Was ist Inklusion?

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Emoji Inklusion
Emoji Inklusion
Bild: Aktion Mensch e.V.

Bonn (kobinet) "Inklusion – Was ist das eigentlich? Viele Menschen haben den Begriff schon gehört. Aber was genau steckt dahinter? Und was bedeutet Inklusion für jeden von uns persönlich? Dieser Frage geht die Aktion Mensch auf ihrer Internetseite nach, wie es im neuesten Newsletter der Organisation heißt.

"Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch ganz natürlich dazu gehört. Egal wie du aussiehst, welche Sprache du sprichst oder ob du eine Behinderung hast. Jeder kann mitmachen. Zum Beispiel: Kinder mit und ohne Behinderung lernen zusammen in der Schule. Wenn jeder Mensch überall dabei sein kann, am Arbeitsplatz, beim Wohnen oder in der Freizeit: Das ist Inklusion." So heißt es u.a. auf der Internetseite der Aktion Mensch. Dort gibt es auch den Link zum Film "Inklusion in 80 Sekunden" und weitere Informationen in einfacher Sprache.

Link zu weiteren Infos zum Thema "Was ist Inklusion" auf der Seite der Aktion Mensch

Lesermeinungen zu “Was ist Inklusion?” (11)

Von kirsti

Sehr geehrte Frau Maubach,
irgendwie haben Sie Recht, und dann wieder doch nicht. Solange man „Inklusion“ so verwendet, wie man es verwendet, ist es keine Inklusion, sondern Etikettenschwindel. Aber im Prinzip – auch wenn ich da sicher von vielen Seiten Widerspruch ernte -, frage ich mich, wo denn der wesentliche Unterschied zwischen „Integration“ und „Inklusion“ liegt.- Man beschäftigt zig-tausende Wissenschaftler und vor allem Politiker, mit diesen wie Sie schreiben „bunten Bildchen“, um eigentlich nichts Sinnvolles herauszubekommen. Und Werkstattbeschäftigung als „Teilhabe am Arbeitsleben“ zu bezeichnen, ist der größte Schwindel… Das wissen doch eigentlich alle, ohne es einzugestehen. – Werkstätten für Behinderte sollten schrittweise – damit mögen sich die Politiker ehrlich und sinnvoll beschäftigen – abgeschafft werden; ohne dass neue Sonderwelten entstehen. – Vielleicht gelingt dann irgendwann Inklusion für alle!
Herzliche Grüße

Von Gisela Maubach

@ kirsti

"Akzeptiert für diejenigen, die nicht arbeiten können!"

Diese Darstellung von Ihnen bedeutet doch im Umkehrschluss, dass diejenigen, deren Bedarf und der dringende Wunsch Arbeit lautet, ins Arbeitsleben zu integrieren (!) wären.

Da in diesem Bereich keine wirkliche Inklusion erreicht werden kann (weil es immer Menschen geben wird, deren Bedarf nicht Arbeit lautet), sollte man auch korrekt von Integration sprechen, um diejenigen nicht zu vergessen, die ebenfalls mitten in der Gesellschaft leben möchten und für die aufgrund von Vorrangigkeit der Teilhabe am Arbeitsleben nur eine Unterbringung in einer WfbM ermöglicht wird.

Von kirsti

Entschuldigung, wenn ich mich in die Diskussion einmische; aber:

Zitat:
„Und wenn der Bedarf von einigen Menschen nicht Arbeit lautet, wird es auch keinen inklusiven Arbeitsmarkt geben.“ Akzeptiert für diejenigen, die nicht arbeiten können!

Dennoch: Diese Aussage in ihrer Ausschließlichkeit führt in der letztgültigen Konsequenz dazu, dass „Inklusion“ auf allen Gebieten eine Schimäre – ein Hirngespinst – bleiben wird und bleiben muss.
Denn weitergedacht: Wenn der Bedarf und der dringende Wunsch von einigen – auch behinderten - Menschen trotz alledem Arbeit lautet, müssen diese Menschen sich mit Exklusion und nicht geglücktem Leben begnügen. – Genauso wird es keine paraolympischen Spiele geben dürfen, weil es einigen behinderten Menschen niemals gelingen wird, Hochsprung oder Skilaufen – nach ihren Möglichkeiten und mit ihren Hilfsmitteln und Bedarfen zu betreiben.

Dann können wir logischerweise auch „Inklusion“ in Kindergärten und Schulen nicht denken und weiterentwickeln. Ehrlicherweise ist Inklusion auf allen Gebieten – so wie sie zurzeit betrieben wird – nicht die Inklusion, wie wir sie uns vorstellen, sondern es bleibt eher noch ein Wunsch nach Inklusion, aber diesen Wunsch als Möglichkeit zu denken und aus dem Nischendasein der Politik und Akteure zu befreien, kann man niemandem verbieten und verwehren.

Denn es gibt durchaus auch behinderte Menschen, die sich nach einem geglückten und inklusiven Arbeitsleben sehnen.

Von Gisela Maubach

@ JKNMN

Nach Mitternacht auf dem Weg ins Bett schaue ich gerade nochmal hier rein und möchte aus Zeitgründen mich nicht unnötig wiederholen.
Nur soviel:
Für eine Person, die gänzlich arbeitsunfähig ist, lässt sich auch kein Arbeitsplatz "zuschneiden".
Um für diese Menschen Inklusion zu ermöglichen, muss ihr tatsächlicher Bedarf ermittelt werden - der aufgrund ihrer Arbeitsunfähigkeit eben nicht Arbeit lautet.

Und wenn der Bedarf von einigen Menschen nicht Arbeit lautet, wird es auch keinen inklusiven Arbeitsmarkt geben.

Von JKNMN

Sehr geehrte Frau Maubach,

da Sie Lesermeinungen unter Ihrem Namen schreiben, bin ich davon ausgegangen, Sie deshalb auch namentlich ansprechen zu dürfen.Ich selbst schreibe lieber anonym, weil mir dabei wohler ist.
Nehmen Sie mir das übel?

Wir sind uns also einig, dass Inklusion geht, sobald man den individuellen Bedarf (ich hatte geschrieben: SEINE Bedürfnisse) feststellt.
Inklusion bedeutet ungefähr: Dabei-Sein, Mit- eingeschlossen-Sein.
Für mich sind das die Punkte auf die es ankommt:

Man könnte zum Beispiel, um Inklusion für eine Person, die nicht arbeiten kann, möglich zu machen, zunächst ihren Bedarf feststellen. Diese Person würde vielleicht neben einem stark strukturierten Tagesablauf, einem ständigen Begleiter, viel Bewegung, einer bestimmten Nahrung oder Medikamenten, etc., aufgrund ihrer Arbeitsunfähigkeit auch den Verzicht auf Arbeit benötigen (die 0-cm-Schanze), um einen speziell für diese Person zugeschnittenen, inklusiven Arbeitsplatz zu erhalten.
Das würde ich unter Inklusion in der Arbeitswelt verstehen und das wäre theoretisch auch machbar. Aber ein Arbeitsplatz, an dem nicht gearbeitet wird, ist natürlich unsinnig. Zu einer anständigen Bedarfsermittlung gehört meiner Meinung nach auch, unter verschiedenen Möglichkeiten für eine inklusive Teilhabe die am besten geeignete Alternative auswählen zu können.. Deshalb stimme ich Ihnen zu, wenn Sie die Vorrangigkeit von Werkstätten kritisieren und fordern, dass sie abgeschafft wird.

Von Gisela Maubach

@ JKNMN

Sie sprechen mich zwar namentlich an, was für mich im Gegenzug aber nicht möglich ist, da Sie anonym schreiben.

Leider reden Sie an meinen Argumenten vorbei, denn wir sind uns ja durchaus einig, dass "Inklusion geht", "sobald man sich die Mühe macht", den individuellen (!) Bedarf festzustellen.

Allerdings kann ich (so wie Sie es "definieren") keine Inklusion im Skispringen erkennen, wenn von Schanzen mit 20 cm - oder sogar nur von 0 cm - Höhe "gesprungen" wird.
Wenn ein E-Rolli-Fahrer in einen Leichtathletik-Verein ginge und am inklusiven Stabhochsprung teilnehmen wollte (um über 0 cm zu "springen"), würde er wahrscheinlich sehr fragende Blicke ernten.

Und im RICHTIGEN Arbeitsleben können nun mal keine Menschen inkludiert werden, die nicht die geringste Arbeitsleistung erbringen können.

Mein eigener Sohn ist 30 Jahre alt, hat Epilepsie, ist geistig extrem schwer behindert, so dass er weder den Sinn einer Toilette versteht, noch aus Erfahrungen lernt (z.B. dass man nicht auf eine heiße Herdplatte fassen sollte usw.), hat aber ein sehr hohes Bewegungsbedürfnis.
Für ihn habe ich nach langem Kampf (Sozialgericht) Inklusion durchgesetzt. Das bedeutet, dass er in Begleitung täglich seinen Bewegungsdrang mitten in der Gesellschaft ausleben darf.

Teilhabe am Arbeitsleben würde für ihn zwangsläufig die Unterbringung in einer Schwerstbehinderten-Gruppe einer WfbM bedeuten (also Extrem-Pooling).
Ein anderer "Arbeitgeber" ist für ihn nicht möglich, weil er definitiv arbeitsunfähig ist.

Und weil auch andere Menschen existieren, die arbeitsunfähig sind, kann man auch diese Menschen nicht in Arbeit inkludieren - ebenso wenig wie man alle Menschen im Stabhochsprung inkludieren kann.

Ich würde begrüßen, wenn wir alle gemeinsam gegen die Vorrangigkeit von Sondereinrichtungen vorgehen würden, anstatt per Definition Skisprungschanzen mit 0 cm Höhe zu konstruieren . . . oder Arbeit für arbeitsunfähige Menschen, die dann zwangsläufig in die Sondereinrichtung führt.

Von JKNMN

Sehr geehrte Frau Maubach,

Ich wundere mich etwas darüber, dass Sie schreiben, dass Inklusion in der Arbeitswelt nicht möglich sein soll. Wir müssen seit über elf Jahren (seit der Kindergartenzeit) hören, dass im Falle unseres Kindes Inklusion nicht geht. Trotzdem war es noch nie in einer Sondereinrichtung, weil es eben doch funktioniert hat, sobald man sich die Mühe machte, seine Bedürfnisse zu berücksichtigen. Die große Schanze könnte zum Beispiel für manche Menschen nur 20 cm hoch sein oder sogar nur 0 cm. Alles eine Frage der Definition.
Nur: Es geht eben nicht um Inklusion, sondern um maximale Kostenminimierung. Daher gibt es wohl auch keine Tagesstruktur (was günstiger wäre, als RICHTIGE Inklusion in der Arbeitswelt), sondern das von Ihnen beschriebene, NOCH günstigere “Zwangspoolen“.

Von Gisela Maubach

Da vorhin kein Platz mehr für die Grüße war, hier auch noch kurz der Hinweis, dass es im vorliegenden Beitrag ja um die Frage geht: Was ist Inklusion?
Und wenn man sich dann die hübschen Bildchen anschaut, auf denen der Unterschied zwischen Integration und Inklusion erklärt wird, dann dürfte man den Umkehrschluss ziehen können, dass Inklusion nicht in allen Bereichen möglich ist - und zwar überall dort nicht, wo nicht alle (!) Menschen teilhaben können.
Inklusion ist weder beim Stabhochsprung möglich noch beim Skispringen von der großen Schanze . . . und auch nicht beim Arbeitsleben, weil halt auch arbeitsunfähige Menschen existieren.

Und um Missverständnissen vorzubeugen:
Ich spreche mich keineswegs gegen den Anspruch auf einen Werkstattplatz für arbeitsunfähige Menschen aus. Aber dieser Anspruch darf nicht zur vorrangigen Leistung werden, so dass die Möglichkeit einer Tagesstruktur in der nicht-behinderten Welt für diesen Personenkreis ausscheidet.

Nun also auch hier aus NRW herzliche Grüße nach Berlin
Gisela Maubach

Von Gisela Maubach

Sehr geehrter Dr. Theben,

die Frage, wer nach welchen Kriterien über die Arbeitsfähigkeit entscheidet, begrüße ich ausdrücklich!
In NRW findet diesbezüglich nämlich überhaupt keine (!) individuelle Prüfung statt. Pro forma existieren hier einfach keine Menschen, die nicht in der Lage sind, ein Mindestmaß wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung zu erbringen.
Das führt dazu, dass auch diejenigen, die in der Realität eben doch nicht arbeitsfähig sind, trotzdem einen Anspruch auf "Teilhabe am Arbeitsleben" haben - wohlwissend, dass dieser Anspruch in diesen Fällen dann ausschließlich (!) in der Sondereinrichtung WfbM gedeckt werden kann - und zwar in eigenen Gruppen, die von der Produktion getrennt sind und in denen die schwerstbehinderten Menschen den gesamten Tag unter sich betreut werden.

Und da die "Teilhabe am Arbeitsleben" vorrangig in Anspruch zu nehmen ist, scheidet eine individuelle Bedarfsfeststellung regelmäßig aus.
Der Vorrang von Arbeit mag ja bei arbeitsfähigen ALG-II-Empfängern nachvollziehbar sein, aber wenn diese Vorrangigkeit dazu führt, dass diese Leistung für ganze Personengruppen automatisch nur in der Sondereinrichtung möglich ist, dann sind wir von Inklusion insgesamt sehr weit entfernt.

Über Menschen mit schwersten Behinderungen existieren regelmäßig schon zahlreiche Unterlagen, so dass gemeinsam mit den Erfahrungen von langjährigen Vertrauenspersonen eine individuelle Bedarfsfeststellung durchaus möglich wäre - wenn man denn wollte.
Als mein Sohn 18 Jahre alt wurde, musste für den Träger der Grundsicherung ein Gutachten durch den Rentenversicherungsträger eingeholt werden. Dafür mussten sämtliche Ärzte von der Schweigepflicht entbunden werden.
Für die Betreuung durch das Amtsgericht wurde vom dortigen Verfahrenspfleger ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben.

Wir unterliegen einer grenzenlosen Bürokratie.
Da sollte es doch möglich sein, denjenigen Bedarf festzustellen, der die Lebensqualität eines Menschen ausmacht.

Von Dr. Theben

Sehr geehrte Frau Maubach,

touché! Aber es stellt sich die Frage, wer eigentlich über die "Arbeitsfähigkeit" nach welchen Kriterien entscheidet.

Und: Wie sieht den dann die Ibnklusion, besser: Teilhabe dieser Betroffenen aus.

Herzliche Grüße aus dem bitterkalten Berlin

DR. Martin Theben

Von Gisela Maubach

Zitat aus dem Beitrag:

"Wenn jeder Mensch überall dabei sein kann, am Arbeitsplatz, . . . "

Es verwundert doch sehr, dass ausgerechnet bei der Frage "Was ist Inklusion?" falsch geantwortet wird.
Wer behauptet, dass Inklusion am Arbeitsplatz möglich sei, würde die Existenz von arbeitsunfähigen Menschen leugnen, denn Inklusion bedeutet nun mal, dass alle - und wirklich alle - Menschen dabei sein können.

Und solange die Existenz von arbeitsunfähigen Menschen geleugnet wird, wird das Wort Inklusion zweckentfremdet, um ausschließlich Menschen mit einer gewissen Leistungsfähigkeit in die Gesellschaft integrieren zu wollen . . . und die "nicht brauchbaren" extrem-gepoolt in Sondereinrichtungen abzuschieben . . .

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