Höchste Zeit, Leid und Unrecht beim Namen zu nennen

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: ht

München (kobinet) Die Präsidentin des bayerischen Landtags Barbara Stamm, Bayerns Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger und VertreterInnen der Kirchen und der Gesellschaft begrüßten am Freitag im Maximilianeum in München über 100 Betroffene, die als Kinder oder Jugendliche in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Psychiatrie Leid und Unrecht erfahren haben. Die Stiftung Anerkennung und Hilfe will damit erreichen, dass über die Zeit von 1949 bis 1975 gesprochen und anschaulich von den Betroffenen selbst geschildert wird, wie sie unter physischer, psychischer oder sexualisierter Gewalt gelitten haben.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm betonte: "Nicht über erlittenes Unrecht sprechen zu dürfen, nicht ernst genommen zu werden mit traumatischen Erfahrungen – das verletzt noch einmal zutiefst. Deshalb ist es ganz entscheidend, dass dieses Leid jetzt den Weg in die Öffentlichkeit findet und dafür ist der Bayerische Landtag ein guter Ort. Wir wollen das, was damals geschehen ist, gemeinsam thematisieren, den Erinnerungen Raum und vor allen Dingen auch Zeit geben. Ich weiß, dass das für die Betroffenen nicht leicht ist. Umso dankbarer bin ich allen, die heute hier sind und über ihre Erfahrungen sprechen, sie mit uns zu teilen versuchen."

Sozialstaatssekretär Hintersberger zeigte sich vor allem von den persönlichen Begegnungen mit den betroffenen Menschen zutiefst beeindruckt: "Keiner der Betroffenen darf das Gefühl haben, er sei allein. Wir wollen über das Leid und Unrecht, das geschehen ist, offen reden. Dabei hilft die bayerische Anlauf- und Beratungsstelle der Stiftung. Denn sie unterstützt die Menschen bei der Aufarbeitung ihrer schlimmen Erfahrungen. Wir können das Leid nicht ungeschehen machen, aber wir können es öffentlich machen, anerkennen und Hilfe anbieten."

Die Veranstaltung, die am Freitag, den 16. März stattfand, soll dazu beitragen, die Angebote der Stiftung Anerkennung und Hilfe noch bekannter zu machen, noch mehr Betroffene zu erreichen und sie zu ermutigen, sich zu melden. Die Stiftung bietet seit Anfang 2017 den betroffenen Menschen Beratung und auch finanzielle Anerkennungsleistungen. Bis jetzt haben 160 Beratungsgespräche stattgefunden, 150 Betroffene haben Anerkennungs- und Unterstützungsleistungen in Höhe von insgesamt 1,5 Millionen Euro erhalten. Betroffene erhalten 9.000 Euro und zusätzlich Rentenersatzleistungen, wenn sie als Jugendliche ohne Lohn arbeiten mussten.

Martin Hackl, der sich in den letzten Jahren aus einer großen Einrichtung zu einem Leben in einer kleinen Wohngruppe im Herzen von Bad Kissingen gekämpft hat, war einer der ersten behinderten Menschen in Bayern, die über die Stiftung Anerkennung und Hilfe Geld für das ihm entstandene Unrecht und Leid in Behinderteneinrichtungen erhalten hat. Die Aufarbeitung dieser Zeit war für Martin Hackl und seine UnterstützerInnen zwar nicht leicht, aber auch dadurch hat er ein kleines Stück Gerechtigkeit erfahren, heißt es in einem Bericht der kobinet-nachrichten vom 14. November 2017.

Lesermeinungen zu “Höchste Zeit, Leid und Unrecht beim Namen zu nennen” (1)

Von Dr. Theben

So richtig und wichtig diese Stiftung auch ist: Nach 1975 war sicherlich nicht alles zum Besten in den Einrichtungen. Außerdem spricht man "nur" über die Anerkennung der Opfer, nicht aber über mögliche (strafrechtliche oder zivilrechtliche) Verantwortung der einzenen Täter ...Warum wohl...?

Grüße

DR. Theben

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