Chance für InklusionsbotschafterInnen

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Susanne Göbel
Susanne Göbel
Bild: Susanne Göbel

Kassel (kobinet) Derzeit gibt es 70 InklusionsbotschafterInnen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen, die sich im Rahmen eines von der Stiftung der Aktion Mensch geförderten und von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) durchgeführten Modellprojektes mit konkreten Projekten für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und die Inklusion stark machen. Am 5. März endet die Bewerbungsfrist für Stipendien für weitere InklusionsbotschafterInnen. Die kobinet-nachrichten sprachen mit Susanne Göbel, die das Projekt koordiniert, über das Wirken der bisherigen Botschafterinnen und die Erwartungen an Bewerbungen neuer InklusionsbotschafterInnen.

kobinet-nachrichten: Was ist das Ziel dieses Modellprojektes für InklusionsbotschafterInnen?

Susanne Göbel: Das Modellprojekt wurde vor allem gestartet, um Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen zu finden und diese dabei zu unterstützen, konkret die Inklusion und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention voran zu treiben. Es soll also nicht nur theoretisch über Inklusion geredet werden, sondern ganz konkrete kleinere und größere Aktivitäten durchgeführt werden, die zeigen, was alles möglich ist und Türen mitten in die Gesellschaft öffnen. Dabei ist uns besonders wichtig, Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen zu unterstützen, sich einzumischen, denn viel zu oft wird das Thema Inklusion ohne oder über die Köpfe von behinderten Menschen hinweg behandelt. Wir wollen also den Slogan "Nichts über uns ohne uns" aufgreifen und behinderte Menschen dabei unterstützen, sich im Sinne der Selbstvertretung einzumischen und etwas zu verändern. 70 solcher InklusionsbotschafterInnen machen schon bei uns mit. Wir hoffen nun, durch die aktuelle Ausschreibung weitere engagierte InklusionsbotschafterInnen zu finden und diese durch unser Projekt unterstützen zu können.

kobinet-nachrichten: Wie sieht die Unterstützung genau aus, die diejenigen bekommen können, die sich erfolgreich um die Mitwirkung im InklusionsbotschafterInnen-Projekt bewerben?

Susanne Göbel: Zum einen können wir noch bis Ende 2019 kleine Stipendien von monatlich 100 Euro vergeben, die den InklusionsbotschafterInnen sozusagen als Aufwandsentschädigung und Anerkennung für ihr Wirken dienen. Darüber hinaus bieten wir den Botschafterinnen die Möglichkeiten zum Austausch mit anderen InklusionsbotschafterInnen und führen Veranstaltungen zur Fortbildung durch und unterstützen bei der Öffentlichkeitsarbeit. Das wichtigste dürfte aber die individuelle Begleitung sein, denn die InklusionsbotschafterInnen müssen sich konkrete Projekte bzw. Aktivitäten vornehmen, die sie vor Ort vorantreiben wollen. Diese münden in einen Aktionsplan des Projektes - und dabei unterstützen und beraten wir die InklusionsbotschafterInnen natürlich. Das Salz in der Suppe ist aber meistens der Austausch der Aktiven untereinander, den wir im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten des Projektes fördern.

kobinet-nachrichten: Was sind für Sie Highlights, die die bisherigen InklusionsbotschafterInnen durchgeführt haben?

Susanne Göbel: Oh, da gibt es viele. Einigen InklusionsbotschafterInnen ist es beispielsweise gelungen, Bücher zu veröffentlichen, bzw. gute Berichte in den Medien über ihr Wirken zu erreichen. Andere sind künstlerisch aktiv und beeindrucken durch Performances oder Auftritte bei Konzerten und Veranstaltungen. Andere haben für sich persönlich einiges angepackt und wirken damit als gute Beispiele für andere. Der Umzug aus dem Heim in die eigene Wohnung, der Wechsel von der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt oder auch das Stellen eines Antrages bei der Stiftung Anerkennung und Hilfe aufgrund des Leids, das sie früher in Behinderteneinrichtungen erleben mussten, sind hierfür nur einige Beispiele. Das Thema Barrierefreiheit spielt natürlich auch immer wieder eine Rolle. Es müssen aber auch gar nicht immer die großen Veränderungen sein, manchmal ist es auch schon toll zu sehen, dass behinderte Menschen selbstbewusster geworden sind und in ihrem Umfeld ganz konkret etwas bewegen.

kobinet-nachrichten: Was muss man tun, um als InklusionsbotschafterIn mitmachen zu können?

Susanne Göbel: Bis Montagabend, 5. März, kann man sich noch bewerben. Am besten, aufgrund der kurzen verbleibenden Zeit, per E-Mail direkt bei mir unter info@susanne-goebel.de. Wichtig ist dabei nicht, besonders viel zu schreiben, denn meist liegt die Würze in der Kürze. Uns interessiert vor allem, was die Bewerberinnen konkret erreichen wollen, also welches Projekt bzw. welche Aktivitäten sie in den nächsten 18 Monaten ganz praktisch umsetzen wollen. Damit die Jury über die Vergabe der Stipendien entscheiden kann, sollten folgende Fragen kurz beantwortet werden: Wer sind Sie? Wo wohnen Sie? Welche Behinderung haben Sie? Wo sind Sie schon im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention aktiv? Was wollen Sie für sich und andere behinderte Menschen erreichen? Welche Projekte wollen Sie als InklusionsbotschafterIn vorantreiben?

kobinet-nachrichten: Ich vermute einmal, die Zahl der Stipendien ist begrenzt.

Susanne Göbel: Ja, leider, denn meistens bekommen wir viel mehr gute Bewerbungen, als wir mit den 20 zur Verfügung stehenden Stipendien annehmen können. Deshalb freuen wir uns auch, wenn es behinderte Menschen gibt, die sich bewerben und einfach gerne mitmachen wollen, auch wenn es mit dem Stipendium nicht klappt.

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.

Link zu weiteren Informationen zum Projekt und zu den Bewerbungsunterlagen

Link zu Berichten über Aktivitäten der bisherigen InklusionsbotschafterInnen

Link zum kobinet-Bericht über die Ausschreibung für neue InklusionsbotschafterInnen vom 1.2.2018