wendt, unter
https://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/34117/In-Werkst%C3%A4tten-bleibt-im-Wesentlichen-alles-beim-Alten.
Sorge machen die großspurigen Sätze der BA im Zusammenwirken mit den WfbM: „Wer behindert ist, bestimmen wir.“; ebenso die wirtschaftliche Ausrichtung durch finanzielle Ausbeutung, Rücklagen und Ressourcen. – Die Werkstätten für Behinderte agieren wie zu Zeiten eines Charles Dickens und erinnern fatal an die Geschichte des Oliver Twist am Beginn der Industrialisierung.

Von Gisela Maubach

Ich werde diese Petition nicht unterzeichnen - und zwar aus folgendem Grund:

In der Petition steht:

"Zusammen mit einer Erwerbsunfähigkeitsrente käme jeder Behinderte somit auf ca. 1.100,00 Euro Netto".

Es wäre damit also nur Menschen geholfen, die Anspruch auf eine Erwerbsunfähigkeitsrente haben. Auch die Forderung nach 450 € richtet sich offensichtlich nach der Erwerbsunfähigkeitsrente, denn bei einem monatlichen Einkommen von bis zu (!) 450 Euro wird die Erwerbsunfähigkeitsrente in voller Höhe weitergezahlt.

Voraussetzung für die Erwerbsunfähigkeitsrente (die korrekt Erwerbsminderungsrente heißt) ist allerdings eine verminderte Leistungsfähigkeit, die für eine normale Erwerbstätigkeit nicht mehr ausreichen würde.
Der Übergang auf den ersten Arbeitsmarkt wäre damit also nicht mehr möglich.

Für diejenigen, die für gute Arbeit leistungsgerechten Lohn haben möchten, wäre es wohl insgesamt eher kontraproduktiv, wenn diese Forderung nur auf der Basis einer offiziellen Leistungsunfähigkeit den Weg aus der Grundsicherung ermöglichen könnte.

Aufgrund der Notwendigkeit einer Systemänderung wiederhole ich hier nochmal den unten aufgeführten Link mit zwei entscheidenden Zitaten:

https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2016/das-neue-verkaufen/werkstattbericht

Zitat:

"Die Werkstatt ist zu einem Arbeitsmarktinstrument geworden. Die bisherige Politik führt zu einer erhöhten Nachfrage von Plätzen."

Und:

"Die Werkstatt braucht genügend belastbare Arbeitskräfte, um ihre Aufträge zu bewältigen und neue Investitionen zu ermöglichen oder zu rechtfertigen."

Von rgr

@Raimund schrieb:

"Damit meine Onlinepetition an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages geleitet werden kann, brauche ich wohl mehrere 10.000sende Unterschriften."

Soweit mir bekannt ist kennt der Petitionsausschuss keine Mindestanzahl von Unterzeichnern. Meines Erachtens nach könntest Du die Petition so einreichen wie sie sich bis dato entwickelt hat.

An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an Dich für Deine Artikel die Du verlinkt hast. Blasting News war mir bisher nicht bekannt. Berichte von Betroffenen aus Behinderten Werkstätten sind für Öffentlichkeitsarbeit wichtig. Es sind die Details Deines Alltags in der Werkstatt die als Steine des Anstoßes Wirkung entfalten.

Ansonsten träume ich immer noch von Befreiungsaktionen aus Sonderwelten. Komisch ist dabei, das in mir Bilder vom Exodus - also den Auszug der Israeliten aus Ägypten - auftauchen. Alles muss beim Exodus schnell gehen: Sieben Sachen packen, ungesäuertes Brot backen, das Rote Meer teilen, tschüss Pharao und dann ab durch die Mitte ins gelobte Land.

Und das mir als Atheist?! Wohl eher meine Liebe zu starken Bildern, von denen die Bibel einige zu bieten hat.

Meint,
der Götz

Von kirsti

Dank an Gisela Maubach über den außerordentlich aufschlussreichen Link zum Geschäftsgebaren der „Sozialeinrichtungen“ der WfbM u.a. sowie für die Erfahrungsberichte von „Raimund“. Sie sind nahezu deckungsgleich. Es fragt sich angesichts dieser desolaten „un“- oder sollte man besser sagen - „a-sozialen“ Verhältnisse, wann dieses System in sich zusammenbricht. Andererseits sind sie – gefördert und gedeckt – durch das Zusammenwirken der Kräfte Staat, Politik und Kirche – äußerst krisensicher, zumal die politischen Verhältnisse keinerlei Bestrebungen zur Änderung zeigen. Daher wundert man sich wohl eher darüber, warum die Werkstätten für Behinderte nicht schon längst mit ihren erwirtschafteten Gewinnen an den Börsen notiert sind.

Von Gisela Maubach

Hier findet man einen Beitrag, der so ziemlich alles erklärt:

https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2016/das-neue-verkaufen/werkstattbericht

Zitat:

"Die Werkstatt ist zu einem Arbeitsmarktinstrument geworden. Die bisherige Politik führt zu einer erhöhten Nachfrage von Plätzen."

Und:

"Die Werkstatt braucht genügend belastbare Arbeitskräfte, um ihre Aufträge zu bewältigen und neue Investitionen zu ermöglichen oder zu rechtfertigen."

Von kirsti

„Behinderte Menschen können für ihre Arbeit in einer Werkstatt für Behinderte nicht den gesetzlichen Mindestlohn beanspruchen. Denn diesen können nur Arbeitnehmer, nicht aber arbeitnehmerähnliche Beschäftigte verlangen, entschied das Arbeitsgericht Kiel in einem aktuell veröffentlichten Urteil vom 19. Juni 2015“ (Aktenzeichen: 2 Ca 165 a/15).

Aus diesem Urteil ergeben sich folgende Fragestellungen, die endlich auf politischer Ebene zu beantworten sind:
1. Welchen Sinn haben Werkstätten für Behinderte, indem sie Menschen mit Behinderung diskriminierend statt „Arbeitnehmer“ in „arbeitnehmerähnliche Beschäftigte“ umtaufen?
2. Unabhängig von der Terminologie „ Arbeitnehmer“ und „arbeiternehmerähnlich“, die ein jeder „normaler“ Arbeitnehmer schon längst juristisch angegriffen hätte, stellt sich die Frage, wo liegt der Unterschied zwischen „Arbeitnehmer“ und „arbeitsnehmerähnlich Beschäftigter“? Und
3. Ist diese Diskriminierung mit der UN-BRK vereinbar?

Von Raimund

In einer WfbM arbeite ich in einem geschützten Rahmen, ohne Zeit und Leistungsdruck. Wie kann man als Arbeitnehmer, selbst wenn man keinerlei Behinderungen hätte, 45 Jahre lang, Zeit-/Leistungsdruck, Hektik und eventuell auch Schikanen am Arbeitsplatz überhaupt noch gesundheitlich einigermaßen verkraften?

Der Link zu meiner Onlinepetition lautet:

450 € Mindestlohn für Behinderte in Behindertenwerkstätten
https://www.petitionen24.com/450__mindestlohn_fur_behinderte_in_behindertenwerkstatten



Als seit dem 07.02.2017 nebenberuflich tätig freier Reporter und Journalist für das Medienonlineportal Blasting News, habe ich derzeit 7 Artikel geschrieben.

In meinem 2. Artikel habe ich auch das geschildert, was ich nach eigenem Erlebnis in einer WfbM als eher negativ bis zweifelhaft empfunden habe.

Der Link zu meinem 2. Artikel lautet:

Arbeitsplatzsituation für Behinderte in Behinderenwerkstätten Teil 2
https://de.blastingnews.com/politik/2017/03/arbeitsplatzsituation-fur-behinderte-in-behinderenwerkstatten-teil-2-001527569.html
Arbeitsplatzsituation und Einrichtung in Behindertenwerkstätten vor Ort anhand persönlich erlebter Ereignisse.
https://de.blastingnews.com/meinung/2017/02/arbeitsplatzsituation-fur-menschen-mit-behinderungen-in-behindertenwerkstatten-001462217.html



Wird es einmal gerechtere Verhältnisse, bzw. gesetzliche Regelungen für Menschen mit Behinderungen geben?

(Ende 3. und letzter Teil)

Von Raimund


Ich kenne viele Kolleginnen und Kollegen, die zuvor in Firmen und Behörden auf dem ersten Arbeitsmarkt gearbeitet haben und dann nicht unbedingt wegen Ihrer oder einer Behinderung in eine Werkstatt für behinderte Menschen kamen, sondern oft auch wegen einer depressiven Erkrankung.

Oft ist Arbeit alleine für sich gesehen nicht immer oder eher selten ein Problem, sondern das Umfeld der Arbeit, wie z. B. :

1. Konflikte mit Kollegen und Kolleginnen (Mobbing)
2. Konflikte mit Vorgesetzten (Bossing)
3. Hoher Zeit-/Leistungsdruck

Wieviele Menschen mit Behinderungen, oder gar ohne Behinderungen sind allein, in erster Linie durch Depressionen, ausgelöst zum Beispiel durch Mobbing/Bossing zuzüglich vielleicht privater Erlebnisse und damit verbundenen Belastungen, pro Jahr in eine WfbM gelandet, obwohl diese locker auch in einer Werkstatt oder Behörde des ersten Arbeitsmarktes hätten arbeiten können?

Wie finanzieren sich alle WfbM?

Wie kann sichergestellt werden, dass 70% der Einnahmen (nicht des Gewinns!), an Alle Werkstattbeschäftigten, gemäß gesetzlicher Regelungen, verteilt werden?

Wer kann dieses prüfen?

Warum hat die Gewerkschaft Ver.di derzeit, jedenfalls nach meiner Wahrnehmung, so gut wie keinerlei Einfluss auf die Auszahlung der Höhe der Werkstattlöhne und der Gestaltung der Arbeitsplätze in den Werkstätten für Behinderte Menschen?

Für meine Onlinepetition "450 € Mindestlohn für Behinderte in Behindertenwerkstätten", habe ich derzeit in knapp 3 Jahren gerade einmal 200 Unterschriften sammeln können.

Damit meine Onlinepetition an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages geleitet werden kann, brauche ich wohl mehrere 10.000sende Unterschriften.

Von Raimund


Gerade zu diesem Punkt - - - - wenig Lohn für gute Arbeit - - - - möchte ich anmerken, dass es in Werkstätten für Behinderte Menschen vielfältige Arbeitsbereiche gibt, wie z. B.

1. Elektromontage-/Verpackungsarbeiten,
2. Gastronomie/Großküche
3. Hauswirtschaft/Catering-Service
4. Gärtnerei/Landwirtschaft
5. Metallbereich
6. Grafikdesign/Weblayout
7. Produktwerbung/Digitaldruck
8. Verwaltungsgruppe/Empfangsbereich
9. Näherei/Schusterei/Tischlerei
10. Copyshop/Holzwerkstatt
11. Besen- und Bürstenherstellung

Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob ich alle Arbeitsbereiche, die es in allen Werkstätten für Menschen mit Behinderungen gibt, oder geben kann, hier aufgezählt habe, aber die Arbeitsabläufe in den jeweiligen Arbeitsbereichen dürften absolut identisch mit Arbeitsabläufen in den jeweiligen Arbeitsbereichen für Menschen in Unternehmen und Behörden auf dem ersten Arbeitsmarkt sein, abgesehen vom Zeitdruck und der Höhe der Entlohnung.

Ein Mindestwerkstattlohn in Höhe von 450 € Netto, o-h-n-e Abzüge von der Grundsicherung, oder der (E)rwerbs(u)nfähigkeits-Rente oder der (E)rwerbs(m)inderungs-Rente, würde mit Sicherheit keinen einzigen Betreiber einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfBM) finanziell überfordern, sondern wäre ein wichtiger erster Schritt zu mehr Einkommensgerechtigkeit für Menschen mit Behinderungen, die in einer WfBM arbeiten.

Wenn es die große Koakition (CDU/CSU+SPD) mit der Inklusion, beschrieben als Teilhabe Behinderter am Leben Nichtbehinderter ernst meint, dann sollte berücksichtigt werden, dass ein Monatsgesamteinkommen für z. B. Alleinstehende Menschen mit Behinderungen, die in einer WfbM ab 1.100 €, oder 1.200 € bis vielleicht 1.500 € netto notwendig sind, um besser selbstständig und selbstbestimmt leben zu können.

(-Ende Teil 1)

Von rgr

Da hat kirsti etwas auf den Punkt gebracht, was ich nur unterstützen kann. Sonderwelten für Behinderte, wie es die Werkstätten für behinderte Menschen nun mal sind, verletzen den Gleichheitsgrundsatz und sind abzuschaffen. Alle Kräfte, die auf Restauration dieser Sonderwelten hinarbeiten oder den Prozess der Abschaffung auf einen unbestimmten Zeitpunkt in der Zukunft vertagen möchten, arbeiten dem Ziel entgegen. Soweit sind die Fronten klar abgesteckt.

Gleichwohl hat Raimund recht, wenn er für den Übergang eine Erhöhung des Entgeltes auf 450€ fordert. Ich werde seine Petition deshalb noch heute unterzeichnen.

Für die weitere Zukunft sollten wir auf Befreiungsaktionen der Kamerad(innen) hinarbeiten, die in Sonderwelten ihr Dasein fristen müssen. Ich glaube an die Möglichkeit und das Gelingen solcher Befreiungsaktionen.

Und die zu Befreienden müssen freilich ihren Anteil dazu liefern. Raimund hat mit seiner Beschreibung der kleinkarierten Geschäftsführer und des kleinkarierten Alltags schon einen Schritt in diese Richtung getan. Ich wünsche Raimund viel Kraft bei seiner publizistischen Tätigkeit und würde mich freuen, wenn ich auf kobinet bald schon mehr über Werkstätten für Behinderte von ihm lesen könnte.

Von kirsti

Solange Behinderten – jeder Art und/oder Schwere –„Teilhabe am Arbeitsleben“ in niederträchtiger Absicht, Diskriminierung und Kulissenschieberei alleine in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) oder in Berufsbildungswerken angeboten wird, liegt ein Verstoß gegen Artikel 12 GG vor, der durch das unwürdige Gesetz BTHG für die Zukunft geheilt zu sein scheint… Dieses BTHG in seiner Gesamtschau als verfassungswidrig und mit der UN- BRK unvereinbar darzustellen, wird die Zukunftsarbeit einer wahren Behindertenlobby sein.

Von Gisela Maubach

@ Raimund

Sie schreiben in Ihrer Petition:

"Zusammen mit einer Erwerbsunfähigkeitsrente käme jeder Behinderte somit auf ca. 1.100,00 Euro Netto".

Da die Mehrheit der Betroffenen in den Werkstätten aber gar keine Erwerbsunfähigkeitsrente erhält, würden die auch bei 450 € Lohn weiterhin auf Grundsicherung angewiesen sein.

Um eine leistungsgerechte Bezahlung zu erreichen, müsste das gesamte Werkstatt-System umgekrempelt werden.
Wie ich hier ganz unten schon erwähnt habe, fordern die Fachverbände ja sogar, dass auch diejenigen als "Mitarbeiter" in den Werkstätten aufgenommen werden, die keinerlei wirtschaftlich verwertbare Arbeitsleistung erbringen können.

Für die leistungsstarken Mitarbeiter der Werkstätten würde das wahrscheinlich sogar zu Lohnkürzungen führen, weil der Gesamtlohn auf alle (!) Mitarbeiter zu verteilen ist und die Starken ihren Lohn mit den Schwachen teilen müssen.
Und je mehr die Werkstätten zum Sammelbecken der Schwächeren werden, desto geringer wird der Lohn auch für die Stärkeren.

Das derzeitige Werkstatt-System lässt den geforderten Mindestlohn gar nicht zu.
Das Problem ist das gesamte Werkstatt-Sondereinrichtungs-System, denn das hat in seiner Gänze nichts mit Gerechtigkeit und Selbstbestimmung zu tun - auch wenn das von den Trägern (Lebenshilfe, Caritas etc.) aufgrund ihres Interessenkonflikts regelmäßig schöngeredet wird.

@ rgr

Die Rentenbeiträge sind übrigens das geringste Problem.
Für die Berechnung der Rente wird bei den Werkstattmitarbeitern ein wesentlich höheres "Pseudobrutto" zugrunde gelegt als tatsächlich gezahlt, so dass die "Fitten" damit später evtl. sogar ohne Grundsicherung leben können. Für diejenigen, die bis zum Lebensende Hilfe benötigen, wird die Rente dann in vollem Umfang angerechnet, so dass sich das für den Sozialhilfeträger sogar noch "auszahlt".

Von rgr

@Raimund

Für die gleiche Arbeit, nämlich Kabelbäume konfektionieren, bringt ein ungelernter Arbeiter bei VW rund 2.800€ netto bei Steuerklasse 1 nach Hause. Die Forderung von 450€ liegt deutlich zu niedrig. Insbesondere wenn ich an die aus den Rentenbeiträgen resultierende Altersversorgung denke.

Du willst doch nicht im Alter Flaschen sammeln gehen!

Von Raimund

Meine Onlinepetition "450 € Mindestlohn für Behinderte in Behindertenwerkstätten" will ich hier gerne per Linkhinweia veröffentlichen.

Der Link lautet:

https://www.petitionen24.com/450__mindestlohn_fur_behinderte_in_behindertenwerkstatten

Diesen haben ich in einige Facebookgruppen, die insbesondere Themen für Menschen mit Behinderungen schwerpunktmäßif thematisieren, veröffentlicht oder auch per Email an einige meiner Kontakte weitergeleitet.

Derzeit habe ich 200 Unterschriften sammeln können.

Im Forum der Internetseite www.wfbm.info stehen viele interessante Themen zwecks Austausch für Menschen mit Behinderungen, die in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten, bereit.

Mein 2. Artikel als nebenberufl. freier Reporter und Journalist geschrieben, beleuchtet auch negative Erlebnisse in einer WfbM.

Ganz Allgemein: "Wenn gespart werden soll oder muss, dann oft bei Menschen mit Behinderungen die in Werkstätten für Behinderte Menschen arbeiten."

Welche Arbeitnehmer auf dem ersten Arbeitsmarkt würden klaglos Kürzungen hinnehmen, solange die Existenz einer Firma nicht bedroht ist?


https://de.blastingnews.com/politik/2017/03/arbeitsplatzsituation-fur-behinderte-in-behinderenwerkstatten-teil-2-001527569.html


Von kirsti

Sehr geehrter Herr Raimund B. [vollständiger Name im angegeben Link],

Ihr Bericht über die Werkstätten für Behinderte ist unglaublich! Was sind das für Einrichtungen, die zum einen hochqualifizierte Menschen beschäftigen und auf 185€- Basis ausbeuten und andererseits Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf verkümmern lassen!

Ich war bis dato erschüttert über die gesellschaftliche und politische Ignoranz, mit der man Menschen mit Behinderung quasi am ausgestreckten Arm seelisch verhungern lässt, nach Ihrem Bericht bin ich fassungslos!

Es wird für mich immer deutlicher, dass das Merkmal „Behinderung“ alleine eine Rechtfertigung für die Herrschenden darstellt, um mit Menschen, die diesen „Makel“ als Kains-Mal quasi mit sich herumtragen, in Gutsherrenart nach Herzenslust und -laune zu verfahren!

Sehr geehrter Herr B., machen Sie Ihre Petition für gerechte Entlohnung in den WfbM öffentlich. Sie ist viel zu wenig bekannt. Es muss deutlich werden, dass Sonderwelten jeglicher Couleur nicht in unser Weltbild passen! Sonderwelten sind stets unmenschlich.

Freundliche Grüße

Von Raimund

Seit Anfang März 2001 arbeite ich in einer Werkstatt für behinderte Menschen. Zunächst war ich dort bis zum 05.10.2014 im Bereich der Elektromontage / Verpackung tätig. Das Löten mit bleifreien Lötzinn war dabei nicht immer einfach. Auch bei der Benutzung von Sekundenkleber, mit dem z. B. Stumpfschrauben in einem breiten Metallgehäuse als Steckerverbindung für mehrere Meter lange Kabel, als eine Art Klemmhalterung fixiert werden mussten, war durchaus herausfordernd.

Am 06.10.2014 wechselte ich in eine andere WfbM. Dort bin ich im Bereich Grafikdesign / Weblayout und Digitaldruck tätig. Durch teilnahme an Schulungen kann ich mich entsprechend weiterqualifizieren.

Im Rahmen eines Weblayouts schreibe ich mit Hilfe der Gesetzesbücher "ZPO" und "BGB", sowie der Unterstützung von Co-Autoren mein Wikibook "Onlinebuch" mit dem Titel "Musterentwürfe zum gerichtlichen Mahnverfahren.

Die Arbeitsaufgaben in den WfbM sind gut, interessant und abwechslungsreich und unterscheiden sich, bis auf die Bezahlung, kaum von Arbeitsaufgaben in Werkstätten auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Wieviel Monatsgesamt-Nettoeinkommen braucht man als alleinstehender erwachsener Mensch, mit Behinderung, der in einer WfbM arbeitet, um ein eigenständiges Leben im Rahmen einer Inklusion führen zu können - 1.100 €, 1.200 €, oder 1.500 €?

Seit dem 07.02.2017 bin ich nebenberuflich als freier Reporter und Journalist für ein Medienonlineportal tätig.

Ausführlicheres habe ich daher lt. Link in folgendem Artikel geschrieben:

https://de.blastingnews.com/meinung/2017/02/arbeitsplatzsituation-fur-menschen-mit-behinderungen-in-behindertenwerkstatten-001462217.html

Die Güte und Qualität der Arbeitsergebnisse in den WfbM kann sich durchaus mit Arbeiten in Werkstätten auf dem 1. Arbeitsmarkt messen lassen.

Größtenteils, durch die hohe Anzahl von Kundenaufträgen, können Werkstätten für Behinderte Menschen expandieren, insbesondere, bei durchschnittlichen Werkstattlöhnen von 185 € netto pro Monat pro Beschäftigte!

Von Gisela Maubach

Zitat aus dem Beitrag:

"Daher wird gefordert, das System umzustellen. Werkstattmitarbeiter sollten dann einen Arbeitsvertrag erhalten und nahc Tariflohn entlohnt werden."

Zitat-Ende

Diese Forderung passt dann aber gar nicht mit der Forderung der Fachverbände zusammen, die unter Punkt 3 fordern, das Mindestmaß wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung abzuschaffen, so dass auch arbeitsunfähige Menschen mit hohem Betreuungsbedarf "Mitarbeiter" in Werkstätten würden, obwohl sie sich an der Produktion gar nicht beteiligen könnten:

http://www.diefachverbaende.de/files/stellungnahmen/2017-10-18_Forderungen-der-Fachverbaende-fuer-die-19-Legislaturperiode-final_END.pdf

Letztendlich können die Vorgaben der UN-BRK und des Grundgesetzes ohnehin nur dann eingehalten werden, wenn eine individuelle, personenzentrierte Bedarfsfeststellung erfolgt - und keine vorrangige Tagesstruktur in der Sondereinrichtung Werkstatt.

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