„Ich will nicht abgetrieben werden, sondern auf der Welt bleiben!“

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: ht

Berlin/Köln (kobinet) "Ich will nicht abgetrieben werden, sondern auf der Welt bleiben!" Das sagte live im Fernsehen die 19-jährige Natalie Dedreux aus Köln zu Bundeskanzlerin Angela Merkel und löste damit deutschlandweit einen großen Medienrummel aus. Für ihren beherzten TV-Auftritt ist die junge Frau mit Down-Syndrom in Berlin mit dem Lebenshilfe-Medienpreis BOBBY 2017 geehrt worden. Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, nannte Natalie Dedreux eine "Mutmacherin", die sich für andere Menschen mit Behinderung selbstbewusst einsetze. Mit ihrem positiven Beispiel könne Natalie Dedreux werdenden Eltern die Angst vor dem Leben mit einem behinderten Kind nehmen.

Es war in der ARD-Sendung Wahlarena am 11. September 2017, als die Kölnerin von der Kanzlerin wissen wollte: "Wieso darf man Babys mit Down-Syndrom bis kurz vor der Geburt noch abtreiben?" Am Ende ihrer sehr persönlichen Antwort sagte eine sichtlich bewegte Regierungschefin zu Natalie Dedreux: "Es steckt so viel in jedem, jeder kann etwas beitragen. Danke, dass Sie heute hier sind."

Natalie Dedreux, die Autorin bei "Ohrenkuss" ist – einem Magazin, für das ausschließlich Menschen mit Down-Syndrom schreiben – erhielt viel Beifall vom Publikum im TV-Studio. Anschließend wurde im Internet und in den Sozialen Netzwerken über sie berichtet. Zeitungen, Fernseh- und Radio-Sender machten Interviews mit ihr.

Die BOBBY-Verleihung fand im Rahmen des Parlamentarischen Abends der Bundesvereinigung Lebenshilfe in der Berliner Vertretung des Landes Baden-Württemberg statt. Unter den mehr als 250 Gästen waren Hans-Peter Friedrich, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, die Bundesministerinnen Katarina Barley und die ehemalige Ministerin Barbara Hendricks sowie die Bundesbehindertenbeauftragte Verena Bentele.

Bundeskanzlerin Angela Merkel konnte nicht zur Preisverleihung kommen. Über ihren Kanzleramtsminister Peter Altmaier hatte sie schriftlich ausrichten lassen: "Es ist eine schöne Nachricht, dass Frau Natalie Dedreux mit dem Medienpreis BOBBY während des Parlamentarischen Abends ausgezeichnet werden soll. Die Bundeskanzlerin hat das Gespräch mit Frau Dedreux vom 11. September 2017 in guter Erinnerung und schätzt ihren couragierten Einsatz für Menschen mit Behinderungen."

Nur wenige Tage vor dem Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März nutzte Natalie Dedreux die Auszeichnung, um Politikern erneut ins Gewissen zu reden: "Es ist wichtig, dass es Menschen mit Down-Syndrom gibt, weil wir cool drauf sind. Und deshalb ist auch Inklusion wichtig, wo alle mitmachen dürfen und alle respektiert werden.

Lesermeinungen zu “„Ich will nicht abgetrieben werden, sondern auf der Welt bleiben!“” (2)

Von Dr. Theben

Und wenn Sie es nicht schon ist, würde Sie gerade bei diesem Thema eine prima Inklusionsbotschafterin abgeben...

Grüße von DR. Theben

Von Annika

Ergänzend möchte ich auf das Buch von

Sandra Schulz "Das ganze Kind hat so viele Fehler": Die Geschichte einer Entscheidung aus Liebe

hinweisen!

Die Autorin beschreibt darin eindrucksvoll ihre Schwangerschaft und die damit verbundenen Auseinandersetzungen, da sie eine Tochter mit DS erwartet.
Frau Natalie Dedreux hat sehr deutlich den Zusammenhang zwischen der Möglichkeit zur vorgeburtlichen Diagnose und Abtreibung von Menschen mit DS und der dahinterstehenden gesellschaftlichen Ablehnung gegenüber Menschen mit DS gezeigt.

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