Kommunen auf dem Weg zur Inklusion

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Emoji Inklusion
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Bild: Aktion Mensch e.V.

Köln (kobinet) In Köln führte die Aktion Mensch letzte Woche eine Fachtagung unter dem Motto "Kommunen werden inklusiv" durch, die sich den Chancen und Herausforderungen von Inklusion im kommunalen Sozialraum widmete. Rund 250 ExpertInnen und ReferentInnen aus der Wirtschaft und Wissenschaft, aus den Kommunen und Verbänden tauschten sich u.a. darüber aus, wie sich inklusive Lebensumfelder und bunte Stadtgesellschaften gestalten lassen. Die Aktion Mensch fördert derzeit Inklusionsprozesse in fünf Modellkommunen, die intensiv begleitet werden.

"Wir möchten keine Luftschlösser bauen, sondern realistisch bleiben. Deshalb werfen wir auch einen Blick auf die möglichen Herausforderungen, die es auf dem Weg zur Inklusion zu meistern gilt", sagte Gastgeber Armin v. Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch zum Auftakt der Veranstaltung. In 13 verschiedenen ExpertInnenforen und Workshops wurden Erfahrungen ausgetauscht und Potenziale diskutiert. Ein wichtiges Thema war dabei, wie Teilhabe durch Digitalisierung entstehen kann. Dr. Bastian Pelka, Forschungsrat und Bereichskoordinator an der Sozialforschungsstelle der Technischen Universität Dortmund, sieht die Vorteile der Digitalisierung auf zwei Ebenen: "Einmal in der Teilhabe mit Medien, weil zum Beispiel die Vorlese- oder Vergrößerungsfunktion von Tablets es vielen Menschen erleichtert, Texte wahrzunehmen. Zweitens in der Teilhabe in Medien: Rathäuser werden digital, Bildung und Arbeit sowieso. Das kommt allen Menschen zu Gute, die in der analogen Welt viele Barrieren erfahren."

Ein zukunftsweisendes Beispiel dafür, wie Chancen der Vielfalt auch in der Arbeitswelt Schule machen können, lieferte Dr. Jan Wulf-Schnabel, Geschäftsführer des Instituts für Inklusive Bildung gGmbH. Das Institut sei die weltweit erste an eine Universität angegliederte wissenschaftliche Einrichtung für die Bildungsarbeit von Menschen mit geistiger Behinderung. Als "Experten in eigener Sache" werden sie dazu ausgebildet, Menschen ohne Behinderung ihre Lebenswelten, Bedarfe und Sichtweisen zu vermitteln, zum Beispiel Lehrkräften, Studierenden oder Personalverantwortlichen an Fach- und Hochschulen.

Wie Inklusionsarbeit ganz praktisch vor Ort gestaltet wird, zeigten die Vertreterinnen und Vertreter der Aktion Mensch-Modellinitiative "Kommune Inklusiv" am zweiten Tag der Fachtagung in einer Diskussionsrunde auf. Seit 2017 begleitet die Aktion Mensch die fünf Kommunen Erlangen, Rostock, Schneverdingen, Schwäbisch Gmünd und die Verbandsgemeinde Nieder-Olm auf ihrem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft im Rahmen des Projekts. Auf der Tagung berichteten die teilnehmenden Kommunen von ihren Erfahrungen nach einem Jahr Projektlaufzeit und zeigten anhand ihrer Schwerpunkte auf, wie vielfältig das Thema Inklusion vor Ort ist. "Das Besondere an der Initiative ist, dass wir alle von Anfang an mitnehmen wollen. Über Bürgerforen, Ideenwerkstätten und Zielgruppenbefragungen werden die Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, sich an dem Projekt zu beteiligen und ihren Lebensraum mit zu gestalten", sagte Projektleiterin Carolina Zibell von der Aktion Mensch. Um den Fortschritt des Projekts zu messen, wird es über einen Zeitraum von fünf Jahren wissenschaftlich begleitet. So soll gezeigt werden, was sich vor Ort in der Umsetzung von Inklusion tut. Auch die Tagung "Kommunen werden inklusiv" war ein Teil dieser Modellinitiative.

Auch wenn die Ressourcen der geförderten Projekte begrenzt sind und hauptsächlich eine gute Koordination und Vernetzung gewährleisten können, wurde bei der Tagung deutlich, wie viel sich bewegen lässt, wenn die verschiedenen Akteure und vor allem die Kommunen selbst mit im Boot sind und dieses verantwortlich mitsteuern.