Cobain

Veröffentlicht am von Anke Glasmacher

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Bild: Anke Glasmacher

Bericht von kobinet Korrespondentin Anke Glasmacher von der Berlinale

Berlin (kobinet) Kurt Cobain, Leadsänger von Nirvana, war er für viele eines der Idole der frühen 1990er Jahre. Nicht zuletzt sein früher Tod machte ihn zur Legende. Der fünfzehnjährige Cobain in Nanouk Leopolds Film vermutet allerdings, dass seine Mutter mehr den Drogensumpf als die Musik mit dem Namen verbindet. Entsprechend seine Ablehnung: "Wer will schon wie ein toter Junkie heißen", kanzelt er zwei jugendliche Gitarrenspieler ab, die seinen Namen, aber eben auch nur seinen Namen cool finden. Der Name scheint die Geschichte zu weisen.

Cobain (Bas Keizer) hat alles hinter sich und nichts vor sich. Aus dem Jugendheim wird er in eine Pflegefamilie entlassen, bleibt dort aber nicht einmal die erste Nacht. Er sucht seine Muttern („Mia", gespielt von Naomi Velissariou), die – drogenabhängig, arbeitslos, alleine – erneut schwanger ist und sich um ihn nicht kümmern will. Die Vaterfigur (Wim Opbrouck), bei dem er statt dessen eine Weile unterkommt, ist ein Zuhälter, der von Cobains Mutter nichts hält. „Sie wird eh bald an den Drogen zugrunde gehen", prophezeit er ihm. Cobain verlässt ihn daraufhin und beschließt, seine Mutter vor sich selbst zu retten. Eine folgenreiche Entscheidung.

„Gibt es für ein Kind eine schlechte Mutter?" Diese Frage, bewusst doppeldeutig gestellt, hat die niederländische Regisseurin Nanouk Leopold zu ihrem Film bewegt. Sie zeigt auf sehr sensible Weise, wie eng die Beziehung der beiden verwoben ist. Der Sohn liebt seine Mutter. Und zwar bedingungslos, auch wenn ihm das chaotische, unzuverlässige Leben und die Launen seiner drogenabhängigen Mutter natürlich nicht gut tun können. Seine Liebe bewegt ihn dazu, die Rollen zu tauschen. Statt beschützter Sohn zu sein wird er zum beschützenden Elternteil. Doch Nanouk Leopold zeigt nicht, wie er an der viel zu großen Verantwortung zerbricht, sondern sie begleitet sein Erwachsenwerden und zeigt, wie ihm daraus eine neue Stärke erwächst. Diese Perspektivverschiebung tut dem Film gut.

Cobain wird brilliant gespielt von dem ebenfalls erst fünfzehnjährigen Bas Keizer. Das Traurige, Ernsthafte, Freiheitsliebende seiner Figur nimmt man seinem Spiel in jeder Phase ab. Keizer, so erzählte er im Kurzinterview nach der Premiere, wurde für die Rolle an seiner Schule angesprochen. Er wusste gar nicht, wie ihm geschah, ging zum Casting und setzte sich gegen 500 andere Jugendliche durch. Ein Glücksfall für den Film.

„Cobain" läuft auf der Berlinale in der Sektion Generation 14plus (Weltpremiere).

 

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