Daughter of Mine

Veröffentlicht am von Anke Glasmacher

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Bild: Anke Glasmacher

Bericht von kobinet Korrespondentin Anke Glasmacher von der Berlinale

Berlin (kobinet) Vom warmen Licht des Südens war in der Vorankündigung für den italienischen Wettbewerbsbeitrag „Daughter of Mine" (Figlia mia) die Rede. Doch wer deswegen eine romantische Familiengeschichte erwartet hatte, musste gleich bei der ersten Kameraeinstellung erkennen, dass Sonne auch auf Unheil scheint. Die zehnjährige Vittoria (Sara Casu) wächst mit ihren Eltern in einem sardischen Dorf behütet, aber als Außenseiterin auf. Die meisten Menschen dort leben vom Fischfang. Sie trinken und arbeiten zusammen. Rau ist ihr Umgangston. Das trifft auch auf Angelica (Alba Rohrwacher) zu, mit der die meisten Männer des Dorfes bereits geschlafen haben. Selten nüchtern. Als Vittoria Angelica auf einer Dorffeier das erste Mal trifft, ist sie fasziniert und eingeschüchtert von dieser Frau. Sie erzählt ihrer Mutter Tina (Valeria Golino) davon und erfährt, dass ihre Eltern Angelica, die mit ein paar zerzausten Tieren verarmt abseits des Dorfes lebt, mit Lebensmitteln und Geld unterstützen. Beim nächsten Besuch begleitet Vittoria ihre Mutter, dann besucht sie Angelica immer öfter alleine. Keine gute Idee, findet die Mutter. Als Angelica aufgrund ihrer Schulden den Hof zu verlieren droht, hofft Tina inständig, dass sie die Insel verlässt. Doch das erste Mal kämpft Angelica. Und man ahnt, dass der Grund Vittoria ist.

"Nimm eine Frau und gib ihr die Leinwand! Und schau dieser Frau zu, wie sie einfach ihr Ding macht, was auch immer dieses Ding ist", sagte vor zehn Jahren Tilda Swinton anlässlich der Premiere des Films „Julia" auf der Berlinale im Interview mit der ZEIT (07.02.2008). „Daughter of Mine" erinnert in vielem an „Julia". Alba Rohrwacher spielt ihre Figur in jeder einzelnen Szene auf die gleiche schonungs- und bedingungslose Weise. Das ist ehrlich – und schwer zu ertragen. Überzeugend auch die junge Sara Casu als Vittoria. Irritierend hingegen der Filmschnitt, die einzelnen Szenen enden immer eine Sequenz zu früh – das mag gewollt sein, passen tut es nicht. Das gilt dann auch für das Ende des Films, das dramaturgisch doch überrascht.

„Daughter of Mine" (Regie: Laura Bispuri) ist der italienischer Wettbewerbsbeitrag auf der Berlinale (Weltpremiere). Für Fans: In einer Nebenrolle spielt Udo Kier mit und wie immer so, dass seine kleine Rolle ganz groß wird. (ag)

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