3 Tage in Quiberon

Veröffentlicht am von Anke Glasmacher

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Bild: Anke Glasmacher

Bericht von kobinet Korrespondentin Anke Glasmacher von der Berlinale

Berlin (kobinet) Das letzte große Interview von Romy Schneider mit dem Journalisten Michael Jürgs und photographiert von Robert Lebeck 1981 für den Stern gilt als legendär. Romy Schneider war nach dem frühen Erfolg mit den Sissi-Filmen längst ein internationaler Star. Doch weil sie Deutschland verlassen hatte und in Paris lebte, wurde sie von der deutschen Presse scharf kritisiert. Für Romy Schneider ein Grund mehr, sich zurückzuziehen. Doch für das Interview mit dem Stern machte sie 1981 eine Ausnahme. Und präsentierte sich verletzlich und schonungslos offen.

Emily Atefs Film über Romy Schneider, das dieses Interview in den Mittelpunkt stellt, ist kein Biopic, kein Dokumentarfilm, sondern ein Spielfilm über eine reale Begebenheit. Dabei hat die Fragestellung: wie viel ist Wirklichkeit, wie viel Rolle, wie viel Person, Romy Schneider zeitlebens beschäftigt. Sie fühlte sich in der Bandbreite ihres künstlerischen Schaffens nicht wahrgenommen. Für die Deutschen blieb sie die Sissi.

Zu der Zeit, als das Interview stattfand, hatte sich Romy Schneider (brillant gespielt von Marie Bäumer) zur Erholung in die Bretagne zurückgezogen. Für ihre nächste Rolle, aber vor allem für ihre Kinder will sie wegkommen vom Alkohol und den Tabletten. Also Heilfasten. Bis ihre Freundin Hilde (Birgit Minichmayr) zu Besuch kommt. Romy gesteht ihr, wie erschöpft sie ist und wie zerrissen zwischen Beruf und Familie. Ihr fünfzehnjähriger Sohn hat sich entschieden, lieber mit seiner Pflegefamilie zusammenzuleben. Für Romy eine unerträgliche Vorstellung. Sie fürchtet ihr Versagen als Mutter.

Das Interview mit dem Stern hatte sie zugesagt, um Robert Lebeck (Charly Hübner) einen Gefallen zu tun. Ihn kennt sie schon lange und schätzt seine sensiblen Photoarbeiten. Anfangs weiß Romy die insistierenden Fragen von Journalist Michael Jürgs (Robert Gwisdek) charmant zu kontern, doch je länger das Gespräch dauert, desto stärker lässt sie sich ein, desto weicher wird sie: „Ich bin eine unglückliche Frau von 42 Jahren und heiße Romy Schneider", sagt sie entwaffnend. Nein, sie war nicht Sissi. Sie war Romy. Und das, so ahnt man, war viel schlimmer.

Doch mit ihrer schonungslosen Offenheit erreicht sie, was sie trotz Weltkarriere und mit zahlreichen internationalen Filmen nicht schaffte: Den Mythos Sissi endgültig zu zerstören.

Der Film begeistert: Stimmiges Drehbuch, großartige Bilder, ganz in Schwarzweiß gedreht und das passt. Das Spiel aus Nähe und Distanz setzt die Kamera virtuos und diskret um. Alle Rollen sind komplett stimmig besetzt – und aus diesem hervorragenden Spiel ragt Marie Bäumer in der Rolle als Romy noch einmal heraus. Sie spielt diese berühmte, erfolgreiche, zerbrechliche, selbstbewusste, lebenslustige und zutiefst traurige und verunsicherte Frau mit sehr genauen Gesten. Mal ganz groß und laut, mal klein und leise und mit einer Mimik, in der man eine ganze Lebensgeschichte lesen kann – eine starke Frau. Grandios! Und: Bärenverdächtig.

„3 Tage in Quiberon" (Regie: Emily Atef) läuft im Wettbewerb (Weltpremiere).

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